Warum in die Ferne schweifen, ist der Talib doch so nah

Anti-Terror-Kampf in Afghanistan: Westerwelle kündigt Aussteigerprogramm für Taliban an – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik.

Es ist ein neuer Weg, den Guido Westerwelle und seine Kollegen planen: Wenige Tage vor der Afghanistan-Konferenz in London hat der deutsche Außenminister ein Aussteigerprogramm für Taliban-Kämpfer angekündigt. Viele Personen hätten sich nicht aus fanatischer Überzeugung den Extremisten angeschlossen, sondern aus wirtschaftlicher Not, sagte Westerwelle der „Bild am Sonntag“. Diesen Menschen und ihren Familien wolle die Regierung eine wirtschaftliche und soziale Perspektive bieten und dafür auch zusätzliches Geld in die Hand nehmen. „Darum wird es in London auch einen völlig neuen Ansatz zur Wiedereingliederung von Aufständischen in die Gesellschaft geben“, sagte der FDP-Chef.

Meine Erwiderung darauf an Guido Westerwelle (und auch an Ursula von der Leyen und Roland Koch):

Wie wäre es denn mit einem Aussteigerprogramm für Arbeitslose in Deutschland? Viele Personen haben sich nicht aus fanatischer Überzeugung den Hartz-IV-Empfängern angeschlossen, sondern aus wirtschaftlicher Not. Diesen Menschen und ihren Familien sollte die Regierung eine wirtschaftliche und soziale Perspektive bieten und dafür auch zusätzliches Geld in die Hand nehmen. Das wäre ein völlig neuer Ansatz zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in die Gesellschaft.

Ich habe nichts persönlich gegen die Taliban, auch wenn ich nicht behaupten kann, Freunde unter ihnen zu haben. Und vielleicht ist die Idee auch gar nicht schlecht. Doch haben Sie, Herr Westerwelle, sich nur einmal Gedanken darüber gemacht, was wohl ein Langzeitarbeitsloser denkt, der von der Arbeitsagentur schon lange keine Vermittlungsvorschläge mehr erhält und von Hartz IV leben muß, wenn er liest, daß in Afghanistan islamistischen Kalaschnikowträgern ein „Aussteigerprogramm“ mit (deutschen) Steuergeldern finanziert werden soll?

Fehlt nur noch, daß die Agentur für Arbeit Arbeitslose zu den Taliban vermittelt – denn dort wird ihnen ja demnächst eine „wirtschaftliche und soziale Perspektive“ geboten werden, wenn sie an dem Aussteigerprogramm teilnehmen werden.

Die entscheidende Frage ist doch: Wieso glauben Sie eigentlich, daß Sie am Hindukusch für Taliban schaffen können, was Ihnen nicht einmal in Hessen für Arbeitslose gelingt?

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