Kategorie: Hirnforschung

Es war einmal 2011, in einem aufgeklärten Land…

Wahrsager-Urteil des Bundesgerichtshofs: Preis des Übersinnlichen – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama.

Man muss es mehrmals lesen, um es in all seiner Abgründigkeit zu verstehen:

Honorarverträge von Wahrsagern und Kartenlegern können nach Ansicht des BGH jedoch sittenwidrig und nichtig sein, wenn sie mit Kunden in „schwierigen Lebenssituationen“ oder psychisch labilen oder leichtgläubigen, unerfahrenen Menschen abgeschlossen wurden.

Da drängt sich die Frage auf, ob Menschen, die sich weder in „schwierigen Lebenssituationen“ befinden, noch psychisch labil, leichtgläubig oder unerfahren sind, überhaupt zur Kundschaft von Wahrsagern und Kartenlegern gehören.

Was wiederum bedeuten würde, dass die allermeisten Honorarverträge dieser Esoteriker sittenwidrig und nichtig sein dürften. Schlechte Zeiten für den im Artikel erwähnten Tarotverband brechen an – auch wenn er noch so sehr auf die „Qualität“ seiner Mitglieder achten will.

Nebenbei bemerkt: Die genannte Kartenlegerin scheint ebenso leichtgläubig wie ihre Kundschaft zu sein, wenn sie ihre vermeintlichen Fähigkeiten vor allem aus den Rückmeldungen der Kunden ableitet.

Nein.

Versuch einer Antwort auf „Existiert das Böse?“ von Andreas Müller.

  1. Ich kann nicht böse sein, da ich entweder meinen moralischen Vorstellungen entsprechend lebe. Oder ich werde gut, indem ich meine moralischen Vorstellungen an mein Verhalten anpasse.
  2. Daraus folgt, daß die Bösen nur die Anderen sein können.
  3. Da für jeden Anderen aber ebenfalls das unter 1. Gesagte gilt, gibt es keine bösen Menschen.

Wo bleibt dann „das Böse“? Solange sich die Menschheit nicht auf einen einzigen Maßstab einigen kann, wird das Adjektiv „böse“ immer nur relativiert gebraucht werden: böse im Sinne des Islam, böse im Sinne der Bibel, böse im Sinne der Menschenrechte.

Vielleicht solltest Du einfach mal Mahmud Ahmadinedschad, Osama bin Laden oder Kim Il Jong zum selben Thema interviewen? Die sind vermutlich derselben Meinung wie Andreas, daß es das Böse gibt. Nur orten sie es ganz woanders.

Wenn ich wie z.B. die katholische Kirche an eine endgültige Wahrheit glauben würde, dann könnte ich auch glauben, daß dieser Wahrheit entsprechend auch das Böse existiert, welches jene Wahrheit zu vernichten sucht. Doch ich glaube nicht daran.

Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, und stets das Gute schafft.

Mephistopheles, das personifizierte Böse aus Goethes bekannter Trägödie, erfüllt nur als Gegenspieler Gottes einen Zweck. Glaubt man nicht an Gott, wird Mephisto vielmehr zu einem boshaften, aber unterhaltsamen Schalk. (Heutzutage würde so einer die „Versteckte Kamera“ moderieren…) Das Böse an sich stellt man sich anders vor, vielleicht eher wie Hitler, Stalin oder Idi Amin.

Ich bin sehr vorsichtig mit dem Etikett „böse“. Ich wende mich zwar auch gegen das, was ich nicht tolerieren kann, weil es nicht meinen Moralvorstellungen entspricht. Doch bin ich mir bewußt, daß ich mit meiner Moral keinen Anspruch auf die alleinige Wahrheit habe. Zumal sich meine Vorstellungen darüber ja auch ändern können. Und das ist auch gut so.

Im obigen Interview ist immer wieder von „wir“ die Rede. Wen meinst Du damit? Wir Guten, die wir genau wissen, wer böse ist? Ich lasse mir aber nicht von anderen sagen, wer gut und wer böse ist (habe ich von Brian Cohen bei seiner berühmten Predigt gelernt). Stattdessen muß ich an dieser Stelle doch mal die Bibel zitieren (Matthäus 7,20): „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Früchte, die nicht meinen Qualitätsvorstellungen entsprechen, werde ich nicht tolerieren, sondern ablehnen.

