Der Rhythmus, bei dem jeder mitmuß

Nein, diesmal geht es nicht um Musik, auch wenn der Titel dieses nahelegt. Vielmehr möchte ich ein paar Gedanken zum „Lebensrhythmus“ aufschreiben, der durch gewisse „Rituale“ eingerahmt und geprägt wird.

Fangen wir mit den natürlichen Rhythmen an, derer es genau drei gibt. Der Tag-Nacht-Rhythmus ist uns durch die Drehung der Erde um die eigene Achse vorgegeben. Und wir haben uns biologisch mit unserem Schlaf-Wach-Rhythmus darauf eingestellt. Der Jahresrhythmus mit dem Wechsel der Jahreszeiten ist wiederum durch die Bewegung der Erde um die Sonne vorgegeben. Biologisch reagieren wir eher indirekt darauf. So kann die verminderte Sonnenintensität im Winter zur Zunahme von Depressionen führen. Außerdem haben wir jede Menge Rituale in den Jahresrhythmus eingebaut: Geburtstage, Feiertage, Gedenktage.

Beim dritten Rhythmus ist nicht klar, ob der astronomische und der biologische Rhythmus überhaupt zusammenhängen. Es fällt jedoch auf, daß sowohl die Umrundung der Erde durch den Mond als auch der Menstruationszyklus jeweils 28 Tage dauern. Auch dieser Rhythmus erforderte eine gewisse Anpassung, auch durch die Männer.

Aber der Titel bezieht sich auf einen Rhythmus, den ich nicht als natürlich bezeichne. Obwohl sehr viele Menschen, gerade in unserem Kulturkreis ganz offensichtlich danach leben, bzw. leben müssen. Gemeint ist der Wochenrhythmus, auch mit dem Wechsel zwischen Arbeitswoche und Wochenende.

Es gibt zwei Herleitungen für diesen Rhythmus. Die eine ist astronomisch, jedoch willkürlich, während die andere einfach „gottgegeben“ ist. Die astronomische Erklärung geht davon aus, daß der Mondzyklus von 28 Tagen (s.o.) in vier gleiche Abschnitte unterteilt wurde, die den vier Mondphasen entsprechen. Allerdings hätte man die 28 Tage ebenso gut in sieben Abschnitte von jeweils vier Tagen einteilen können. Oder sogar zwei mal vierzehn. Oder umgekehrt.

Die Erklärung aus der Religion heraus ergibt sich natürlich aus dem Schöpfungsbericht: Da Gott die Schöpfung erst nach sechs Tagen vollendete, haben wir bis heute nur alle sieben Tage ein Wochenende. Hätte er sich doch damals ein bißchen beeilt…

Diese Einteilung des Kalenders in Wochen ist daher auch nur für den Kulturkreis der abrahamitischen Religionen belegt: Christentum, Judentum und Islam. Die Azteken hatten eine Woche von fünf Tagen, wobei sie ab und zu mal eine Woche von dreizehn Tagen einschieben mußten, damit der Kalender nicht aus dem Tritt geriet.

In weiten Teilen Asiens, wo Milliarden Menschen hinduistische oder buddhistische Traditionen haben, ist die Einteilung der Zeit in Arbeitstage und arbeitsfreie Tage in einem festen Rhythmus gänzlich unbekannt. Arbeitsfreie Tage gab es sicherlich schon immer zu bestimmten (jährlichen oder vom Mond abhängigen) Festtagen, jedoch ein fester Rhythmus zwischen Arbeit und Freizeit besteht nicht. Im Zuge der Globalisierung wird jedoch nachgeholt, was die christliche Missionierung nicht überall schaffte: Um am weltweiten Wirtschaftsleben teilnehemen zu können, müssen sich auch solche Länder dem Wochenrhythmus beugen, die eine solche Unterteilung traditionell nicht kannten.

Und auch wenn ein Großteil der hiesigen Bevölkerung nicht mehr an Jahwe glaubt, bleibt eine Kalenderreform Utopie. Nach der französischen Revolution wurde eine Zehntagewoche eingeführt, die dreizehn Jahre später von Napoleon wieder abgeschafft wurde. Auch wir sind es schon immer gewohnt, zwei Tage in der Woche für uns zu haben, und beugen uns ansonsten dem wöchentlichen Rhythmus von Müllabfuhr, Teambesprechungen, Fitnesstraining, Volkshochschulkursen, Fernsehprogrammen, Ernährung (freitags Fisch und sonntags Braten), Bundesliga, Fahrplänen, Öffnungszeiten, Vereinsleben, etc.

Wir können wohl gar nicht mehr anders. Und wollen es vielleicht auch gar nicht. Mag sein, daß ich der Einzige bin, dessen Biologie sich nicht auf den Wochenrhythmus einstellen mag, und immer wieder versucht, daraus auszubrechen. Aber die Welt da draußen richtet sich nunmal nicht nach den Rhythmen und den Abweichungen Einzelner. Also weiter im tristen Programmablauf des Lebens. Was ist nächste Woche angesagt?…

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