Feiertage für alle

30. März 2013 1 Kommentar

Nachdem ich gelesen habe, dass Muslime demnächst das Recht bekommen, an muslimischen Feiertagen freizunehmen – also Urlaub zu bekommen -, kam ich auf die Idee, dass man das generell so machen sollte. Auch die Christen sollten an ihren Feiertagen dieses Recht bekommen.

Allerdings sollten gleichzeitig alle christlichen Feiertage in Deutschland, an denen niemand zur Arbeit muss, durch nichtreligiöse Feiertage ersetzt werden. Also z.B. Christi Himmelfahrt durch einen Evolutionstag – an einem anderen, noch festzulegenden Datum. Da würden uns bestimmt genug einfallen.

Das Resultat wäre, dass es genauso viele Feiertage wie vorher gäbe, an denen alle frei haben. Religiöse Menschen dürfen jedoch an ihren Feiertagen Urlaub nehmen, der ihnen nicht verwehrt werden darf.

Auf Anhieb fallen mir ein paar Vorteile ein: Da nicht mehr alle gleichzeitig zu Ostern/Weihnachten freihaben werden, gäbe es weniger Staus durch Reiseverkehr. Vielleicht entspannt sich sogar die Lage in den Geschäften, die zu diesen Zeiten große Werbe- und Verkaufsoffensiven starten.

Und nicht zuletzt muss ich mir nie wieder anhören, dass ich es angeblich den Christen (und nicht dem Staat) zu verdanken hätte, wenn ich zu Ostern/Weihnachten nicht arbeiten bräuchte. Ich weiß nur, dass es Christen zu verdanken ist, wenn Andersgläubige, Geschiedene oder Homosexuelle nicht in kirchlichen Einrichtungen arbeiten dürfen…

E-Mails? Ja, bitte!

E-Mails? Nein danke! – SPIEGEL ONLINE.

Lieber Ole Reißmann, das kann ich einfach nicht so stehen lassen. Im Beruf versuche ich Andere dazu zu erziehen, mir eine Mail zu schreiben, anstatt mich durch einen Telefonanruf zu erschrecken. Und Müll gibt es darunter ebensoviel wie bei den Anrufen.

Im privaten Bereich, für den ich selbstverständlich eine andere Adresse habe, sieht es ganz anders aus. (Stimmt nicht ganz, ich habe einige private Mailadressen, nicht nur eine.) Da bekomme ich für meinen Geschmack viel zu wenige Mails. Auf jeden Fall viel weniger als früher.

Und E-Mail ist nun wirklich die einfachste Art, übers Internet zu kommunizieren. Nicht zuletzt, weil es zu dieser uralten Methode inzwischen viele technische Hilfmittel gibt. Um eine Mail zu beantworten, muss ich nur noch einen Mausklick machen, und kann sofort die Anwort schreiben. Zum Absenden genügt ein weiterer Mausklick.

Zugegeben, es ist für Laien nicht ganz so einfach, die Mails vor dem eventuellen Mitlesen zu schützen, aber Verschlüsselung ist prinzipiell möglich. Ich will Mail gar nicht ersetzen, auch wenn ich zu manchem Zwecke andere “Plattformen” nutze. Aber Mail ist sozusagen meine “Zentrale”. Dort läuft alles von Wichtigkeit ein, auch Benachrichtigungen über Nachrichten bei Facebook oder Twitter. Denn ich will keine Zeit damit verplempern, immer wieder zu kontrollieren, ob es etwas Neues gibt. Und wenn man nur alle zwei Tage dort hineinschaut, wird man keiner Diskussion angemessen folgen können.

Selbstverständlich benutze ich für große Dateien längst Dropbox, und gemeinsame Termine werden mit Doodle ermittelt. Vielleicht hinken Sie diesbezüglich der Entwicklung etwas hinterher, Herr Reißmann? Bei Apps mit Ortsfunktion wäre ich allerdings sehr vorsichtig. Es sei denn, Sie wollen einem undurchsichtigen Konzern erlauben, Ihre Bewegungen zu verfolgen.

Dass Mail zu langsam sei, lese ich zum ersten Mal. Wenn ich eine Mail versende, ist sie eine Sekunde später beim Empfänger, selbst dann, wenn dieser auf der anderen Seite dieses Planeten wohnt. Gut finde ich allerdings die Entschleunigung durch Mailverkehr: Bei Mails habe ich die Kontrolle darüber, wann ich sie lese, und wann ich sie beantworte. Das ist bei Telefonaten ganz anders. Und auch bei einer Twitternachricht wird von mir eine zeitnahe Reaktion erwartet. Nicht so bei Mails. Da lasse ich mir schon mal ein paar Tage Zeit, sie in Ruhe zu beantworten. Was sich bei der Qualität keineswegs negativ bemerkbar macht.