Aber nur, weil ich manche Verhaltensweisen rigoros ablehne, bezeichne ich die Menschen, die so handeln, dennoch nicht als böse. Im aktuellen SPIEGEL steht ein Artikel über Psychopathen. Ich habe ihn noch nicht gelesen, doch deutet die Zusammenfassung im Inhaltsverzeichnis darauf hin, daß diese Menschen ein verändertes, gestörtes Gehirn haben. Da erscheint es mir sinnvoller, sie nicht als böse zu titulieren, sondern je nach „Heilungsaussichten“ als krank oder behindert.

Und damit ändert sich die Frage „wie soll man mit dem Bösen umgehen?“ in „wie soll man mit Menschen umgehen, die ihr zerstörerisches Verhalten als normal empfinden?“ Oder anders gesagt: Man kann einen „Bösen“, der sich selbst für gut hält, nicht einfach so vom Bösen abbringen.

Ich glaube nicht, daß uns das Adjektiv „böse“ bei all diesen Problemen irgendwie weiterhilft. Im Gegenteil.

Glaube im Alltag

Der Unterschied zwischen einer Kirche und einer Sekte ist für mich kein qualitativer, sondern rein quantitativ: Die Sekte ist halt kleiner. Aber es handelt sich in beiden Fällen um Glaubensgemeinschaften. Ja, auch die Homöopathen oder die Anthroposophen u.A. bilden solche Glaubensgemeinschaften.

Das Fliegende Spaghettimonster ist prinzipiell von derselben Qualität wie Gott/Jahwe/Allah. Der entscheidende Unterschied in seiner Wirkung (auf Menschen) liegt allein darin, ob man daran glaubt oder nicht. Gleiches gilt auch für die Globuli in der Homöopathie: Ob diese Zuckerkügelchen besser wirken als andere, hängt nur davon ab, wie sehr daran geglaubt wird.

Diese Wirkung ist in der Wissenschaft schon länger unter dem Namen Placebo-Effekt bekannt. Der Nachweis ist einfach: Man lasse – bei ansonsten identischen Bedingungen – einfach sowohl den Homöopathen als auch seine Patienten darüber im Unklaren, ob es sich bei der Zuckerkugel um eine „homöopathische Arznei“ handelt oder nicht. Das nennt man dann einen Doppelblindversuch, und man kann damit nachweisen, wenn eine eventuelle Wirkung (wie bei der Homöopathie) nur auf dem Placeboeffekt beruht.

Warum aber glauben Menschen in dieser angeblich so aufgeklärten Zeit an Gott oder an Homöopathie? Und nicht ans Fliegende Spaghettimonster? Ich sehe dafür mehrere Gründe. Der erste ist eine latente Autoritätsgläubigkeit. Während Heilpraktiker und Prediger eine solche Autorität genießen, strahlt das Spaghettimonster nichts davon aus.

Ein weiterer Grund ist die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, Zuwendung und Geborgenheit in einer Gemeinschaft. Und schließlich die Suche nach Antworten, die möglichst einfach sind. Vielen Menschen ist es wohl zu mühsam, ihrem Leben selbst einen Sinn zu geben. Sie lassen sich diesen Sinn lieber von Anderen geben. Oft ohne ihn weiter zu hinterfragen, wenn nur die eben genannten Punkte stimmen.

Ich möchte jedoch klarstellen, daß ich niemandem seinen Glauben austreiben will. Ich bin doch kein Missionar. Ich möchte nur, daß der Glaube bleibt, was er ist: Eine private Angelegenheit. In dem Moment aber, wenn Glaube zur Religion wird, oder meine Krankenkasse mit meinen Beiträgen den Wunderglauben von Homöopathen finanziert, hat der Spaß für mich ein Ende. Wenn mich der Ruf eines Muezzin oder das Läuten der Kirchenglocken weckt, oder wenn ich nicht feiern darf, weil z.B. Katholiken einen Feiertag (sic!) haben, dann haben diese Glaubensgemeinschaften zu viel Einfluß auf mein Leben.

