Geschlechtsspezifische Schulbücher?

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Was habt Ihr Euch im Verlag denn bloß dabei gedacht? Da werden einfach ganz viele altbekannte Klischees verbreitet, mit der Begründung, damit würden die Kinder besser lernen, wenn sie Vertrautes vorgesetzt bekommen.

Zumindest sollte jedes Kind unabhängig vom Geschlecht die Ausgabe wählen können, mit der es besser lernen kann. Natürlich gibt es Unterschiede im Denken und auch im Lernen bei den Geschlechtern. Und die werden zum Teil bereits vor der Geburt ausgeprägt. Aber wer jemals eine Gauß’sche Verteilungskurve gesehen hat, der sollte wissen, daß sich diese bei den Geschlechtern zwar im Durchschnitt leicht unterscheiden, aber doch zum größten Teil überlappen.

Wenn man schon in ein und derselben Schulklasse verschiedene Lehrbücher verwenden möchte, dann wäre vielmehr eine individuelle Förderung mittels unterschiedlicher Schulbücher angebracht. Zum Beispiel könnte es für die verschiedenen Lerntypen verschiedene Schulbücher geben. Diese werden aber nicht einfach nach Merkmalen wie dem Geschlecht zugeordnet. Stattdessen sollte in letzter Instanz das Kind selbst entscheiden, welches Schulbuch es verwenden möchte.

Viel sinnvoller für eine angemessene Förderung jedes einzelnen Kindes wäre aber eine höhere Anzahl an Lehrkräften pro Klasse bzw. pro Kind. Und dem akuten Lehrermangel könnte man dadurch begegnen, daß zwar in jeder Klasse ein ausgebildeter Pädagoge seinen Dienst verrichtet, dieser jedoch je nach Unterrichtsstoff Unterstützung durch diverse Fachkräfte erhält, welche durch pädagogische Fortbildungsmaßnahmen auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet werden.

Letzteres wird zwar in einigen Bundesländern schon versucht, doch sind die Zugangsvoraussetzungen bislang zu hoch, um damit den Lehrermangel ausgleichen zu können. So wird einerseits ein abgeschlossenes Studium erwartet, andererseits soll eine gewisse Altergrenze (40 bzw. 45 Jahre) nicht überschritten werden. Wer aber diese Voraussetzungen erfüllt, hat vermutlich besseres zu tun, als einem schlechtbezahlten Aushilfsjob an einer Schule nachzugehen.

Stampft also Eure klischeeüberladenen Schulbücher wieder ein, und überlegt lieber, wie Ihr mithelfen könnt, mehr Lehrkräfte an die Schulen zu bekommen.

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