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Damit müssten auch die Kirchen leben können

Karfreitag, Ostermontag, Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam, erster und zweiter Weihnachtstag – das sind die sieben staatlichen Feiertage bei uns in Hessen, die religiös begründet sind. (Die anderen sind Neujahr, Tag der Arbeit und Tag der deutschen Einheit.) Was spräche im Sinne der Trennung von Staat und Kirche dagegen, diese Tage wie schon zuvor den Buß- und Bettag zu einfachen religiösen Feiertagen zu “degradieren”, an denen prinzipiell gearbeitet werden muss?

Damit nun niemand benachteiligt wird, bekommen alle stattdessen sieben Tage “Sonderurlaub”. Diesen dürfen sie z.B. an ihren religiösen Feiertagen nehmen, um wie bisher den Gottesdienst besuchen zu können. Somit könnten sich Christen auch nicht mehr darüber beschweren, dass Ungläubige solche Feiertage gerne mitnehmen, anstatt arbeiten zu gehen: Wir gehen einfach arbeiten, und nehmen stattdessen an einem anderen Tag unseren Sonderurlaub. (Hat sich eigentlich schon mal jemand darüber beschwert, dass Arbeitslose den Tag der Arbeit “mitnehmen” würden?)

Es könnten auch einige dieser staatlichen Feiertage durch andere, nicht religiös begründete ersetzt werden. Es bietet sich z.B. der Europatag am 5. Mai an. Allerdings ginge das auf Kosten der Gläubigen, da diese dann einen Tag weniger Sonderurlaub hätten, und “normalen” Urlaub an ihrem religiösen Feiertag nehmen müssten.

Früher in der Schule (in Niedersachsen) durften die katholischen Schüler an katholischen Feiertagen wie z.B. Fronleichnam einfach freinehmen. Umgekehrt gab es leider für uns evangelische Schüler keine evangelischen Feiertage, die nicht auch katholische waren. (Der Reformationstag war damals kein Feiertag.) Andererseits sollten die Kirchen trotz “Lasset die Kindlein zu mir kommen” besser die Finger von unmündigen Menschen lassen. Natürlich wollen die Kirchen die Menschen so früh wie möglich in ihrem Sinne beinflussen. Kann ich gut verstehen, halte ich aber für unzulässig.

Genauso unzulässig wie (religiös begründete) Vorschriften für Anders- oder Ungläubige. Stellen Sie sich mal vor, ein Gesangverein würde allen Leuten im Ort (auch den Nichtmitgliedern) vorschreiben wollen, dass Mittwochabends niemand Musik hören darf – weil der Gesangsverein zu dieser Zeit in Ruhe üben möchte. Klar, für einen Verein selbst – auch für die Kirche – muss es Regeln geben. Aber diese dürfen sich nicht auf Nichtmitglieder erstrecken! (Außerdem gelten natürlich die staatlichen Gesetze zur Ruhestörung und Lärmbelästigung.) Und wie laut würden wohl die Christen schreien, wenn sie ihre Sonderrechte teilen müssten, und ihnen an islamischen Feiertagen bestimmte Vorschriften gemacht würden?

In manchen Gegenden gibt es sogar die Tradition des Ratschens. Kurz erklärt: Während allgemeines Tanzverbot herrscht, ziehen Christen umher und machen Lärm, welcher die Gläubigen aufruft und die Ungläubigen nervt. Hat schon mal jemand versucht, die wegen Lärmbelästigung anzuzeigen?

Was die Ladenöffnungszeiten betrifft, so sollten ebenfalls keine Vorschriften gemacht werden. In Gegenden mit überwiegend religiöser Bevölkerung, in denen dann viele an religiösen Feiertagen freinehmen, müssten sich Einzelhändler natürlich Gedanken darüber machen, ob sie ihren Laden für den Rest der Bevölkerung unbedingt öffnen müssen. In anderen Gegenden müssen sie sich Gedanken darüber machen, ob sie den Laden an einem solchen Tag unbedingt schließen wollen. Das sollten wir der “unternehmerischen Freiheit” überlassen.

Und das allgemeine Tanzverbot an religiösen Feiertagen sollte natürlich ersatzlos gestrichen werden: Keine Sonderrechte mehr für bestimmte Religionsgemeinschaften!

Fünf Fragen (ohne Stöckchen)

Blogstöckchen: Fünf Fragen.

Antje Schrupp möchte gerne, dass auch ich ihre fünf Fragen beantworte. Bitte sehr…

1. Stell dir vor, du kommst von einem fremden Planeten auf die Erde und müsstest dir eine Religion aussuchen – welche wäre das (außer deiner eigenen, das gilt nicht)?