Doch all diese großen und kleinen Glaubensgemeinschaften wirken immer wieder auf unseren Alltag. Die Politik verschließt Augen und Ohren, weil bei uns ja a) Religionsfreiheit gilt, und b) die Trennung von Kirche und Staat – jeder darf glauben, was er will, solange der Staat sich nicht darum kümmern muß. Der Staat sollte sich aber meiner Ansicht nach mal darum kümmern. Denn wie schon Rosa Luxemburg sagte: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ Nicht nur, daß Religionen andere Religionen in ihrer Freiheit beschneiden. Auch Nichtgläubige sind davon betroffen.

Daher begrüße ich ausdrücklich das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, welches Kruzifixe in italienischen Klassenzimmern untersagt. Nicht weil das insbesondere in Bayern für Aufregung sorgt, sondern weil der Gerichtshof in seinem Urteil ausdrücklich betonte, daß auch die Freiheit, nicht zu glauben, geschützt werden müsse.

Will ich wirklich über Willensfreiheit diskutieren?

Die Frage nach der Willensfreiheit « Aufklärung 2.0.

Willensfreiheit – bzw. das, was wir dafür halten – ist in meinen Augen durchaus mit dem erwähnten deterministischen Chaos vereinbar, also kompatibel. Am Anfang war weder das Wort noch das Tohuwabohu, sondern die Zahl: Die mathematischen Gesetzmäßigkeiten mögen wie ein Gefängnis erscheinen, was einen Widerspruch zur Freiheit bedeutet. Aber diese Gesetze bilden nur einen (weiten) Rahmen, in dem sich auch das Chaos tummeln kann.

Wenn aber dieses Chaos in der Lage ist, in der Natur geordnete Muster hervorzubringen, warum dann nicht auch im Gehirn? Sind doch unsere Gedanken offensichtlich nichts anderes als regelmäßige Frequenzen im Durcheinander unter unserer Schädeldecke. Daß uns unsere Gedanken frei erscheinen, liegt meiner Ansicht nach daran, daß wir die Gefängnismauern nicht wahrnehmen können. Aber alles, was wir in diesem Gefängnis tun, unterliegt deterministischen Regeln.

Willensfreiheit ist demnach eine Illusion, jedoch eine sehr sinnvolle. Das Gefühl der Freiheit ist ebenso in unserem Gehirn beheimatet wie auch unsere Illusionen. Es existiert deshalb im selben Sinne wie Illusionen existieren. Deren Existenz kann dann wohl nur jemand bestreiten, der gefühlslos bzw. illusionslos ist. Solche Menschen sind jedoch meiner Ansicht nach nicht (über)lebensfähig.

Ich muß allerdings gestehen, daß sich das neue Buch von Michael Schmidt-Salomon noch nicht im Bücherregal, sondern noch (oben) auf meinen Wunschzettel befindet. Daher kann ich dazu noch nichts sagen bzw. schreiben. Aber wenn es schon mal in einem Blog um die Willensfreiheit geht, dann nehme ich mir die Freiheit, meine bescheidene Meinung dazu beizutragen. 🙂

Ich bin ein Fragmentarier

„Dieser Mann wird nichts zustande bringen, weil er zuerst an das Ende der Arbeiten denkt, bevor er sie überhaupt begonnen hat.“

Das könnte auch über mich gesagt worden sein. Jedoch sagte dieses Papst Leo X. über Leonardo da Vinci.

Im Vergleich zu Leonardo bin ich nur leider kein Genie. Nur vermutlich ebenso sorgfältig, pedantisch und perfektionistisch. Und so vielseitig interessiert:

Auch von Leonardo selbst wissen wir, dass er in seiner Vielseitigkeit manchmal ein Problem sah. „Ganz wie ein Königreich in sein Verderben läuft, wenn es sich teilt“, schrieb er, „so verwirrt und schwächt sich der Geist, der sich mit zu vielen Themen beschäftigt.“ Doch solche gelegentlichen Bedenken stellte er mit gutem Grund wieder zurück. „Durch verworrene und unbestimmte Dinge“, hatte er erkannt, „wird nämlich der Geist zu neuen Erfindungen wach.“ Angesichts von Leonardos umfassenden Interessen und Forschungen hat Karl Jaspers ihn in positivem Sinn einen „Fragmentarier“ genannt.