Übrigens verschicken Roboter keine Mails, auch wenn es Programme gibt, die “Robots” genannt werden. Aber ein Roboter besteht aus Hardware. Der kann vielleicht Briefe schreiben, wenn man ihm beibringt, wie man einen Stift führt.

Ja, ich benutze auch Facebook, Twitter, Google+ und Skype zur Kommunikation – aber ich will niemals auf E-Mails verzichten. Dazu sind sie einfach viel zu praktisch. Und sie lassen einem genügend Zeit zum Nachdenken vor der Antwort…

Konzeptlos? – Nein, danke!

24. Juni 2012 1 Kommentar

Heute habe ich, der ich mit Cassetten und Schallplatten aufgewachsen bin, mal wieder irgendwo gelesen, dass CDs als Tonträger eine veraltete Technik seien. Das mag stimmen, aber dennoch werde ich auch in Zukunft welche kaufen. Um sie zu hören, oder um die Musik auf mein Smartphone oder einen USB-Stick zu spielen, damit ich sie mitnehmen und unterwegs hören kann.

Wieso ich Songs nicht gleich aus dem Internet herunterlade? Abgesehen davon, dass ich manche Aufnahmen gar nicht im Internet finde: Weil mir da etwas fehlt. Und was mir fehlt, versuche ich im Folgenden zu verdeutlichen.

Es gab früher einmal etwas, das man als “Konzeptalbum” bezeichnete. Wobei damit zwei leicht unterschiedliche Arten von Alben gemeint sein konnten. Das werde ich später an Beispielen erläutern. Um zu verstehen, was das Besondere an Konzeptalben war und ist, möchte ich etwas mehr als 100 Jahre in der populären Musik zurückspringen, nämlich in die Zeit der allerersten Musikaufnahmen.

Als Emil Berliner die Schelllackplatte erfand, die dann auf Grammophonen abgespielt wurde, war nicht nur die Tonqualität nach heutigen Maßstäben miserabel. Es passte auch nicht allzuviel auf eine Scheibe drauf, ca. vier Minuten Musik oder Sprache.

Als dann nach dem Zweiten Weltkrieg Vinylplatten auf den Markt kamen, setzten sich nach einiger Zeit vor allem zwei Formate durch: Die sogenannte Single, die jeweils ein Lied auf der Vorder- und Rückseite enthielt. Und die Langspielplatte (LP), die im Schnitt auf jeder Seite fünf bis acht Titel hatte. Laufzeit pro Seite ca. 15 Minuten; meine längste Schallplatte ist vermutlich die erste aus dem “blauen Doppelalbum” der Beatles, die hat eine Gesamtlänge von ungefähr 50 Minuten.

Die Qualität war erheblich besser als bei den alten Schelllackplatten, und die LPs hatten auch eine wesentlich längere Laufzeit. Sie waren jedoch auch viel teuer, und daher noch in den 60er Jahren weniger etwas für junge Leute als vielmehr für betuchte Musikliebhaber. Wenn ich mich recht erinnere, kostete in den 70ern, als ich meine ersten Platten kaufte, eine Single normalerweise 6 DM, während man für eine LP 15, 18 oder gar 20 DM ausgeben musste. Doppel-LPs gab es kaum unter 20 DM.

Anfangs dürften LPs wegen der Länge sogar eher für Klassikaufnahmen bevorzugt worden sein, während sich auf Singles der Dreiminuten-Popsong durchsetzte. Der erste bedeutend längere Song der Popgeschichte war wahrscheinlich “Hey Jude” von den Beatles, welcher auch auf der bereits erwähnten LP zu finden ist.

An den Beatles kann man auch den Wandel in den 60ern beobachten: Während die ersten LPs der Beatles nichts weiter waren als eine Sammlung und beinahe willkürliche Zusammenstellung ihrer Hitsingles, begann mit “Rubber Soul” und “Revolver” ein langsamer Wandel, der dann bei “Sgt. Pepper” deutlich wurde: Auf einmal wurden die Songs auf LPs in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet, in der sie gehört werden sollten! Es steckte also ein Konzept dahinter, welche Titel in welcher Reihenfolge auf eine LP kamen.