Mir graut vor dem Gedanken, mir eine Religion aussuchen zu müssen. Zumal ich gar keine eigene habe, die nicht gelten würde. Aber ich habe mir schon oft überlegt, was wohl Außerirdische über uns denken könnten. So kann ich mir auch vorstellen, wie ich reagieren würde, wenn ich – als “Zugereister” – zum ersten Mal mit Religion in Berührung käme. Ich wäre irritiert und skeptisch. Und würde zuallererst fragen, wieso ich auf meinem Planeten noch nie etwas von all den großartigen Göttern mitbekommen habe, die die Erde bevölkern. Haben die etwa auch meinen Heimatplaneten heimlich erschaffen, ohne dessen Bewohner darüber in Kenntnis zu setzen?

Und ich bin mir sicher, ich würde schnell wieder zurückfliegen, wenn mir die religiösen Menschen zu sehr auf die Nerven gingen, z.B. indem sie mir einreden wollen, ich müsse eine Religion wählen, denn (wie bisher) ohne Gott – das ginge ja nun gar nicht…

2. Dein Lieblingsbuch aus der Bibel?

Ich mag eine Stelle ganz besonders, bei der ich jedes Mal lachen muss. Ich muss aber erstmal raussuchen, wo die genau war. Es ging um den Bau und die Ausstattung des Zeltes für die Bundeslade (und die Kleidung für die Priester, und die Opfergaben, und… und… und…). Zuerst schreibt Jahwe dem Volk Israel und den Priestern haargenau vor, wie das alles herzustellen und zu errichten sei. Über viele Seiten. Und dann folgt über ebenso viele Seiten die Ausführung, dass es auch bis ins letzte Detail genauso wie vorgeschrieben ausgeführt wurde.

Das Ganze steht direkt nach der Übergabe der Zehn Gebote an Moses, irgendwo in dessen 2. Buch…

3. Gebrauchst du im Gespräch mit nicht-gläubigen Menschen das Wort “Gott” und wenn ja, wie sind die Reaktionen?

Ich halte mich eher zurück, mit Gläubigen darüber zu sprechen. Denn mit denen kann man nicht so gute Witze darüber reißen, weil die das ernstnehmen und sogar als “heilig” erklärt haben. Daher grenzt es schon an Blasphemie, wenn ich als Ungläubiger zu Gläubigen über Gott spreche. Das Problem habe ich zum Glück bei nicht-gläubigen Menschen nicht.

4. Gibt es derzeit eine Renaissance der Religion oder nicht?

Ja, nur nicht überall. Zum Glück nicht.

5. Was bedeutet für dich Frommsein?

Gar nichts. Ich erlebe nur andere Menschen, die sich als fromm bezeichnen, und die daher meiner Meinung nach an sich selbst (und nicht an Andere) strengere Maßstäbe anlegen müssten, die sich aber in ihrem Verhalten überhaupt nicht von Anderen unterscheiden.

Nun reicht es aber, Oliver Thiel!

Kennt Ihr Oliver Thiel? Vermutlich ebenso gut wie ich: Ich kenne ihn nicht persönlich, weiß nicht einmal, ob es ihn wirklich gibt. Aber ich bekomme häufige und unregelmäßige Mails in seinem Namen zugeschickt. Meist möchte er mich überreden, Goldmitglied bei StayFriends zu werden. Aber gestern hat er es in meinen Augen zu weit getrieben. Er schrieb Folgendes:

Herzlichen Glückwunsch zum Namenstag, Ingo

Hallo Ingo!

Sie haben heute Namenstag und wir dürfen Ihnen sehr herzlich dazu
gratulieren. Erfahren Sie mehr über die Bedeutung Ihres Namens.

Mehr über meinen Namen erfahren
http://go.stayfriends.de/3Xk0giV3xMQYIkyX/saintsday_own

Viele Grüße
Oliver Thiel
StayFriends Mitgliederbetreuung

Offensichtlich weiß Oliver Thiel nicht, dass ich schon so alt bin, dass ich mehr als eine Gelegenheit hatte, die Herkunft meines Vornamens zu erleuchten. Und das ist in meinem Fall nicht sehr schwierig: “Yngvi (auch Ingwë bzw. Ingwio) ist der Name der wichtigsten Gottheit des Germanenstammes der Ingaevonen.” Ingo ist einfach die deutsche Form dieses Namens. Und es ist das Original, und nicht die Kurzform z.B. von Ingbert, wie an manchen Stellen zu lesen ist. Im Gegenteil: Alle anderen Namen, die mit Ing- beginnen (so auch weibliche Formen wie Ingeborg oder Ingrid) sind von Yngvi/Ingwio/Ingo abgeleitet worden.

