Hirn am Draht

Gestern habe ich in der Aprilausgabe von Spektrum der Wissenschaft den Titelbeitrag gelesen. Und auch wenn ich mich mit diesem Thema schon früher beschäftigt habe, fallen mir immer wieder neue Absurditäten dazu ein.

Es geht in dem Artikel darum, ob und wie man dereinst „Gehirninhalte“ auf einem Computer speichern, und umgekehrt per „Download“ wieder ins Gehirn verfrachten könnte. Laut Artikel liegt eines der Hauptprobleme in der „Übersetzung“, da der Code des Gehirns, also die Art und Weise, wie es bestimmte Informationen speichert, noch nicht entschlüsselt wurde.

Mein erster Gedanke war, daß ich das „Füttern“ des Gehirns mittels eines Computers nicht als Down-, sondern als Upload bezeichnen würde.  Ein Download wäre für mich, wenn ich Informationen aus (m)einem Gehirn auf einen Rechner herunterladen würde – so wie ich das auch mit Informationen aus dem Internet mache.

Auch wenn man die Möglichkeit, die Information aus dem Gehirn auf dem Rechner zu bearbeiten, ganz außer Acht läßt, ergeben sich einige interessante Fragen. Sinnvoll erscheint es z.B., regelmäßig ein „Backup“ des Gehirns zu machen, damit man im Falle eines Schlaganfalls den vorherigen Zustand wieder einspielen kann. Dieses Backup müßte man dann aber andauernd machen. Denn wenn ich das letzte Backup meines Gehirns vor sieben Tagen gemacht habe, dann werden mir beim Wiedereinspielen desselben sämtliche Erfahrungen der letzten Woche fehlen.

Was soll mit dem letzten Backup nach meinem Tode passieren? Können das meine Erben (wer auch immer das sein wird) vielleicht verkaufen? Oder verhökern die das dann über eBay? Und wer will so etwas überhaupt haben? Den Gehirninhalt anderer Menschen einzuspielen, halte ich sowieso für sehr riskant. Auf diese Weise würde man auch alle Traumata hochladen, unter denen der „Spender“ jemals gelitten hat. Andererseits…

Wenn ich zum Beispiel günstig an den Gehirninhalt von Brad Pitt käme, sollte ich vielleicht mal ausprobieren, wie es gewesen sein könnte, mit Angelina Jolie zu vögeln. Aber was, wenn ich aus Versehen den Gehirninhalt von Verona Pooth bekäme? Ich möchte gar nicht wissen, wie es im Bett mit Dieter Bohlen war.

Was passiert, wenn ein Blinder den Gehirninhalt eines Sehenden erhält? Das Hauptproblem ist nämlich meiner Ansicht nach, daß die Information, welche im Gehirn gespeichert wird, und die Art und Weise, wie dieses geschieht, von den individuellen Erfahrungen des Einzelnen abhängen. Wenn man mir z.B. Don Quijote im Originaltext einspeichern würde, dann käme mir das zwar sicherlich spanisch vor, sähe intern aber garantiert anders aus als bei einem spanischen Muttersprachler.

Weil unsere Erfahrungen zum großen Teil sinnlich, also körperlich sind, ist Gehirninhalt getrennt vom zugehörigen Körper kaum vorstellbar. Wir sind – auch im Kopf -, was wir sind, weil wir mit unserem Körper, unseren Sinnesorganen ganz individuelle Erfahrungen gemacht haben. Diese vom Körper trennen zu wollen, erscheint mir daher absurd und unmöglich.

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