Popmusik wird immer trauriger?

Popmusik wird immer trauriger: Wissenschaftliche Studie der FU Berlin – SPIEGEL ONLINE.
Wenn die Popmusik seit den 80ern immer „trauriger“ geworden ist, dann liegt das meiner Ansicht nach auch an der Globalisierung in der Musik.

Lange Zeit herrschte bei uns neben dem deutschen Schlager (und einigen wenigen „Liedermachern“) die anglo-amerikanische Rock- und Popmusik. Welche Musik in anderen Ländern auf unserem Planeten gehört wird, interessierte nur eine verschwindende Minderheit. Sicherlich gab es Moden wie den brasilianischen Bossanova, den argentinischen Tango, oder gar indische Ragas. Aber Ravi Shankar wirkte in Monterey Ende der 60er doch noch sehr exotisch. Vermutlich sorgte der überdurchschnittliche Drogenkonsum auf dem Festival für die Erträglichkeit und Akzeptanz derartiger Musik.

Doch in den 80ern sollte sich alles ändern. Der Meilenstein – da sind sich die meisten einig – war das Album „Graceland“ von Paul Simon. Auf diesem musizierte er mit Musikern wie „Ladysmith Black Mambazo“ aus Südafrika, und ließ sich auch von deren Musik inspirieren. Und auf einmal fingen sie alle an: Kate Bush sang mit dem Trio Bulgarka, Neneh Cherry rockte mit Youssou N’Dour, und vor allem Peter Gabriel versuchte ganz viele Musiker aus fernen Ländern zu entdecken, und gründete zu diesem Zweck sogar ein eigenes Label namens „Realworld„.

Und spätestens heute, in Zeiten des Internets, ist es völlig normal, über Ländergrenzen und Kontinente hinweg gemeinsam zu musizieren. Daher stecken in der heutigen europäischen Popmusik Einflüsse aus Südafrika, dem Senegal, aus Indien und Pakistan, aus Japan, und speziell in Deutschland auch aus der Türkei und arabischen Ländern.

Nun sind Dur und moll aber europäische Erfindungen. Das „Wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach besteht zu gleichen Teilen aus Dur- und moll-Stücken, da es quasi zu Demonstrationszwecken komponiert wurde. Andere Völker haben völlig andere tonale Systeme. Und sie haben auch ein anderes Verständnis der Tonarten. Man höre nur einmal russische oder Klezmermusik: Die klingt in unseren mitteleuropäischen Ohren meistens traurig, weil sie unserem moll entspricht. Dabei werden diese Lieder auch auf fröhlichen Festen gespielt!

Die indischen Tonleitern mit ihren Vierteltönen oder auch die chinesischen lassen sich überhaupt nicht 1:1 in unsere musikalischen Systeme übertragen. Damit es sich aber international verkaufen lässt, wird die Tonalität dem Dur-moll-System angeglichen. So klingt es noch ein wenig exotisch, aber doch so harmonisch, dass sich europäische Ohren damit anfreunden können.

Wir haben heute in der Popmusik einfach mehr Auswahl, weil sich die musikalischen Grenzen geöffnet haben. Dur und moll werden nach wie vor im Musikunterricht gelehrt, doch wird uns immer deutlicher, dass weder die „westliche“ Klassik, noch die „westliche“ Popmusik das Mass der musikalischen Dinge ist. Überall auf dem Planeten wurde und wird hervorragende und interessante Musik gemacht. Wir müssen nur versuchen, uns ein wenig von unseren Hörgewohnheiten zu lösen, um eine neue Vielfalt entdecken und genießen zu können!

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