Der erwähnte Namenstag bezieht sich aber auf den Heiligen Ingbert, der im 6./7. Jh. als Einsiedler im heutigen Saarland einsiedelte. Weshalb dort sogar ein Ort nach ihm benannt wurde. Es gibt also keinen Heiligen Ingo. Das wäre auch äußerst seltsam, wenn die katholische Kirche einen nordischen StammesGOTT heiligspräche…

Andererseits ist es auch seltsam, dass Oliver Thiel (vermutlich selbst katholisch) einfach so davon ausgeht, dass auch ich zu seiner Glaubensgemeinschaft gehören und damit Namenstage feiern würde. Als ehemals getaufter Protestant habe ich zwar in meiner Kindheit immer bedauert, dass ich niemals Namenstag feiern kann. Aber als heutiger Atheist habe ich nicht nur die Trauer darüber, sondern sämtlichen religiösen Ballast überwunden.

Und daher, lieber Oliver Thiel, möchte ich Sie bitten, sich nicht weiter auf diese katholische Weise bei mir einzuschleimen. Sonst könnte ich auf die Idee kommen, mal wieder darüber nachzudenken, was – außer Ihren Mails – mir eigentlich die (normale) Mitgliedschaft bei StayFriends bringt. Und schlimmstenfalls trete ich dann endlich mal dort aus.

Was dem einen sein Negerkuss, ist der anderen ihr Zigeunerschnitzel

18. August 2013 6 Kommentare

Fühlen Sie sich manchmal auch furchtbar durch den Gebrauch einzelner Worte beleidigt oder provoziert? Versuchen auch Sie, Namen, die Sie seit Ihrer Kindheit kennen, durch politisch korrekte wie “Schokokuss” oder “Paprikaschnitzel” zu ersetzen? Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie ihnen aus Gewohnheit und Versehen dennoch einmal herausrutschen? Und vor allem: Üben Sie sich auch immer wieder darin, auch Ihren Mitmenschen den politisch korrekten Gebrauch von Sprache beizubringen? Na, dann verstehen Sie sicherlich mein Problem als Atheist.

Gegen die Beleidigung “Ungläubiger” konnte ich mich erfolgreich zur Wehr setzen, indem ich das Wort selbst benutze, wie es uns die Schwulen vorgemacht haben. Heute kann ich stolz und aufrechten Hauptes sagen, dass ich ungläubig bin, weil diese Bezeichnung für mich positiv besetzt ist. Statt mich als Atheist vorzustellen, sage ich nun einfach, ich bin ungläubig, wenn mich jemand nach meinem Glauben fragt. So wie ich auch Nichtraucher bin, wenn mir jemand Tabakwaren anbietet.

Aber ein Problem bleibt für mich und alle anderen Ungläubigen: Genauso, wie Wörter wie “Neger” oder “Zigeuner” heute nicht mehr angebracht sind, ist auch “Gott” ein Relikt aus alten Zeiten, und beleidigt jeden aufgeklärten Menschen. Dennoch wird es nach wie vor gedankenlos in Wörtern wie z.B. “Götterspeise” verwendet, obwohl es dafür bereits in meiner Kindheit den Namen “Wackelpudding” gibt. Außerdem gibt es natürlich zahlreiche Bücher, die dringend an unsere aufgeklärte und politisch korrekte Zeit angepasst werden müssen. Wenn der “Negerkönig” selbst bei Pippi Langstrumpf ersetzt wird, dann ist es sicherlich angebracht, “Gott” aus weitaus wichtigeren Werken zu tilgen. Die Möglichkeit, Werke, in denen noch gedankenlos “Gott” benutzt wird, als “jugendgefährdend” einzustufen, halte ich wie im Fall von Pippi Langstrumpf für unwahrscheinlich.

Atheisten neigen im Gegensatz zu manchen religiösen Menschen nicht dazu, wegen Beleidigungen durch Worte oder Karikaturen, Anzeige zu erstatten, Bücher zu verbrennen oder gar Menschen umzubringen. Dies lässt ihre Gefühle im Vergleich unbedeutend erscheinen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es die Vernunft vieler Menschen beleidigt, wenn z.B. ausschließlich heterosexuelle Beziehungen als “gottgewollt” bezeichnet werden.

Um es sich außer mit den Afroamerikanern, Sinti und Roma nicht auch noch mit den Atheisten zu verderben, schlage ich vor, das Wort “Gott” grundsätzlich nicht mehr zu gebrauchen. Statt “Götterspeise” gibt es nur noch “Wackelpudding”. Und “Gott” selbst ließe sich z.B. angemessen durch “imaginäres Wesen” ersetzen. Nun gut, die Überarbeitung der Bibel wird etwas mehr Aufwand erfordern. Doch dieser Aufwand wird am Ende auch dadurch belohnt werden, dass der Märchencharakter des Werkes deutlicher hervortreten wird.

