Was dem einen sein Negerkuss, ist der anderen ihr Zigeunerschnitzel

Fühlen Sie sich manchmal auch furchtbar durch den Gebrauch einzelner Worte beleidigt oder provoziert? Versuchen auch Sie, Namen, die Sie seit Ihrer Kindheit kennen, durch politisch korrekte wie „Schokokuss“ oder „Paprikaschnitzel“ zu ersetzen? Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie ihnen aus Gewohnheit und Versehen dennoch einmal herausrutschen? Und vor allem: Üben Sie sich auch immer wieder darin, auch Ihren Mitmenschen den politisch korrekten Gebrauch von Sprache beizubringen? Na, dann verstehen Sie sicherlich mein Problem als Atheist.

Gegen die Beleidigung „Ungläubiger“ konnte ich mich erfolgreich zur Wehr setzen, indem ich das Wort selbst benutze, wie es uns die Schwulen vorgemacht haben. Heute kann ich stolz und aufrechten Hauptes sagen, dass ich ungläubig bin, weil diese Bezeichnung für mich positiv besetzt ist. Statt mich als Atheist vorzustellen, sage ich nun einfach, ich bin ungläubig, wenn mich jemand nach meinem Glauben fragt. So wie ich auch Nichtraucher bin, wenn mir jemand Tabakwaren anbietet.

Aber ein Problem bleibt für mich und alle anderen Ungläubigen: Genauso, wie Wörter wie „Neger“ oder „Zigeuner“ heute nicht mehr angebracht sind, ist auch „Gott“ ein Relikt aus alten Zeiten, und beleidigt jeden aufgeklärten Menschen. Dennoch wird es nach wie vor gedankenlos in Wörtern wie z.B. „Götterspeise“ verwendet, obwohl es dafür bereits in meiner Kindheit den Namen „Wackelpudding“ gibt. Außerdem gibt es natürlich zahlreiche Bücher, die dringend an unsere aufgeklärte und politisch korrekte Zeit angepasst werden müssen. Wenn der „Negerkönig“ selbst bei Pippi Langstrumpf ersetzt wird, dann ist es sicherlich angebracht, „Gott“ aus weitaus wichtigeren Werken zu tilgen. Die Möglichkeit, Werke, in denen noch gedankenlos „Gott“ benutzt wird, als „jugendgefährdend“ einzustufen, halte ich wie im Fall von Pippi Langstrumpf für unwahrscheinlich.

Atheisten neigen im Gegensatz zu manchen religiösen Menschen nicht dazu, wegen Beleidigungen durch Worte oder Karikaturen, Anzeige zu erstatten, Bücher zu verbrennen oder gar Menschen umzubringen. Dies lässt ihre Gefühle im Vergleich unbedeutend erscheinen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es die Vernunft vieler Menschen beleidigt, wenn z.B. ausschließlich heterosexuelle Beziehungen als „gottgewollt“ bezeichnet werden.

Um es sich außer mit den Afroamerikanern, Sinti und Roma nicht auch noch mit den Atheisten zu verderben, schlage ich vor, das Wort „Gott“ grundsätzlich nicht mehr zu gebrauchen. Statt „Götterspeise“ gibt es nur noch „Wackelpudding“. Und „Gott“ selbst ließe sich z.B. angemessen durch „imaginäres Wesen“ ersetzen. Nun gut, die Überarbeitung der Bibel wird etwas mehr Aufwand erfordern. Doch dieser Aufwand wird am Ende auch dadurch belohnt werden, dass der Märchencharakter des Werkes deutlicher hervortreten wird.

Und die Moral von der Geschichte? Egal wie Du es sagst: Es gibt immer mindestens einen Idioten, der sich durch Deine Wortwahl beleidigt fühlt, notfalls stellvertretend für Andere.

Was ich während des Schreibens gehört habe:

Nichts ist unmöglich!

Ich habe diese fantastischen Vier mit dem Programm vor vielen Jahren in Braunschweig live erlebt, und halte es immer noch für eine Sternstunde des deutschen Kabaretts, welches es meines Wissens nie ins Fernsehen geschaft hat, weil die Texte weder jugendfrei noch politisch korrekt sind.

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6 Gedanken zu “Was dem einen sein Negerkuss, ist der anderen ihr Zigeunerschnitzel

  1. Dieser politisch-korrekte Blödsinn ist ein Result irrationalen Altruismus – er ist eine rein westliche Plage und man sollte sich klarmachen, dass der Rassismus in den gesamten Asiatischen Regionen z.B. oder für 2/3 der Menschheit kein verständlicher Begriff ist. Er dient nur der Verhaltenskontrolle des Kults der Gleichmacher und selbstgefälligen Gutmenschen.

    1. Aber wenn ich z.B. den Dauerkonflikt zwischen China und Japan betrachte, dann ’schwingt dabei auch ’ne Menge Rassismus mit. Mir ging es aber eher um die Fanatiker, die unsere Sprache „reinigen“ wollen, und die dabei oftmals übers Ziel hinausschießen. Wenn sie z.B. erreichen wollen, dass sich garantiert niemand durch eine bestimmte Wortwahl beleidigt fühlt. Ich bin der Ansicht, dass das ein hoffnungsloses Unterfangen ist. Stattdessen sollte besser differenziert werden zwischen „echtem Rassismus“ und dem harmlosen Gebrauch von Wörtern wie z.B. Negerkuss. Dass Kinder, die mit Negerküssen aufwachsen, nicht automatisch zu Rassisten werden, sieht man ja an mir…

      1. Wir stimmen überein! Diesem politisch korrekten Blödsinn, diesen militanten Gesinnungs- und Meinungskontrolleure sollte man keinen Millimeter geben.
        [Die Chinesen, Japaner, Thailänder etc. sind die SCHLIMMSTEN Rassisten – jedoch nur nach unserer Definition. Die identifikation und Akzeptanz ethnischer Unterschiede ist dort eine normale und überaus wichtige kulturelle Institution und Diskrimination macht deren Gesellschaften erst funktionfähig. Ich weiß es, weil ich mich dort als „Langnase“ seit 1975 am kurzen Ende des sozialen Steckens befinde!]
        Danke für Ihre Antwort und Beste Grüße

  2. ‚Ungläubig‘ kommt aber mit seinen eigenen Problemen.
    Ich bin ja nicht ungläubig, und du auch nicht. Wir Atheisten glauben ganz vieles. Wenn man ein bisschen schnippisch sein will, würde man vielleicht sogar sagen, dass wir sogar an alles glauben, das es gibt.

    1. Klar, auch ich glaube so einiges. Allerdings nichts, was mit Religiösität zu tun hätte. Wenn es um den Glauben an eine übernatürliche Macht geht, die angeblich Einfluss auf mein Leben hat, dann bin ich ein Ungläubiger. Wie diese Macht genannt wird, spielt dabei keine Rolle.

      1. Genau. Und diese spezifische Form von Unglauben hat eben den handlichen Namen „Atheismus“.
        Womit ich dir nicht deinen Begriff streitig machen will. Ich bin nur manchmal ein keiner Besserwisser und wollte darauf hinweisen, dass „Ungläubig“ ein gewisses Missverständnispotential birgt, so wie es „Nichtraucher“ bei jemandem täte, der zwar keinen Tabak raucht, dafür aber vielleicht andere Pflanzen.

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