Kategorie: Film und Fernsehen

Wie erschaffe ich einen Hollywood-Blockbuster?

Das Geheimnis eines Blockbusters liegt natürlich in der Besetzung. Seit „King Kong“ (1933) wurden in Hollywood viele erfolgreiche Filme nach demselben Schema gedreht, besonders in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Handlung ist dagegen nebensächlich. Die ergibt sich, wie man sehen wird, ganz automatisch durch die passende Besetzung. Daher möchte ich im Folgenden die wichtigsten Beteiligten eines Blockbusters vorstellen.

Die Bedrohung

Zu jedem Blockbuster gehört eine Bedrohung. Waren es früher nur Riesengorillas, Monsterechsen, Vampire, Riesenspinnen, Haie, oder auch nur Heerscharen von Insekten, gibt es heute auch mehr und mehr Bedrohungen durch die Natur selbst, die man eigentlich nicht besiegen kann: Vulkanausbrüche, Erdbeben, Überschwemmungen, Meteoriten, etc.

Ein Meilenstein wurde durch Alfred Hitchcock gelegt, als er für diese Rolle keine seltenen Monster nahm, sondern schlichte Möwen und Krähen.

Der Bedrohung fallen meistens ein paar Statisten zum Opfer (siehe „Militär“), oft auch Unterstützer, die ihren Heldenmut dadurch beweisen, daß sie sich für den Helden und seine Begleiterin opfern. Und machmal muß auch die Autoritätsperson daran glauben, nämlich dann, wenn diese auf der falschen Seite steht. Wegen des Happy Ends jedoch nie der Held oder seine Begleiterin.

Der Held

Der Held des Films hat natürlich die schwierige Aufgabe, (alle) Menschen vor jener Bedrohung zu retten. Oft gerät er nur zufällig – z.B. als Reporter – in den Schlamassel, will dann seine Begleiterin retten, und rettet nebenbei auch den Rest der Welt. Der Held zeichnet sich vor allem durch unkonventionelle Ideen aus, und dadurch, daß ihm niemand glaubt. Dennoch siegt er am Ende, oft unter Verlust guter Freunde (siehe „Unterstützer“), und gerade weil er sich Befehlen gerne widersetzt. Normalerweise steht einer Hochzeit mit der Begleiterin am Ende des Films nichts mehr entgegen.

Typische Besetzung: Sean Connery, George Clooney, Bruce Willis; nur sehr selten weiblich: Sigourney Weaver

Die Autoritätsperson

Die Autoritätsperson ist meistens ein Wissenschaftler, manchmal auch ein Priester („The Fifth Element“, „From Dusk Till Dawn“). Diese Person kann auch böse sein, und will dann die Bedrohung für sich nutzen, z.B. zum Erlangen der Weltherrschaft. Wenn er die Bedrohung nicht sogar selbst (aus Versehen?) erschuf, dann liefert er zumindest die Erklärung dafür, und manchmal findet er auch das Gegenmittel heraus. Er selbst ist aber nie in der Lage, dieses auch anzuwenden, um die Bedrohung abzuwenden. Dazu benötigt er den Helden.

Oftmals ist die Autoritätsperson der verwitwete Vater der Begleiterin. Und falls er böse sein sollte, erfüllt es die Zuschauer immer mit Genugtuung, wenn er von seiner eigenen Schöpfung umgebracht wird.

Typische Besetzung: Gert Fröbe, Donald Pleasance

Die Begleiterin

Die Begleiterin hat nicht nur die wichtige Aufgabe, unseren Helden moralisch zu unterstützen, indem sie ihn motiviert. (Machmal auch die Autoritätsperson, wenn diese nämlich ihr Vater ist.) Sie muß auch den Helden und seine Unterstützer durch lautes Gekreische auf die Annäherung der Bedrohung aufmerksam machen. Interessanterweise entdeckt sie diese immer als erste, obwohl sie im Gegensatz zu den Anderen gar nicht danach sucht. Ansonsten gibt es über diese Rolle nicht viel zu sagen, denn sie hat auch nicht viel zu sagen.

Typische Besetzung: Jede Hollywood-Blondine, z.B. Jessica Lange

Die Unterstützer

Die Unterstützer sind meistens ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Manchmal sind alte Freunde des Helden dabei, oft aber auch Begegnungen, die einfach der Zufall bzw. die gemeinsame Bedrohung zusammenschweißt. Die Unterstützer sind normalerweise loyal gegenüber dem Helden. Spannung ergibt sich manchmal dadurch, daß unter ihnen Zweifler sind, oder solche, die der Begleiterin selbst gerne an die Wäsche wollen. Das sind dann genau diejenigen, die der Bedrohung als nächste zum Opfer fallen werden.

Ohne seine Unterstützer würde der Held nie lebend das Ende des Films erreichen. Außerdem bringen sie Farbe ins Spiel, da sich darunter die unterschiedlichsten Charaktere befinden können. Oft sind unter ihnen auch die komischen Rollen zu finden, die sich z.B. tolpatschig anstellen oder große Angst haben, aber sich dennoch irgendwann von unschätzbarem Wert für den Helden erweisen.

Typische Besetzung: Ron Perlman, Rowan Atkinson

Der Präsident

In einem amerikanischen Film muß der Präsident auftreten, sowie die Bedrohung über die Größe einer Kleinstadt hinausgeht. Er erweist sich aber meistens als willensschwach, hält sich an seine Vorschriften, und vertraut doch lieber dem (amerikanischen) Militär als unserem Helden. Aber am Ende gibt er diesem doch noch seinen Segen, wenn dieser nämlich vollbracht hat, was der Militärmacht versagt blieb.

Typische Besetzung: Jack Nicholson, Morgan Freeman

Das Militär

Wenn der Präsident auftritt, dann kommt immer auch seine mächtigste Waffe gegen die Bedrohung ins Spiel: das Militär. Meist in Person eines alten Haudegens, dem zu jeder Art von Bedrohung nichts besseres einfällt, als zu bombardieren. Noch mehr als vor der eigentlichen Bedrohung zittern die Zuschauer davor, ob der Präsident seinem Militär wohl freie Hand geben wird. Weil jeder aus Erfahrung weiß, daß es kein Happy End ergibt, wenn die Army zum Einsatz kommt.

Außerdem gibt es beim Militär noch jede Menge anonyme Statisten, die skrupellos verfeuert werden. Diese werden von ihren Vorgesetzten gerne mit folgenden klassischen Befehlen in den Kampf geschickt: „Nach rechts rüber, Männer. Der Rest kommt mit mir…“

Typische Besetzung: George C. Scott

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