Dies war die erste Art von Konzeptalbum. Viele solcher Alben sollten folgen, auch wenn manche Musiker weiterhin nur Sammlungen ihrer Hits auf LP herausgaben. Aber es kam dann noch eine zweite Art von Konzeptalbum, bei dem die Titel sogar unter einem gemeinsamen Motto standen oder eine mehr oder weniger zusammenhängende Geschichte erzählten.

Es gäbe sehr viele Konzeptalben zu erwähnen, ich werde mich auf ein paar herausragende Beispiele beschränken. Klassiker sind von “The Who” zuerst die Rockoper “Tommy”, die auf LP natürlich ein Konzeptalbum darstellt. Ebenso wie die Musik zum späteren Film “Quadrophenia”.

Die frühen Genesis (noch mit Peter Gabriel) haben quasi nur Konzeptalben herausgebracht. Auf dem Gipfel ihres Ruhms und vor der Trennung von Gabriel gab es das spektakuläre “The Lamb Lies Down On Broadway”, eine Art musikalischer Psychothriller über zwei LPs.

Außerdem möchte ich “Thick As A Brick” von Jethro Tull nicht unerwähnt lassen: Die LP ist so aufgemacht, als würde eine reale Geschichte erzählt werden. Zeitungsausschnitte auf dem Cover scheinen das zu belegen.

Pink Floyd haben auch einige klassiche Konzeptalben herausgebracht. So z.B. “Wish You Were Here”, welches dem früheren Pink-Floyd-Mitglied Sid Barrett gewidmet war. Und natürlich “The Wall”, dessen Geschichte durch Film und Liveaufführungen bekannt geworden ist. “Dark Side Of The Moon” darf man natürlich auch nicht im Shufflemodus anhören…

Später gab es dann noch Musiker wie Mike Oldfield oder “The Alan Parsons Project”, die die Tradition der Konzeptalben aufrechterhielten. Da ich niemals alle werde aufzählen können, dürfen gerne noch in Kommentaren Beispiele für Konzeptalben hinzugefügt werden. :-)

Im weiteren Sinne könnte man auch noch Liveaufnahmen wie z.B. das großartige “Live At The Fillmore East” der “Allman Brothers Band” oder “Live At Leeds” von “The Who” als Konzeptalben ansehen: Denn natürlich möchte man die Stücke auf dem Tonträger so angeordnet haben, wie sie im Konzert erklangen. Das Konzept des Konzerts sollte 1:1 auf dem Tonträger wiedergegeben werden.

Die meisten erwähnten Beispiele bestehen zwar nach wie vor aus einzelnen Songs. Diese gehen jedoch auf den Alben oftmals ineinander über, und sollten auf jeden Fall in einer bestimmten, von den Künstlern beabsichtigten Reihenfolge angehört werden. Und nun kommt das digitale Internet…

Abgesehen davon, dass es Unsinn ist, einzelne Songs aus Konzeptalben herunterzuladen, fehlt mir noch etwas anderes dabei. Konzeptalben waren eine Art Gesamtkunstwerk. Die Cover wurden aufwendig gestaltet, oft gab es “Beilagen” wie Fotos oder Plakate. Davon ist schon einiges durch die CD verlorengegangen. Diese ist zwar von der Qualität und von der Spieldauer her der LP überlegen. Aber “Booklets” können nunmal keine Plattencover (mit Reißverschluss bei den Rolling Stones oder mit Drehscheibe bei Led Zeppelin) ersetzen. Zum Glück gibt es inzwischen zahlreiche “Luxuseditionen”, die sich nicht an das Standardformat einer CD-Hülle halten.

Ja, selbstverständlich kann man das meiste davon auch digitalisieren (den funktionierenden Reißverschluss wohl kaum), und über Internet versenden. Warum aber reicht es vielen Menschen nicht, sich eine (digitale) Kopie von Leonardos Mona Lisa anzusehen? Warum wollen sie unbedingt in den Pariser Louvre, um das Original zu betrachten?

Weil digitalisierte Kunst bzw. Musik niemals die gleichen Sinneserfahrungen bieten wird wie die Originale. Das wäre der Unterschied zwischen einer Kopie und einer perfekten Kopie. Wer jemals eines der erwähnten Konzeptalben in seinen Händen hielt und aufklappte, wird verstehen, was ich meine…

Lob? Gerne, aber bitte richtig!