Und die Moral von der Geschichte? Egal wie Du es sagst: Es gibt immer mindestens einen Idioten, der sich durch Deine Wortwahl beleidigt fühlt, notfalls stellvertretend für Andere.

Was ich während des Schreibens gehört habe:

Nichts ist unmöglich!

Ich habe diese fantastischen Vier mit dem Programm vor vielen Jahren in Braunschweig live erlebt, und halte es immer noch für eine Sternstunde des deutschen Kabaretts, welches es meines Wissens nie ins Fernsehen geschaft hat, weil die Texte weder jugendfrei noch politisch korrekt sind.

Liberal heißt im liberalen Sinne nicht nur liberal

Dieses Zitat im Titel stammt natürlich von Vicco von Bülow alias Loriot, der in einem Sketch einen Schauspieler, der einen FDP-Politiker darstellte, permanent diesen Satz wiederholen ließ – mit der Begründung: “Bevor ich etwas Falsches sage…”

Ich weiß nicht genau, von wann dieser Sketch war, aber ich habe, als ich zum ersten Mal wählen durfte (bei der ersten Europawahl kurz nach meinem 18. Geburtstag) doch tatsächlich die FDP gewählt. Damals in der “Genscher-Ära” stand die FDP allerdings auch noch für Liberalismus. Heute nur noch für Lobbyismus. Aber das fängt ja wenigstens auch mit “L” an…

Was Philosophie betrifft, so gestehe ich, leider viel zu wenig gelesen zu haben. Aus diesem Grunde war ich auch ein wenig erstaunt, Folgendes in der Wikipedia (unter “Verfassungsliberalismus”) zu lesen:

John Stuart Mill formulierte in seiner Schrift On Liberty (dt: Über die Freiheit) das Prinzip, „dass der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, sich in die Handlungsfreiheit eines ihrer Mitglieder einzumischen befugt ist: sich selbst zu schützen. Dass der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gesellschaft rechtmäßig ausüben darf: die Schädigung anderer zu verhüten.“

Für alle, die keine Lust hatten, auf den Link zu klicken: John Stuart Mill war ein englischer Philosoph und Ökonom und einer der einflussreichsten liberalen Denker des 19. Jahrhunderts. Doch was ist von diesen Gedanken geblieben? Was hält die FDP zum Beispiel von diesen drei Punkten?

  1. Die Freiheit von Rauchern wird in der Öffentlichkeit gegen deren Willen eingeschränkt, um die Schädigung von Nichtrauchern zu verhüten.
  2. Die Geschwindigkeit von Autofahrern wird auf Autobahnen generell eingeschränkt, um dadurch die Schädigung anderer Autofahrer zu verhüten.
  3. Die Freiheit von Anwohnern, die sich um das “Stadtbild” sorgen, wird eingeschränkt, um durch wirksamen Hochwasserschutz die Schädigung dieser und anderer Anwohner zu verhüten.

Ja, da schreien die allermeisten FDP-Politiker laut auf: “Wie kann man nur wagen, die Freiheit der Menschen einzuschränken?” Aber habt Ihr denn nicht John Stuart Mill gelesen, den großen “liberalen Denker”? Der schrieb exakt die zulässige Ausnahme von der Regel auf.

Bevor Ihr also das nächste Mal über Andere wie z.B. die Grünen schimpft, die sich bemühen, “die Schädigung anderer zu verhüten”, greift lieber noch einmal ins Bücherregal, und lest über die Wurzeln Eurer Partei nach, von denen Ihr Euch so schrecklich weit entfernt habt. Vielleicht glaubt Ihr dem liberalen Mill ja eher als der linken Rosa Luxemburg:

“Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.”

Feiertage für alle

30. März 2013 1 Kommentar

Nachdem ich gelesen habe, dass Muslime demnächst das Recht bekommen, an muslimischen Feiertagen freizunehmen – also Urlaub zu bekommen -, kam ich auf die Idee, dass man das generell so machen sollte. Auch die Christen sollten an ihren Feiertagen dieses Recht bekommen.

Allerdings sollten gleichzeitig alle christlichen Feiertage in Deutschland, an denen niemand zur Arbeit muss, durch nichtreligiöse Feiertage ersetzt werden. Also z.B. Christi Himmelfahrt durch einen Evolutionstag – an einem anderen, noch festzulegenden Datum. Da würden uns bestimmt genug einfallen.

Das Resultat wäre, dass es genauso viele Feiertage wie vorher gäbe, an denen alle frei haben. Religiöse Menschen dürfen jedoch an ihren Feiertagen Urlaub nehmen, der ihnen nicht verwehrt werden darf.

