Als wäre die deutsche Sprache nicht schon schwierig genug…

Gestern habe ich mich zweimal geärgert. Einmal über die neue deutsche Rechtschreibung. Aber eines nach dem anderen…

Als er dem Jungen gegenüber gestanden habe, sei ihm nicht viel Zeit zum Nachdenken geblieben, sagte Santana am Dienstag der Nachrichtenagentur AP. [Quelle]

Dieser Satz ließ mich stutzen: Wieso sollte [der Lehrer] Santana gegenüber dem Schüler gestehen? Da es jedoch in den meisten Fällen, wenn ich derart stutze, um die neue deutsche Rechtschreibung geht, fiel mir umgehend ein, daß Santana ihm wahrscheinlich gegenübergestanden hatte. Denn ebenso stutze ich bei „so genannt“. Daran werde ich mich nie gewöhnen.

Dabei war früher alles so einfach: Wenn die Betonung beim Sprechen auf dem ersten Wort („gegenüber“) liegt, dann schrieb man es zusammen. Lag sie allerdings auf dem zweiten Wort („gestanden“), dann schrieb man es auseinander. In vielen Fällen ergeben sich wie in diesem Beispiel sogar verschiedene Bedeutungen.

Das Verwirrende ist nun für mich, daß man immer noch nach der alten Rechtschreibung spricht, aber oftmals beide Fälle gleich schreibt, nämlich getrennt. Bei Getrenntschreibung betone ich nämlich grundsätzlich beim ersten Lesen das zweite Wort, und stolpere deswegen über jedes „so genannt„.

Da ich nun aber bestimmt nicht fit bin in der neuen Rechtschreibung, habe ich dann vorhin doch mal im neuen Duden nachgeschaut. (Vorsichtshalber habe ich den alten auch noch behalten.) Und nun ärgerte ich mich ein zweites Mal, denn „gegenüberstehen“ bzw. „gegenübergestanden“ wird immer noch zusammengeschrieben.

Bastian Sick hat zwar viel für die deutsche Sprache und deren Verständnis getan. Jedoch scheint er der einzige Lektor bei SPIEGEL Online zu sein. Denn seit er ständig unterwegs ist, um hier eine „Deutschstunde“ zu geben, und dort seine Bücher zu signieren, scheint sich in der Redaktion keiner mehr ums Lektorat zu kümmern.

Denn leider muß ich sagen, daß dieses kein Einzelfall war. Es rutschen gerade bei SPIEGEL Online immer wieder sowohl sprachliche als auch inhaltliche Fehler durch. (In der Druckausgabe des SPIEGEL in letzter Zeit leider auch. Schreibt auch da der einzige Lektor an einem Buch?)  Und das, obwohl man heutzutage z.B. durch die Wikipedia blitzschnell kontrollieren kann. Beispiele gefällig?

Schon vor einiger Zeit wurde mal ein falsches Alter für George Clooney genannt. Dabei kann man das nun wirklich überall nachschlagen. Mir fiel es nur auf, weil ich weiß, daß Clooney im selben Monat wie ich geboren ist, und daher die meiste Zeit des Jahres auch dasselbe Alter wie ich hat. Zuletzt wurde Matthias Güldner zehn Jahre jünger gemacht, als er laut Wikipedia und eigener Homepage ist. (Peinlich fand ich daran vor allem, daß SPIEGEL Online den Fehler aus der Druckausgabe übernahm, obwohl ich bereits vorher die Redaktion des SPIEGEL darauf hingewiesen hatte.)

So hatte ich mich also zweimal geärgert: Zuerst über die neue deutsche Rechtschreibung, und dann darüber, daß ich mich vergebens darüber geärgert hatte. Denn der Fehler lag offensichtlich bei SPIEGEL Online, die in diesem Fall zuviel der neuen Rechtschreibung verwendeten.

Ich jedenfalls habe keine Lust, all die Ausnahmen zu lernen, in denen doch nicht mehr zusammengeschrieben werden soll. Denn die alte Rechtschreibung war mit der Betonungsregel eindeutig und simpel. Während die neuen Regeln in Bezug auf Getrenntschreibung eindeutig eine Verschlimmbesserung sind, die ganz offensichtlich sogar Profis auf dem sprachlichen Glatteis ausrutschen läßt.

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