Lob? Gerne, aber bitte richtig!

Vermutlich werden mir viele zustimmen, dass Lob etwas sehr wichtiges ist, nicht nur für Kinder. Und dass zuwenig gelobt wird. Aber weshalb wird denn sowenig gelobt? Ein Grund dafür könnte sein, dass es gar nicht so einfach ist, richtig zu loben. Wobei mit „richtig“ gemeint ist, dass der Gelobte davon auch profitieren soll, indem das Lob ihn freut und ihm vielleicht sogar mehr Selbstvertrauen gibt, und ihn damit in seiner Entwicklung unterstützt.

Gelobt werden normalerweise außergewöhnliche, hervorragende Leistungen. Aber genau liegt das Problem: Was ist denn außergewöhnlich? Klar, außergewöhnlich ist das, was nicht gewöhnlich ist. Aber für wen? Soll ich jemanden für etwas loben, was ich außergewöhnlich finde, weil es für mich außergewöhnlich wäre? Nein, ich kann mich nicht als Maßstab nehmen.

Aber wäre es stattdessen besser, jemanden für eine Leistung zu loben, die für die meisten Menschen außergewöhnlich wäre? Das kommt drauf an. Hier ein Gegenbeispiel: Obwohl ich seit vielen Jahren nicht mehr regelmäßig übe, und immer wieder nur bei Gelegenheit ein paar alte Standards herunterspiele, wird mein Gitarrespiel immer noch bewundert und gelobt. Warum nur? Weil die meisten Leute für herausragend halten, was für mich selbstverständlich geworden ist.

Nein, der Maßstab beim Lob muss ein anderer sein. Gelobt werden sollten (erwünschte) Fortschritte in der Entwicklung. Und damit wird der Gelobte selbst zum Maßstab. Das ist aber auch das Problem mit dieser Art Lob: Um jemanden auf diese Weise loben zu können, müssen wir ihn gut kennen, sollten wir seine bisherige Entwicklung entweder verfolgt haben, oder uns zumindest darüber informiert haben.

Das kann und muss auch dazu führen, dass wir für Leistungen loben, die für uns selbst selbstverständlich sind. Kinder loben wir doch auch für ihre ersten Schritte oder Sätze, auch wenn wir selbst schon viel weiter sind. Aber wenn zum Beispiel ein Depressiver es schafft, sich trotz Antriebsschwäche aufzuraffen, etwas zu erledigen, was uns einfach erscheint, dann fällt uns Lob schwer – obwohl gerade dieser Depressive solch positive Verstärkung sehr gut gebrauchen könnte.

Wenn ich mir also Lob wünschen dürfte, dann nicht für Leistungen, die ich mit links schaffe, auch wenn sie andere in Erstaunen versetzen. Sondern für Leistungen, die für mich außergewöhnlich sind – auch wenn sie anderen noch so banal erscheinen mögen!

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