Vermutlich werden mir viele zustimmen, dass Lob etwas sehr wichtiges ist, nicht nur für Kinder. Und dass zuwenig gelobt wird. Aber weshalb wird denn sowenig gelobt? Ein Grund dafür könnte sein, dass es gar nicht so einfach ist, richtig zu loben. Wobei mit “richtig” gemeint ist, dass der Gelobte davon auch profitieren soll, indem das Lob ihn freut und ihm vielleicht sogar mehr Selbstvertrauen gibt, und ihn damit in seiner Entwicklung unterstützt.

Gelobt werden normalerweise außergewöhnliche, hervorragende Leistungen. Aber genau liegt das Problem: Was ist denn außergewöhnlich? Klar, außergewöhnlich ist das, was nicht gewöhnlich ist. Aber für wen? Soll ich jemanden für etwas loben, was ich außergewöhnlich finde, weil es für mich außergewöhnlich wäre? Nein, ich kann mich nicht als Maßstab nehmen.

Aber wäre es stattdessen besser, jemanden für eine Leistung zu loben, die für die meisten Menschen außergewöhnlich wäre? Das kommt drauf an. Hier ein Gegenbeispiel: Obwohl ich seit vielen Jahren nicht mehr regelmäßig übe, und immer wieder nur bei Gelegenheit ein paar alte Standards herunterspiele, wird mein Gitarrespiel immer noch bewundert und gelobt. Warum nur? Weil die meisten Leute für herausragend halten, was für mich selbstverständlich geworden ist.

Nein, der Maßstab beim Lob muss ein anderer sein. Gelobt werden sollten (erwünschte) Fortschritte in der Entwicklung. Und damit wird der Gelobte selbst zum Maßstab. Das ist aber auch das Problem mit dieser Art Lob: Um jemanden auf diese Weise loben zu können, müssen wir ihn gut kennen, sollten wir seine bisherige Entwicklung entweder verfolgt haben, oder uns zumindest darüber informiert haben.

Das kann und muss auch dazu führen, dass wir für Leistungen loben, die für uns selbst selbstverständlich sind. Kinder loben wir doch auch für ihre ersten Schritte oder Sätze, auch wenn wir selbst schon viel weiter sind. Aber wenn zum Beispiel ein Depressiver es schafft, sich trotz Antriebsschwäche aufzuraffen, etwas zu erledigen, was uns einfach erscheint, dann fällt uns Lob schwer – obwohl gerade dieser Depressive solch positive Verstärkung sehr gut gebrauchen könnte.

Wenn ich mir also Lob wünschen dürfte, dann nicht für Leistungen, die ich mit links schaffe, auch wenn sie andere in Erstaunen versetzen. Sondern für Leistungen, die für mich außergewöhnlich sind – auch wenn sie anderen noch so banal erscheinen mögen!

Popmusik wird immer trauriger?

Popmusik wird immer trauriger: Wissenschaftliche Studie der FU Berlin – SPIEGEL ONLINE.
Wenn die Popmusik seit den 80ern immer “trauriger” geworden ist, dann liegt das meiner Ansicht nach auch an der Globalisierung in der Musik.

Lange Zeit herrschte bei uns neben dem deutschen Schlager (und einigen wenigen “Liedermachern”) die anglo-amerikanische Rock- und Popmusik. Welche Musik in anderen Ländern auf unserem Planeten gehört wird, interessierte nur eine verschwindende Minderheit. Sicherlich gab es Moden wie den brasilianischen Bossanova, den argentinischen Tango, oder gar indische Ragas. Aber Ravi Shankar wirkte in Monterey Ende der 60er doch noch sehr exotisch. Vermutlich sorgte der überdurchschnittliche Drogenkonsum auf dem Festival für die Erträglichkeit und Akzeptanz derartiger Musik.

Doch in den 80ern sollte sich alles ändern. Der Meilenstein – da sind sich die meisten einig – war das Album “Graceland” von Paul Simon. Auf diesem musizierte er mit Musikern wie “Ladysmith Black Mambazo” aus Südafrika, und ließ sich auch von deren Musik inspirieren. Und auf einmal fingen sie alle an: Kate Bush sang mit dem Trio Bulgarka, Neneh Cherry rockte mit Youssou N’Dour, und vor allem Peter Gabriel versuchte ganz viele Musiker aus fernen Ländern zu entdecken, und gründete zu diesem Zweck sogar ein eigenes Label namens “Realworld“.