Leonardo da Vinci, der immer mehr vom Künstler zum Wissenschaftler wurde, hatte verstanden, dass Versuch und Irrtum den Weg markieren, der das Ziel ist.

Ich bezweifele allerdings, daß es ihm gefallen würde, daß sich die Menschen nach seinem Tode vor allem an die Mona Lisa erinnnern, jedoch kaum an seine Leistung als Wissenschaftler.

Sonderlinge wie ihn muß ich aber einfach mögen. Zumal mir dieser Italiener auch noch etwas wesensverwandt zu sein schien. Leonardo da Vinci steht für mich in einer Reihe mit exzentrischen Persönlichkeiten wie Oscar Wilde und Alan Turing.

Geschlechtsspezifische Schulbücher?

PONS.de – Online-Wörterbuch und Online-Shop: Wörterbuch, Sprachkurs, Wortschatz und Grammatik für über 30 Sprachen.

Was habt Ihr Euch im Verlag denn bloß dabei gedacht? Da werden einfach ganz viele altbekannte Klischees verbreitet, mit der Begründung, damit würden die Kinder besser lernen, wenn sie Vertrautes vorgesetzt bekommen.

Zumindest sollte jedes Kind unabhängig vom Geschlecht die Ausgabe wählen können, mit der es besser lernen kann. Natürlich gibt es Unterschiede im Denken und auch im Lernen bei den Geschlechtern. Und die werden zum Teil bereits vor der Geburt ausgeprägt. Aber wer jemals eine Gauß’sche Verteilungskurve gesehen hat, der sollte wissen, daß sich diese bei den Geschlechtern zwar im Durchschnitt leicht unterscheiden, aber doch zum größten Teil überlappen.

Wenn man schon in ein und derselben Schulklasse verschiedene Lehrbücher verwenden möchte, dann wäre vielmehr eine individuelle Förderung mittels unterschiedlicher Schulbücher angebracht. Zum Beispiel könnte es für die verschiedenen Lerntypen verschiedene Schulbücher geben. Diese werden aber nicht einfach nach Merkmalen wie dem Geschlecht zugeordnet. Stattdessen sollte in letzter Instanz das Kind selbst entscheiden, welches Schulbuch es verwenden möchte.

Viel sinnvoller für eine angemessene Förderung jedes einzelnen Kindes wäre aber eine höhere Anzahl an Lehrkräften pro Klasse bzw. pro Kind. Und dem akuten Lehrermangel könnte man dadurch begegnen, daß zwar in jeder Klasse ein ausgebildeter Pädagoge seinen Dienst verrichtet, dieser jedoch je nach Unterrichtsstoff Unterstützung durch diverse Fachkräfte erhält, welche durch pädagogische Fortbildungsmaßnahmen auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet werden.

Letzteres wird zwar in einigen Bundesländern schon versucht, doch sind die Zugangsvoraussetzungen bislang zu hoch, um damit den Lehrermangel ausgleichen zu können. So wird einerseits ein abgeschlossenes Studium erwartet, andererseits soll eine gewisse Altergrenze (40 bzw. 45 Jahre) nicht überschritten werden. Wer aber diese Voraussetzungen erfüllt, hat vermutlich besseres zu tun, als einem schlechtbezahlten Aushilfsjob an einer Schule nachzugehen.

Stampft also Eure klischeeüberladenen Schulbücher wieder ein, und überlegt lieber, wie Ihr mithelfen könnt, mehr Lehrkräfte an die Schulen zu bekommen.

Mein Roboter und ich

Der Artikel „Mein Freund, der Roboter“ aus dem Juni-Heft von Gehirn & Geist hat mich ins Grübeln über unsere Zukunft versetzt. Nicht zum ersten Mal, schon von klein auf träumte ich von meinem eigenen Roboter. Ich verstand gar nicht die Angst der Leute vor der Automatisierung und Rationalisierung, weil ich nie vorhatte, einer langweiligen Tätigkeit nachzugehen, die genauso gut oder gar besser von einer  Maschine erledigt werden kann. Stattdessen stellte ich mir vor, daß mein Roboter für mich arbeiten, also Geld verdienen würde, während ich mich anderen Dingen, z.B. seiner Programmierung widmen würde.