Auf Anhieb fallen mir ein paar Vorteile ein: Da nicht mehr alle gleichzeitig zu Ostern/Weihnachten freihaben werden, gäbe es weniger Staus durch Reiseverkehr. Vielleicht entspannt sich sogar die Lage in den Geschäften, die zu diesen Zeiten große Werbe- und Verkaufsoffensiven starten.

Und nicht zuletzt muss ich mir nie wieder anhören, dass ich es angeblich den Christen (und nicht dem Staat) zu verdanken hätte, wenn ich zu Ostern/Weihnachten nicht arbeiten bräuchte. Ich weiß nur, dass es Christen zu verdanken ist, wenn Andersgläubige, Geschiedene oder Homosexuelle nicht in kirchlichen Einrichtungen arbeiten dürfen…

E-Mails? Ja, bitte!

E-Mails? Nein danke! – SPIEGEL ONLINE.

Lieber Ole Reißmann, das kann ich einfach nicht so stehen lassen. Im Beruf versuche ich Andere dazu zu erziehen, mir eine Mail zu schreiben, anstatt mich durch einen Telefonanruf zu erschrecken. Und Müll gibt es darunter ebensoviel wie bei den Anrufen.

Im privaten Bereich, für den ich selbstverständlich eine andere Adresse habe, sieht es ganz anders aus. (Stimmt nicht ganz, ich habe einige private Mailadressen, nicht nur eine.) Da bekomme ich für meinen Geschmack viel zu wenige Mails. Auf jeden Fall viel weniger als früher.

Und E-Mail ist nun wirklich die einfachste Art, übers Internet zu kommunizieren. Nicht zuletzt, weil es zu dieser uralten Methode inzwischen viele technische Hilfmittel gibt. Um eine Mail zu beantworten, muss ich nur noch einen Mausklick machen, und kann sofort die Anwort schreiben. Zum Absenden genügt ein weiterer Mausklick.

Zugegeben, es ist für Laien nicht ganz so einfach, die Mails vor dem eventuellen Mitlesen zu schützen, aber Verschlüsselung ist prinzipiell möglich. Ich will Mail gar nicht ersetzen, auch wenn ich zu manchem Zwecke andere “Plattformen” nutze. Aber Mail ist sozusagen meine “Zentrale”. Dort läuft alles von Wichtigkeit ein, auch Benachrichtigungen über Nachrichten bei Facebook oder Twitter. Denn ich will keine Zeit damit verplempern, immer wieder zu kontrollieren, ob es etwas Neues gibt. Und wenn man nur alle zwei Tage dort hineinschaut, wird man keiner Diskussion angemessen folgen können.

Selbstverständlich benutze ich für große Dateien längst Dropbox, und gemeinsame Termine werden mit Doodle ermittelt. Vielleicht hinken Sie diesbezüglich der Entwicklung etwas hinterher, Herr Reißmann? Bei Apps mit Ortsfunktion wäre ich allerdings sehr vorsichtig. Es sei denn, Sie wollen einem undurchsichtigen Konzern erlauben, Ihre Bewegungen zu verfolgen.

Dass Mail zu langsam sei, lese ich zum ersten Mal. Wenn ich eine Mail versende, ist sie eine Sekunde später beim Empfänger, selbst dann, wenn dieser auf der anderen Seite dieses Planeten wohnt. Gut finde ich allerdings die Entschleunigung durch Mailverkehr: Bei Mails habe ich die Kontrolle darüber, wann ich sie lese, und wann ich sie beantworte. Das ist bei Telefonaten ganz anders. Und auch bei einer Twitternachricht wird von mir eine zeitnahe Reaktion erwartet. Nicht so bei Mails. Da lasse ich mir schon mal ein paar Tage Zeit, sie in Ruhe zu beantworten. Was sich bei der Qualität keineswegs negativ bemerkbar macht.

Übrigens verschicken Roboter keine Mails, auch wenn es Programme gibt, die “Robots” genannt werden. Aber ein Roboter besteht aus Hardware. Der kann vielleicht Briefe schreiben, wenn man ihm beibringt, wie man einen Stift führt.

Ja, ich benutze auch Facebook, Twitter, Google+ und Skype zur Kommunikation – aber ich will niemals auf E-Mails verzichten. Dazu sind sie einfach viel zu praktisch. Und sie lassen einem genügend Zeit zum Nachdenken vor der Antwort…

Konzeptlos? – Nein, danke!

24. Juni 2012 1 Kommentar

Heute habe ich, der ich mit Cassetten und Schallplatten aufgewachsen bin, mal wieder irgendwo gelesen, dass CDs als Tonträger eine veraltete Technik seien. Das mag stimmen, aber dennoch werde ich auch in Zukunft welche kaufen. Um sie zu hören, oder um die Musik auf mein Smartphone oder einen USB-Stick zu spielen, damit ich sie mitnehmen und unterwegs hören kann.

