Glaube im Alltag

Der Unterschied zwischen einer Kirche und einer Sekte ist für mich kein qualitativer, sondern rein quantitativ: Die Sekte ist halt kleiner. Aber es handelt sich in beiden Fällen um Glaubensgemeinschaften. Ja, auch die Homöopathen oder die Anthroposophen u.A. bilden solche Glaubensgemeinschaften.

Das Fliegende Spaghettimonster ist prinzipiell von derselben Qualität wie Gott/Jahwe/Allah. Der entscheidende Unterschied in seiner Wirkung (auf Menschen) liegt allein darin, ob man daran glaubt oder nicht. Gleiches gilt auch für die Globuli in der Homöopathie: Ob diese Zuckerkügelchen besser wirken als andere, hängt nur davon ab, wie sehr daran geglaubt wird.

Diese Wirkung ist in der Wissenschaft schon länger unter dem Namen Placebo-Effekt bekannt. Der Nachweis ist einfach: Man lasse – bei ansonsten identischen Bedingungen – einfach sowohl den Homöopathen als auch seine Patienten darüber im Unklaren, ob es sich bei der Zuckerkugel um eine „homöopathische Arznei“ handelt oder nicht. Das nennt man dann einen Doppelblindversuch, und man kann damit nachweisen, wenn eine eventuelle Wirkung (wie bei der Homöopathie) nur auf dem Placeboeffekt beruht.

Warum aber glauben Menschen in dieser angeblich so aufgeklärten Zeit an Gott oder an Homöopathie? Und nicht ans Fliegende Spaghettimonster? Ich sehe dafür mehrere Gründe. Der erste ist eine latente Autoritätsgläubigkeit. Während Heilpraktiker und Prediger eine solche Autorität genießen, strahlt das Spaghettimonster nichts davon aus.

Ein weiterer Grund ist die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, Zuwendung und Geborgenheit in einer Gemeinschaft. Und schließlich die Suche nach Antworten, die möglichst einfach sind. Vielen Menschen ist es wohl zu mühsam, ihrem Leben selbst einen Sinn zu geben. Sie lassen sich diesen Sinn lieber von Anderen geben. Oft ohne ihn weiter zu hinterfragen, wenn nur die eben genannten Punkte stimmen.

Ich möchte jedoch klarstellen, daß ich niemandem seinen Glauben austreiben will. Ich bin doch kein Missionar. Ich möchte nur, daß der Glaube bleibt, was er ist: Eine private Angelegenheit. In dem Moment aber, wenn Glaube zur Religion wird, oder meine Krankenkasse mit meinen Beiträgen den Wunderglauben von Homöopathen finanziert, hat der Spaß für mich ein Ende. Wenn mich der Ruf eines Muezzin oder das Läuten der Kirchenglocken weckt, oder wenn ich nicht feiern darf, weil z.B. Katholiken einen Feiertag (sic!) haben, dann haben diese Glaubensgemeinschaften zu viel Einfluß auf mein Leben.

Doch all diese großen und kleinen Glaubensgemeinschaften wirken immer wieder auf unseren Alltag. Die Politik verschließt Augen und Ohren, weil bei uns ja a) Religionsfreiheit gilt, und b) die Trennung von Kirche und Staat – jeder darf glauben, was er will, solange der Staat sich nicht darum kümmern muß. Der Staat sollte sich aber meiner Ansicht nach mal darum kümmern. Denn wie schon Rosa Luxemburg sagte: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ Nicht nur, daß Religionen andere Religionen in ihrer Freiheit beschneiden. Auch Nichtgläubige sind davon betroffen.

Daher begrüße ich ausdrücklich das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, welches Kruzifixe in italienischen Klassenzimmern untersagt. Nicht weil das insbesondere in Bayern für Aufregung sorgt, sondern weil der Gerichtshof in seinem Urteil ausdrücklich betonte, daß auch die Freiheit, nicht zu glauben, geschützt werden müsse.

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3 Gedanken zu “Glaube im Alltag

  1. Sehr schöner Beitrag (mal wieder) 😉

    „Warum aber glauben Menschen in dieser angeblich so aufgeklärten Zeit an Gott oder an Homöopathie?“
    Ich schätze es ist die Erfahrung des Placebo-Erlebnisses, sei´s Erlösung oder „Heilung“ durch Wellnesskügelchen, man findet Gefallen an einem starken Wohlgefühl – wie bei einer Droge. Und Drogensucht läßt sich mit Aufklärung alleine nicht bekämpfen.

  2. Ein Anderer (Name vergessen) hat mal gesagt, Religion sei das Kokain des Volkes, weil Religion nicht betäubt, sondern zu allerlei Unfug anstiftet.

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