Ich übersah dabei, daß Roboter – bis heute – sehr teuer sind, und sich ein durchschnittlicher Arbeiter daher gar keinen eigenen Roboter leisten kann, der für ihn Geld verdient. Das können aber viele Unternehmer. Die lassen Maschinen für sich arbeiten, und sparen andererseits dadurch Personalkosten ein. Im Klartext: Sie schaffen Arbeitslosigkeit statt Arbeit.

Der Traum vom preiswerten Roboter ist aber immer noch nicht aus meinem Kopf verschwunden. Allerdings hatte ich mir das anders vorgestellt, als es nun Wirklichkeit zu werden droht. Aus Japan ist schon seit längerer Zeit bekannt, daß Roboter-Robben in Altenheimen eingesetzt werden. Wenn man nach „Paro“ googelt, findet man unzählige Artikel dazu. Paro gibt es auch schon bei uns zu kaufen, zum stolzen Preis von 4.400 €.

Der Nutzen scheint erwiesen zu sein, doch machen sich nicht nur Science-Fiction-Autoren schon seit längerem Gedanken darüber, wie solche Maschinen auch das menschliche Zusammenleben verändern könnten. Das Interessante und auch Gruselige an Paro ist ja, daß er ausgerechnet auf Gebieten Fähigkeiten zeigt, in denen man den Menschen für unersetzbar hielt: menschliche Zuwendung und Wärme, Aufmerksamkeit, ja, sogar Zärtlichkeit.

Das „Spielzeug“ Paro könnte eine Grenze überschreiten. Von Kindern kennen wir, daß sie nicht nur zu Haustieren, sondern auch zu ihren Puppen Beziehungen aufbauen können. Diese sollen allerdings nicht zwischenmenschliche Beziehungen ersetzen, sondern höchstens ergänzen. Wenn aber alte Menschen mit Paro „spielen“, so muß die Roboter-Robbe menschliche Partner ersetzen. Vielleicht fällt es den Alten leichter, eine Beziehung aufzubauen, weil sie einfach nicht mit der Technik aufgewachsen sind, die Puppen wie Paro ermöglicht.

Auch ich würde Paro als technisches Spielzeug ausprobieren. Schließlich bin ich neugierig, und will herausfinden, was diese Maschine alles kann. Aber eine Beziehung zu Paro könnte ich wohl ebensowenig wie zu meinem Rechner aufbauen. Dazu kenn ich mich einfach zu gut mit der zugrundeliegenden Technik aus. Nichts gegen elektronisch aufgemotzte Kuscheltiere, aber wenn sie Menschen auf Dauer ersetzen sollen, grenzt das für mich schon an Mißbrauch.

Andererseits vernichtet Paro Arbeitsplätze, um die sich sowieso keiner reißt, weil sie furchtbar schlecht bezahlt sind. Und das, obwohl menschliche Zuneigung eigentlich unbezahlbar ist. Aber in einer Zeit, in der mehr und mehr Menschen nicht mehr allein von ihrem Lohn leben können, bleibt die unbezahlte Zuwendung irgendwann auf der Strecke.

So gerne ich Paro einmal ausprobieren möchte: Der Gedanke, daß man mir als Greis einen Roboter in den Arm drückt, weil weder Zeit für menschliche Zuwendung vorhanden ist, noch Geld, um Andere angemessen für ein bißchen Aufmerksamkeit zu bezahlen, dieser Gedanke läßt mich schaudern.

Ich finde es völlig ok, wenn Roboter für mich stupide Routinearbeiten wie Rasenmähen oder Staubsaugen erledigen, oder wenn sie gar für mich Geld verdienen. Aber wenn sie einspringen müssen, weil menschliche Zuwendung aus Zeit- und Geldmangel rar geworden ist, dann kann ich nur noch mit Grauzone singen:

Ich möchte ein Eisbär sein im kalten Polar,
dann müßte ich nicht mehr schrei’n,
alles wär‘ so klar…
Eisbären müssen nie weinen.