Will ich wirklich über Willensfreiheit diskutieren?

Die Frage nach der Willensfreiheit « Aufklärung 2.0.

Willensfreiheit – bzw. das, was wir dafür halten – ist in meinen Augen durchaus mit dem erwähnten deterministischen Chaos vereinbar, also kompatibel. Am Anfang war weder das Wort noch das Tohuwabohu, sondern die Zahl: Die mathematischen Gesetzmäßigkeiten mögen wie ein Gefängnis erscheinen, was einen Widerspruch zur Freiheit bedeutet. Aber diese Gesetze bilden nur einen (weiten) Rahmen, in dem sich auch das Chaos tummeln kann.

Wenn aber dieses Chaos in der Lage ist, in der Natur geordnete Muster hervorzubringen, warum dann nicht auch im Gehirn? Sind doch unsere Gedanken offensichtlich nichts anderes als regelmäßige Frequenzen im Durcheinander unter unserer Schädeldecke. Daß uns unsere Gedanken frei erscheinen, liegt meiner Ansicht nach daran, daß wir die Gefängnismauern nicht wahrnehmen können. Aber alles, was wir in diesem Gefängnis tun, unterliegt deterministischen Regeln.

Willensfreiheit ist demnach eine Illusion, jedoch eine sehr sinnvolle. Das Gefühl der Freiheit ist ebenso in unserem Gehirn beheimatet wie auch unsere Illusionen. Es existiert deshalb im selben Sinne wie Illusionen existieren. Deren Existenz kann dann wohl nur jemand bestreiten, der gefühlslos bzw. illusionslos ist. Solche Menschen sind jedoch meiner Ansicht nach nicht (über)lebensfähig.

Ich muß allerdings gestehen, daß sich das neue Buch von Michael Schmidt-Salomon noch nicht im Bücherregal, sondern noch (oben) auf meinen Wunschzettel befindet. Daher kann ich dazu noch nichts sagen bzw. schreiben. Aber wenn es schon mal in einem Blog um die Willensfreiheit geht, dann nehme ich mir die Freiheit, meine bescheidene Meinung dazu beizutragen. 🙂

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Ein Gedanke zu “Will ich wirklich über Willensfreiheit diskutieren?

  1. MSS diskutiert m.W. nicht das alltagspsychologische Verständnis von Willensfreiheit! Er geht von einer bestimmten Vorstellung von „freiem Willen“ aus und noch dazu von einer, die auf Voraussetzungen beruht, die ursprünglich aus der Religion oder „Theologie“ stammen, wenn ich das richtig sehe.

    Darüber sich Gedanken zu machen, mag tun, wer das für sinnvoll hält. Den umgangssprachlichen Sinn von sinngleichen Ausdrücken und Redewendungen wie Willensfreiheit, Freiwilligkeit, freier Wille (wie letzter, entschiedener, fester, „unbandiger“ Wille), sowie etwas „aus freien Stücken“ tun, etwas von sich aus oder aufgrund eigener Entscheidung oder eigenem und frei getroffenen Entschluss tun, hat mit einem ominösen „freien Willen“ rein gar nichts zu tun, wenn man sich darunter etwas wie einen nicht weniger seltsamen „Geist“ vorstellt, der uns beeinflusst zu tun, was wir tun, weil er will, dass wir wollen, was er will…

    Hier wäre erst einmal das zu klären, was man selbst jeweils überhaupt mit dem Ausdruck von einem „freien Willen“ meint! Sonst redet man vielleicht nur glatt aneinander vorbei.

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