Wieso ich Songs nicht gleich aus dem Internet herunterlade? Abgesehen davon, dass ich manche Aufnahmen gar nicht im Internet finde: Weil mir da etwas fehlt. Und was mir fehlt, versuche ich im Folgenden zu verdeutlichen.

Es gab früher einmal etwas, das man als “Konzeptalbum” bezeichnete. Wobei damit zwei leicht unterschiedliche Arten von Alben gemeint sein konnten. Das werde ich später an Beispielen erläutern. Um zu verstehen, was das Besondere an Konzeptalben war und ist, möchte ich etwas mehr als 100 Jahre in der populären Musik zurückspringen, nämlich in die Zeit der allerersten Musikaufnahmen.

Als Emil Berliner die Schelllackplatte erfand, die dann auf Grammophonen abgespielt wurde, war nicht nur die Tonqualität nach heutigen Maßstäben miserabel. Es passte auch nicht allzuviel auf eine Scheibe drauf, ca. vier Minuten Musik oder Sprache.

Als dann nach dem Zweiten Weltkrieg Vinylplatten auf den Markt kamen, setzten sich nach einiger Zeit vor allem zwei Formate durch: Die sogenannte Single, die jeweils ein Lied auf der Vorder- und Rückseite enthielt. Und die Langspielplatte (LP), die im Schnitt auf jeder Seite fünf bis acht Titel hatte. Laufzeit pro Seite ca. 15 Minuten; meine längste Schallplatte ist vermutlich die erste aus dem “blauen Doppelalbum” der Beatles, die hat eine Gesamtlänge von ungefähr 50 Minuten.

Die Qualität war erheblich besser als bei den alten Schelllackplatten, und die LPs hatten auch eine wesentlich längere Laufzeit. Sie waren jedoch auch viel teuer, und daher noch in den 60er Jahren weniger etwas für junge Leute als vielmehr für betuchte Musikliebhaber. Wenn ich mich recht erinnere, kostete in den 70ern, als ich meine ersten Platten kaufte, eine Single normalerweise 6 DM, während man für eine LP 15, 18 oder gar 20 DM ausgeben musste. Doppel-LPs gab es kaum unter 20 DM.

Anfangs dürften LPs wegen der Länge sogar eher für Klassikaufnahmen bevorzugt worden sein, während sich auf Singles der Dreiminuten-Popsong durchsetzte. Der erste bedeutend längere Song der Popgeschichte war wahrscheinlich “Hey Jude” von den Beatles, welcher auch auf der bereits erwähnten LP zu finden ist.

An den Beatles kann man auch den Wandel in den 60ern beobachten: Während die ersten LPs der Beatles nichts weiter waren als eine Sammlung und beinahe willkürliche Zusammenstellung ihrer Hitsingles, begann mit “Rubber Soul” und “Revolver” ein langsamer Wandel, der dann bei “Sgt. Pepper” deutlich wurde: Auf einmal wurden die Songs auf LPs in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet, in der sie gehört werden sollten! Es steckte also ein Konzept dahinter, welche Titel in welcher Reihenfolge auf eine LP kamen.

Dies war die erste Art von Konzeptalbum. Viele solcher Alben sollten folgen, auch wenn manche Musiker weiterhin nur Sammlungen ihrer Hits auf LP herausgaben. Aber es kam dann noch eine zweite Art von Konzeptalbum, bei dem die Titel sogar unter einem gemeinsamen Motto standen oder eine mehr oder weniger zusammenhängende Geschichte erzählten.

Es gäbe sehr viele Konzeptalben zu erwähnen, ich werde mich auf ein paar herausragende Beispiele beschränken. Klassiker sind von “The Who” zuerst die Rockoper “Tommy”, die auf LP natürlich ein Konzeptalbum darstellt. Ebenso wie die Musik zum späteren Film “Quadrophenia”.

Die frühen Genesis (noch mit Peter Gabriel) haben quasi nur Konzeptalben herausgebracht. Auf dem Gipfel ihres Ruhms und vor der Trennung von Gabriel gab es das spektakuläre “The Lamb Lies Down On Broadway”, eine Art musikalischer Psychothriller über zwei LPs.

Außerdem möchte ich “Thick As A Brick” von Jethro Tull nicht unerwähnt lassen: Die LP ist so aufgemacht, als würde eine reale Geschichte erzählt werden. Zeitungsausschnitte auf dem Cover scheinen das zu belegen.

