„BuKo war mal Käse“ oder „Wurzeln? Nein, danke!“

Bündnis 90/Die Grünen: Künast kanzelt aufmüpfige Parteijugend ab – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik.

Buko Ananas habe ich früher als kleiner Junge gerne gegessen, aber heute gibt es den bei uns kaum noch. Umso mehr habe ich mich im letzten Dänemarkurlaub darüber gefreut, trotz Doppelrahmstufe.

Aber hier soll die Rede von der Bundeskonferenz der Grünen Jugend sein. Im Frühjahr war ich auch auf einer (in Stuttgart?) gelandet, als ich Reinhard Bütikofer im Europawahlkampf durch Deutschland chauffierte. Dort konnte ich mich auch schon nicht so recht für das Essen begeistern. Und nun erfahre ich durch die taz, daß es dort nur noch vegane Speisen gibt. Also auch keinen Buko Ananas.

(c) by Ingo Leschnewsky
Berlin: Rebecca Harms, Renate Künast und auf der Bühne Reinhard Bütikofer

Falls mit „Zurück zu den Wurzeln“ gemeint ist, sich auch von diesen zu ernähren, dann werde ich da nicht mitmachen. Ich gehöre nunmal zu dem Teil der Bevölkerung, der aufgrund einer Mutation vor einigen Jahrtausenden Milch auch noch nach dem Säuglingsalter problemlos genießen kann – und das auch will. Also nix mit vegan. Es muß ja nicht ständig Fleisch sein, aber ich möchte gerne die Wahl haben, anstatt mich „zwangsvegan“ ernähren zu müssen.

In dem ganz oben angeführten Artikel bei SPIEGEL Online heißt es:

„Es ist komisch, mit zwei Parteien zu koalieren, die auf Bundesebene Politik machen, die alles andere als grün ist.“

Ja, das finde ich auch komisch. Genauso komisch, wie mit den beiden anderen Parteien zu koalieren, die auf Bundesebene ebenfalls Politik machen, die alles andere als grün ist. Statt aber das Saarland in dieser Pattsituation versinken zu lassen, bin ich ganz pragmatisch dafür, sich für diejenige Koalition zu entscheiden, in der nicht „wir“, sondern die Grünen im Saarland Grüne Ziele besser erreichen können. Und ich werde ihnen da nicht reinreden. Weil ich auch nicht möchte, daß man uns in Hessen sagt, was wir zu tun oder zu lassen hätten.

Sehr enttäuscht bin ich allerdings davon, wenn ausgerechnet die Grüne Jugend eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der Partei fordert. Die Grünen haben es nach Joschka Fischer geschafft, sich zu der Partei zu mausern, die die Zukunft im Blick hat. Als sie noch von langhaarigen und -bärtigen Esoterikern in Wollpullovern beherrscht wurde, die gegen Pershingraketen, aber für gentechnikfreies Müesli demonstrierten, waren mir die Grünen einfach zu suspekt. Nun, da mir das überwunden schien und ich hoffnungsvoll in die Partei eingetreten bin, kommt also die Grüne Jugend, und möchte eine Rückbesinnung auf die Wurzeln?

Auch wenn ich es sinnvoll finde, in dieser nun begonnenen Legislaturperiode über eine Umbesetzung der Grünenspitze zu diskutieren: Ich gebe Renate Künast vollkommen Recht, wenn sie meint:

„Wir sind gut beraten, uns nicht inhaltlich zu erneuern. Wir müssen unsere sehr guten und vom Wähler honorierten Inhalte jetzt in Alltagspolitik übersetzen“

Die Jugend ist bei uns stärker als bei anderen Parteien vertreten, sogar im Europäischen Parlament. Aber für die nächste Zukunft hoffe ich erst einmal auf die Generation von Tarek Al-Wazir und Robert Habeck. Außerdem fände ich es gut, unsere „Doppelspitzen“ nicht komplett auszuwechseln, sondern nur zur Hälfte zu verjüngen.

Wir haben sowohl in der Opposition als auch in der Regierungszeit viel gelernt, und können froh sein, daß wir heute inhaltlich so gut wie nie zuvor aufgestellt sind. Ein „Zurück zu den Wurzeln“ wäre daher fatal, und würde aus der derzeitigen Eintrittswelle bei den Grünen wohl eher wieder eine Austrittswelle machen.

Daher möchte ich zu einem „Weiter so!“ ermuntern, doch ebenfalls dazu, dieses mittelfristig auch mit neuem Personal anzugehen. Damit man uns ansieht, daß wir nicht in der Schröder-Fischer-Ära stehengeblieben sind.

Ergänzung einen Tag darauf: Man könnte fast glauben, ich hätte bereits Interna gewußt und ausgeplaudert, als ich obigen Text schrieb. Aber daß nun ausgerechnet die von mir genannten Tarek Al-Wazir und Robert Habeck vorpreschen, lag auch nicht an meinen hellseherischen Fähigkeiten. Es war wohl einfach naheliegend.

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