Hilferuf aus dem Maschinenraum

Wikipedia-Debatte: Hilferuf aus dem Maschinenraum – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt.

Mit dem Problem, daß es an Menschen mangelt, die bereit sind, die Drecksarbeit zu machen, steht die Wikipedia nicht allein da. Das ist ein grundsätzliches Problem unserer Gesellschaft: Es gibt genug zu tun, aber niemand will dafür bezahlen.

Nicht nur bei der Wikipedia, auch im Bildungsbereich, an Schulen und Universitäten, im sozialen Bereich, z.B. in Kindergärten, Krankenhäusern oder Altenheimen – überall gibt es viel zu tun. Doch die Jobs gehören, sofern sie überhaupt vorhanden sind, zu denen, die am allerschlechtesten bezahlt werden. Stattdessen werden Milliarden zur Rettung von Banken, zum Erhalt der Automobilindustrie, und zur Subventionierung von Bergbau und Landwirtschaft ausgegeben.

Vielleicht entsteht das Problem der Wikipedia aber einfach nur auch aus der Freiwilligkeit heraus. Solange man nicht dafür bezahlt wird, macht man doch nur Dinge, die man a) gut beherrscht, und b) auch gerne macht. Und da ist es ganz natürlich, wenn Randthemen nicht dieselbe Aufmerksamkeit zukommt wie dem Mainstream der Popkultur.

Die Lösung könnte dieselbe wie bei der Müllabfuhr sein: Stellt ein paar Leute ein, und bezahlt sie anständig. Qualität ist nicht ohne entsprechende Investitionen zu haben. Aber das predige ich den Managern in der Softwareindustrie auch schon seit längerem. Doch die legen mehr Wert darauf, daß die Software pünktlich fertig ist. Der Zustand derselben ist ihnen dabei nicht so wichtig wie die Befriedigung des Kunden. (Daß sich Kunden hinterher über fehlerhafte Software ärgern, ist zweitrangig, wenn man den Kunden nur erstmal an sich gebunden hat…)

Ok, ich weiß natürlich, daß sich die Wikipedia so etwas nicht leisten kann. Aber umgekehrt kann eben auch nicht von Menschen, die ihre Freizeit opfern, erwartet werden, daß sie etwas anderes machen, als ihnen Spaß macht. Steuern ließe sich das nur mit Geld. Und da es an diesem mangelt, müssen wir uns damit abfinden, daß die Wikipedia überwiegend ein Werk von „Liebhabern“ und Enthusiasten ist, die sich nicht um jede Kleinigkeit kümmern können und wollen.

Die Wikipedia mag als Nachschlagewerk im wissenschaftlichen Sinne ungeeignet sein. Doch möchte ich keinesfalls auf sie verzichten. Denn in einer Hinsicht ist sie unschlagbar: Sie ist eine – von Menschen gepflegte – Linksammlung, die kaum Wünsche offenläßt. Zu beinahe jedem Thema findet sich dort ein Verweis auf Webseiten innerhalb oder außerhalb der Wikipedia, oder gar zu Fachliteratur!

Daher entspricht die Wikipedia meinem eigenen Motto: Man muß nicht alles im Kopf haben, aber es ist von Vorteil, wenn man weiß, wo man es schnell finden kann. Und dabei hilft mir heutzutage die Wikipedia. Ich mag gar nicht an meine Jugend vor dreißig Jahren zurückdenken. Wie oft blieben Fragen damals trotz Meyers Taschenlexikon in vierundzwanzig Bänden unbeantwortet?

Wem die Qualität der Wikipedia nicht ausreicht, der möge doch bitte durch seine großzügigen Spenden dafür sorgen, daß sich bezahlte Angestellte um die Pflege der Wikipedia kümmern.

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