Und spätestens heute, in Zeiten des Internets, ist es völlig normal, über Ländergrenzen und Kontinente hinweg gemeinsam zu musizieren. Daher stecken in der heutigen europäischen Popmusik Einflüsse aus Südafrika, dem Senegal, aus Indien und Pakistan, aus Japan, und speziell in Deutschland auch aus der Türkei und arabischen Ländern.

Nun sind Dur und moll aber europäische Erfindungen. Das “Wohltemperierte Klavier” von Johann Sebastian Bach besteht zu gleichen Teilen aus Dur- und moll-Stücken, da es quasi zu Demonstrationszwecken komponiert wurde. Andere Völker haben völlig andere tonale Systeme. Und sie haben auch ein anderes Verständnis der Tonarten. Man höre nur einmal russische oder Klezmermusik: Die klingt in unseren mitteleuropäischen Ohren meistens traurig, weil sie unserem moll entspricht. Dabei werden diese Lieder auch auf fröhlichen Festen gespielt!

Die indischen Tonleitern mit ihren Vierteltönen oder auch die chinesischen lassen sich überhaupt nicht 1:1 in unsere musikalischen Systeme übertragen. Damit es sich aber international verkaufen lässt, wird die Tonalität dem Dur-moll-System angeglichen. So klingt es noch ein wenig exotisch, aber doch so harmonisch, dass sich europäische Ohren damit anfreunden können.

Wir haben heute in der Popmusik einfach mehr Auswahl, weil sich die musikalischen Grenzen geöffnet haben. Dur und moll werden nach wie vor im Musikunterricht gelehrt, doch wird uns immer deutlicher, dass weder die “westliche” Klassik, noch die “westliche” Popmusik das Mass der musikalischen Dinge ist. Überall auf dem Planeten wurde und wird hervorragende und interessante Musik gemacht. Wir müssen nur versuchen, uns ein wenig von unseren Hörgewohnheiten zu lösen, um eine neue Vielfalt entdecken und genießen zu können!

Der Rabbi lässt tanzen

25. April 2011 2 Kommentare

Das Juden- und das Christentum sind beide monotheistische und abrahamitische Religionen, und angeblich wird in beiden sogar derselbe Gott Jahwe angebetet, dessen Namen die Juden allerdings nie aussprechen – aus Angst ihn zu missbrauchen, was ihnen ja verboten wurde. Die Christen benutzen ihn auch nur selten (oft in der falschen Weise als “Jehova”), da sie das Alte Testament quasi von den Juden übernommen haben, in dem der Gottesname nur als “adonai” gelesen wurde. Was dann in der deutschen Übersetzung durch Martin Luther wiederum zu einer Inflation des “HErrn” führte.

Doch die Unterschiede zwischen diesen beiden Religionen zeigen sich außer in dem Kernpunkt, dass der Wanderprediger Jesus von Nazareth von den einen als Messias, von den anderen jedoch nur als ein weiterer Prophet angesehen wird, vor allem im Umgang mit den Ge- und Verboten, die den Juden und Christen auferlegt wurden – bzw. die sie sich selbst auferlegt haben.

Aktueller Anlass für diesen Artikel ist für mich das Tanzverbot an hohen christlichen Feiertagen. Davon steht natürlich noch nichts in der Bibel drin. Es ist aber natürlich durchaus nachvollziehbar, wenn Christen an dem Tag, an dem angeblich ihr Heiland starb, trauern anstatt zu tanzen. Weniger nachvollziehbar ist dagegen, dass sozusagen ein Trauergebot gilt bzw. ein Tanzverbot. Muss gläubigen und damit trauernden Christen wirklich an Karfreitag das Tanzen verboten werden? Nun gut, aber überhaupt nicht mehr für mich nachvollziehbar ist es für mich, wenn die christlichen Kirchen dieses Verbot erstens durch den Staat regeln lassen. Und es zweitens auch für Anders- und Ungläubige gelten soll.

Die (gläubigen!) Juden in Israel gehen mit den religiösen Verboten ganz anders um. Mal abgesehen davon, dass sie sich auch als äußerst kreativ erweisen, wenn es darum geht, Schlupflöcher zu finden, gelten diese Gesetze natürlich nur für Juden. Es würde einem Juden nicht im Traume einfallen, einem Christen oder Muslim z.B. zu verbieten, ein Zicklein in der Milch der Mutter (des Zickleins) zu kochen. Im Gegenteil: Viele Palästinenser leben in Israel ganz gut davon, dass sie am Sabbat die Arbeiten erledigen, die Juden nicht machen dürfen – z.B. einen Fahrstuhl bedienen.