Pink Floyd haben auch einige klassiche Konzeptalben herausgebracht. So z.B. “Wish You Were Here”, welches dem früheren Pink-Floyd-Mitglied Sid Barrett gewidmet war. Und natürlich “The Wall”, dessen Geschichte durch Film und Liveaufführungen bekannt geworden ist. “Dark Side Of The Moon” darf man natürlich auch nicht im Shufflemodus anhören…

Später gab es dann noch Musiker wie Mike Oldfield oder “The Alan Parsons Project”, die die Tradition der Konzeptalben aufrechterhielten. Da ich niemals alle werde aufzählen können, dürfen gerne noch in Kommentaren Beispiele für Konzeptalben hinzugefügt werden. :-)

Im weiteren Sinne könnte man auch noch Liveaufnahmen wie z.B. das großartige “Live At The Fillmore East” der “Allman Brothers Band” oder “Live At Leeds” von “The Who” als Konzeptalben ansehen: Denn natürlich möchte man die Stücke auf dem Tonträger so angeordnet haben, wie sie im Konzert erklangen. Das Konzept des Konzerts sollte 1:1 auf dem Tonträger wiedergegeben werden.

Die meisten erwähnten Beispiele bestehen zwar nach wie vor aus einzelnen Songs. Diese gehen jedoch auf den Alben oftmals ineinander über, und sollten auf jeden Fall in einer bestimmten, von den Künstlern beabsichtigten Reihenfolge angehört werden. Und nun kommt das digitale Internet…

Abgesehen davon, dass es Unsinn ist, einzelne Songs aus Konzeptalben herunterzuladen, fehlt mir noch etwas anderes dabei. Konzeptalben waren eine Art Gesamtkunstwerk. Die Cover wurden aufwendig gestaltet, oft gab es “Beilagen” wie Fotos oder Plakate. Davon ist schon einiges durch die CD verlorengegangen. Diese ist zwar von der Qualität und von der Spieldauer her der LP überlegen. Aber “Booklets” können nunmal keine Plattencover (mit Reißverschluss bei den Rolling Stones oder mit Drehscheibe bei Led Zeppelin) ersetzen. Zum Glück gibt es inzwischen zahlreiche “Luxuseditionen”, die sich nicht an das Standardformat einer CD-Hülle halten.

Ja, selbstverständlich kann man das meiste davon auch digitalisieren (den funktionierenden Reißverschluss wohl kaum), und über Internet versenden. Warum aber reicht es vielen Menschen nicht, sich eine (digitale) Kopie von Leonardos Mona Lisa anzusehen? Warum wollen sie unbedingt in den Pariser Louvre, um das Original zu betrachten?

Weil digitalisierte Kunst bzw. Musik niemals die gleichen Sinneserfahrungen bieten wird wie die Originale. Das wäre der Unterschied zwischen einer Kopie und einer perfekten Kopie. Wer jemals eines der erwähnten Konzeptalben in seinen Händen hielt und aufklappte, wird verstehen, was ich meine…

Lob? Gerne, aber bitte richtig!

Vermutlich werden mir viele zustimmen, dass Lob etwas sehr wichtiges ist, nicht nur für Kinder. Und dass zuwenig gelobt wird. Aber weshalb wird denn sowenig gelobt? Ein Grund dafür könnte sein, dass es gar nicht so einfach ist, richtig zu loben. Wobei mit “richtig” gemeint ist, dass der Gelobte davon auch profitieren soll, indem das Lob ihn freut und ihm vielleicht sogar mehr Selbstvertrauen gibt, und ihn damit in seiner Entwicklung unterstützt.

Gelobt werden normalerweise außergewöhnliche, hervorragende Leistungen. Aber genau liegt das Problem: Was ist denn außergewöhnlich? Klar, außergewöhnlich ist das, was nicht gewöhnlich ist. Aber für wen? Soll ich jemanden für etwas loben, was ich außergewöhnlich finde, weil es für mich außergewöhnlich wäre? Nein, ich kann mich nicht als Maßstab nehmen.

Aber wäre es stattdessen besser, jemanden für eine Leistung zu loben, die für die meisten Menschen außergewöhnlich wäre? Das kommt drauf an. Hier ein Gegenbeispiel: Obwohl ich seit vielen Jahren nicht mehr regelmäßig übe, und immer wieder nur bei Gelegenheit ein paar alte Standards herunterspiele, wird mein Gitarrespiel immer noch bewundert und gelobt. Warum nur? Weil die meisten Leute für herausragend halten, was für mich selbstverständlich geworden ist.

