Einundzwanzig Blumenkinder im Brunnen

Duisburg: Die Menschenfalle – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama.

Nun ist es also passiert: Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Und nicht nur eines, nein, gleich einundzwanzig, vermutlich überwiegend junge Leute sind in Duisburg bei der Love Parade ums Leben gekommen. Ausgerechnet bei der Love Parade!

Mir tun vor allem die Eltern leid, insbesondere diejenigen, die ihre Kinder gewarnt hatten. Aber wer den Alltag vergessen will, der schaltet oft auch den Verstand aus. Und selbst Politiker, die sich ansonsten (zu Recht) übers Komasaufen Jugendlicher aufregen, bezeugen nun – obwohl sie nicht dabei waren – der Love Parade den Charakter einer friedlichen Feier.

War es also eine Katastrophe, die einfach so über die 1,4 Mio. Menschen hereingebrochen ist, wie ein Erdbeben oder ein Tornado? Mitnichten, handelt es sich doch vielmehr um eine von Menschen verursachte Katastrophe, vergleichbar vielleicht mit der Ölkatastrophe vor der amerikanischen Küste.

Daher wird sich in den nächsten Tagen auch verstärkt die Frage nach den Schuldigen stellen. Die ist in diesem Fall nicht einfach zu beantworten, und genau das ist der Grund, weshalb ich zu diesem Thema hier etwas schreibe.

Zuerst einmal geraten natürlich die Veranstalter in die Kritik: Das Gelände sei zu klein dimensioniert gewesen, und wie kann man für diese riesigen Menschenmassen nur einen einzigen Zugang planen, der noch dazu auch als Ausgang benutzt werden sollte?

Die Teilnehmer können als Masse schlecht in Verantwortung genommen werden. Dennoch stellt sich die Frage, wieso diese nicht den Aufforderungen der Polizei folgten, welche wahrscheinlich als erste die drohende Gefahr bemerkte, und die Menge zur Umkehr aufforderte.

Es ist mir natürlich klar, daß jeder dort sich auf das Ereignis gefreut hatte, noch hineinwollte, und daher keine Lust hatte, den Anweisungen der Polizei zu folgen. Aber genau damit nahmen sie auch das Risiko auf sich.

Nun im Nachhinein zu meckern, daß die Polizei nichts getan hätte, finde ich daher unangemessen. Die Beamten waren der Menschenmenge längst nicht mehr gewachsen. Und hätten sie etwa versuchen sollen, die Leute (mit Gewalt) vom Eingang fernzuhalten? Die Gefahr einer Eskalation war sicherlich zu groß.

Nachdem nun die heranströmenden Massen im Tunnel auf die gestauten und teilweise schon zurückkehrenden Massen stießen, war die Katastrophe klar vorhersehbar. Denn auch hier gilt der alte Spruch von der Autobahn: „Sie stehen nicht im Stau – Sie sind der Stau!“ Und Sie behindern auch noch die Bergungsarbeiten…

Es gibt einige Untersuchungen dazu, wie es zu einer Massenpanik kommen kann. Selbst in Mekka sorgen schon deutsche Wissenschaftler dafür, daß es unter den Pilgermengen, die um die Kaaba kreisen, nicht zu einer solchen Panik kommt. Wie man in Duisburg gesehen hat, verhalten sich die einzelnen Teilnehmer einer Menschenmasse unvernünftig, wenn sie trotz Aufforderung weiterdrängen. Muß man daher diese Massen als solche lenken, wie z.B. eine Herde Schafe?

Unabhängig davon, ob sich die Schuldfrage wirklich klären läßt – was ich bezweifle -, hoffe ich für die Zukunft, daß sowohl Veranstalter solcher Massenveranstaltungen als auch deren Teilnehmer aus dem Vorfall lernen.

Die Kinder sind in den Brunnen gefallen, und es wird höchste Zeit, darüber nachzudenken, wie die zukünftigen Kinder vor solchen vorhersagbaren Katastrophen bewahrt werden können.

P.S.: Daß verzweifelte Verwandte auch über Twitter nachfragen, statt die Polizei unter der verbreiteten Nummer anzurufen, kann ich in Anbetracht der angespannten Situation verstehen. Aber müssen die Namen der dort Gesuchten jetzt auch noch von übereifrigen Helfern gesammelt und als Liste verbreitet werden? Datenschutz war anscheinend gestern. Dann kann die Polizei ja gleich eine Liste mit den Namen der Toten ins Netz stellen. 😦

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