Während die Juden sich selbst für das auserwählte Volk halten, und andere nur ungern mit “ins Boot nehmen” möchten, ist das Tanzverbot der Christen beinahe schon eine Art Zwangschristianisierung, auf jeden Fall aber wieder einmal offensive Missionsarbeit. Wer (in Hessen) etwas dagegen unternehmen möchte, der kann sich den zum Zeitpunkt dieses Artikels genau 5.555 Leuten anschließen, die per Petition eine Aufhebung dieses Tanzverbots erreichen möchten.

Neues vom Arbeitslosenmarkt

Die zur Zeit niedrige Arbeitslosenquote ist zu einem gewissen Teil wohl auch der Bundesagentur für Arbeit zu verdanken. Offensichtlich hat diese ihr bisheriges Vorgehen überdacht. Nachdem sie schwervermittelbare Arbeitlose vor allem in merkwürdige Kurse schickte, in denen diese lernen sollten, anständige Bewerbungen für Jobs zu schreiben, die sie ohne wirkliche Qualifizierung sowieso nie bekommen werden, scheint die Agentur insgeheim dazu übergegangen zu sein, diese Leute einfach einzustellen. Zwar nicht als Vermittler, aber immerhin in der “Eingangszone”, einer der Schnittstellen zur Öffentlichkeit.

Aber was ist passiert? Ich schrieb eine Mail an meine zuständige Arbeitsagentur, und bat um einen Termin für eine Beratung zum Thema Qualifizierung. Ich muss dazusagen, dass ich nicht mehr arbeitslos gemeldet bin, um mir wenigstens als Freiberufler ein wenig hinzuverdienen zu können, bis ich wieder eine Festanstellung haben werde, mit der ich meinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Durch die Abmeldung bei der Agentur hatte ich keinerlei Nachteile, weil ich auch keine finanzielle Unterstützung von dieser Seite erhalte. Und da sie nicht für mich zahlen brauchten, hatten sie sich auch keine Mühe mehr gegeben, mich zu vermitteln. Auf eine Beratung habe ich jedoch selbst als Arbeitnehmer einen Anspruch.

Sehr geehrter Herr <Name ist der Redaktion bekannt>,

um ein Termin bei Vermittler zu bekommen, bitte melden Sie sich bei der zuständige Agentur für Arbeit, erneut arbeitslos.

Mit freundlichen grüßen

Ich möchte explizit darauf hinweisen, dass ich an der “Rechtschreibung” keinerlei Änderungen vorgenommen habe. Die Antwort auf meine Anfrage kam wirklich genau so, wie ich sie hier zitiere.

Man kann der Dame (mit einem vermutlich griechischen Namen) natürlich zugutehalten, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Von mir aus könnte auch ein Chinese meine Mails beantworten. Nur sollte die Arbeitsagentur dafür sorgen, dass in einem Bereich, der direkt mit der Öffentlichkeit kommuniziert, jemand sitzt, der der deutschen Sprache gewachsen ist. Und nicht diese arme Frau, die es geschafft hat, in zwei kurzen Sätzen, nicht weniger als sechs Fehler einzubauen. Ich gehe sogar davon aus, dass die Kürze ihrer Antwort auf mangelnde Sprachkenntnisse zurückzuführen ist.

Nichtsdestotrotz war ihre Antwort auch inhaltlich nicht korrekt. Ich schrieb erneut, dass ich um einen Beratungstermin bitte, nicht um Vermittlung. Und dann bekam ich doch tatsächlich kurz darauf diese Antwort, die, wie man am Stil sofort erkennt, von derselben Dame stammt (das Datum wurde von mir unkenntlich gemacht):

Sehr geehrter Herr <Name ist der Redaktion bekannt>,

mir war es möglich ein Termin zu vergeben, es wäre am TT.MM.JJ um SS:MM. Die schriftliche Einladung wurde soeben an Sie versendet.

Mit freundlichen Grüßen

Na, das sieht doch sowohl von der Form als auch vom Inhalt her besser aus, auch wenn es noch nicht so perfekt ist, wie z.B. Lebensläufe laut den Kursen der Arbeitsagentur sein sollten.

Nun frage ich mich, ob ich mich vielleicht mal bei der Arbeitsagentur als Mitarbeiter in der Eingangszone bewerben sollte. Die Anforderungen scheinen nicht besonders hoch zu sein. Aber wer weiß schon, wie die Bezahlung dort ist?

 

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