Nein, der Maßstab beim Lob muss ein anderer sein. Gelobt werden sollten (erwünschte) Fortschritte in der Entwicklung. Und damit wird der Gelobte selbst zum Maßstab. Das ist aber auch das Problem mit dieser Art Lob: Um jemanden auf diese Weise loben zu können, müssen wir ihn gut kennen, sollten wir seine bisherige Entwicklung entweder verfolgt haben, oder uns zumindest darüber informiert haben.

Das kann und muss auch dazu führen, dass wir für Leistungen loben, die für uns selbst selbstverständlich sind. Kinder loben wir doch auch für ihre ersten Schritte oder Sätze, auch wenn wir selbst schon viel weiter sind. Aber wenn zum Beispiel ein Depressiver es schafft, sich trotz Antriebsschwäche aufzuraffen, etwas zu erledigen, was uns einfach erscheint, dann fällt uns Lob schwer – obwohl gerade dieser Depressive solch positive Verstärkung sehr gut gebrauchen könnte.

Wenn ich mir also Lob wünschen dürfte, dann nicht für Leistungen, die ich mit links schaffe, auch wenn sie andere in Erstaunen versetzen. Sondern für Leistungen, die für mich außergewöhnlich sind – auch wenn sie anderen noch so banal erscheinen mögen!

Popmusik wird immer trauriger?

Popmusik wird immer trauriger: Wissenschaftliche Studie der FU Berlin – SPIEGEL ONLINE.
Wenn die Popmusik seit den 80ern immer “trauriger” geworden ist, dann liegt das meiner Ansicht nach auch an der Globalisierung in der Musik.

Lange Zeit herrschte bei uns neben dem deutschen Schlager (und einigen wenigen “Liedermachern”) die anglo-amerikanische Rock- und Popmusik. Welche Musik in anderen Ländern auf unserem Planeten gehört wird, interessierte nur eine verschwindende Minderheit. Sicherlich gab es Moden wie den brasilianischen Bossanova, den argentinischen Tango, oder gar indische Ragas. Aber Ravi Shankar wirkte in Monterey Ende der 60er doch noch sehr exotisch. Vermutlich sorgte der überdurchschnittliche Drogenkonsum auf dem Festival für die Erträglichkeit und Akzeptanz derartiger Musik.

Doch in den 80ern sollte sich alles ändern. Der Meilenstein – da sind sich die meisten einig – war das Album “Graceland” von Paul Simon. Auf diesem musizierte er mit Musikern wie “Ladysmith Black Mambazo” aus Südafrika, und ließ sich auch von deren Musik inspirieren. Und auf einmal fingen sie alle an: Kate Bush sang mit dem Trio Bulgarka, Neneh Cherry rockte mit Youssou N’Dour, und vor allem Peter Gabriel versuchte ganz viele Musiker aus fernen Ländern zu entdecken, und gründete zu diesem Zweck sogar ein eigenes Label namens “Realworld“.

Und spätestens heute, in Zeiten des Internets, ist es völlig normal, über Ländergrenzen und Kontinente hinweg gemeinsam zu musizieren. Daher stecken in der heutigen europäischen Popmusik Einflüsse aus Südafrika, dem Senegal, aus Indien und Pakistan, aus Japan, und speziell in Deutschland auch aus der Türkei und arabischen Ländern.

Nun sind Dur und moll aber europäische Erfindungen. Das “Wohltemperierte Klavier” von Johann Sebastian Bach besteht zu gleichen Teilen aus Dur- und moll-Stücken, da es quasi zu Demonstrationszwecken komponiert wurde. Andere Völker haben völlig andere tonale Systeme. Und sie haben auch ein anderes Verständnis der Tonarten. Man höre nur einmal russische oder Klezmermusik: Die klingt in unseren mitteleuropäischen Ohren meistens traurig, weil sie unserem moll entspricht. Dabei werden diese Lieder auch auf fröhlichen Festen gespielt!

Die indischen Tonleitern mit ihren Vierteltönen oder auch die chinesischen lassen sich überhaupt nicht 1:1 in unsere musikalischen Systeme übertragen. Damit es sich aber international verkaufen lässt, wird die Tonalität dem Dur-moll-System angeglichen. So klingt es noch ein wenig exotisch, aber doch so harmonisch, dass sich europäische Ohren damit anfreunden können.

Wir haben heute in der Popmusik einfach mehr Auswahl, weil sich die musikalischen Grenzen geöffnet haben. Dur und moll werden nach wie vor im Musikunterricht gelehrt, doch wird uns immer deutlicher, dass weder die “westliche” Klassik, noch die “westliche” Popmusik das Mass der musikalischen Dinge ist. Überall auf dem Planeten wurde und wird hervorragende und interessante Musik gemacht. Wir müssen nur versuchen, uns ein wenig von unseren Hörgewohnheiten zu lösen, um eine neue Vielfalt entdecken und genießen zu können!

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