Wenn Hahnemann das gewußt hätte…

Nachdem offensichtlich alle Briten den gemeinsamen Suizidversuch mittels hochpotenzierter homöopathischer „Medikamente“ wohlbehalten überstanden haben, waren zaghafte Erklärungsversuche seitens der Anhänger der Homöopathie zu vernehmen: Es konnte nicht wirken, weil es nicht verschrieben wurde. Als ob das Medikament es wissen könnte, ob es verschrieben wurde oder nicht.

Neugierig geworden, schnüffelte ich mal wieder in den Werken Samuel Hahnemanns, denn der mußte es ja wissen, was es mit der Homöopathie auf sich hat. Während der Rest der Mediziner noch hohe Verluste zu beklagen hatte, weil z.B. noch nicht einmal bekannt war, daß Krankheiten durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden können, hatte Hahnemann schon die Lösung – im doppelten Sinne des Wortes – entdeckt.

Was also schrieb er Anfang des 19. Jahrhunderts über die Gefährlichkeit seiner Arzneien? In seiner „Reinen Arzneimittellehre“ steht es ganz klar:

Arznei-Stoffe sind nicht todte Substanzen in gewöhnlichem Sinne; vielmehr ist ihr wahres Wesen bloss dynamisch geistig – ist lautere Kraft, die durch jenen so merkwürdigen Process des Reibens (und Schüttelns) nach homöopathischer Art bis an die Gränzen der Unendlichkeit potenzirt werden kann.

Diess ist so wahr, dass man Schranken darin halten muss, um nicht durch solches Reiben die Kräfte der Arzneien für die Kranken allzu sehr zu erhöhen. Ein Tropfen von Drosera in dreissigster Verdünnung mit 20 Armschlägen bei jeder Verdünnung geschüttelt, bringt zur Gabe einem am Keichhusten kranken Kinde gereicht, dasselbe in Lebensgefahr, während, wenn die Verdünnungsgläser nur zweimal geschüttelt werden, ein Mohnsamen grosses Streukügelchen mit der letzten Verdünnung befeuchtet, dasselbe leicht heilt.

Entweder haben die Briten furchtbar viel Glück gehabt, oder Samuel Hahnemann wäre ziemlich in Erklärungsnot gekommen. Vermutlich hat er einen solchen Test selbst nie durchgeführt, weil er von der Gefährlichkeit überzeugt war. Lag Hahnemann also falsch? Oder hat die moderne Homöopathieforschung noch bessere Ausreden Begründungen als die obige zu bieten, weshalb ausnahmslos alle Briten gesund und glücklich die Hochpotenz überlebten?

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