Kategorie: Musik

Hier geht’s jetzt um die Wurst.

Pro

  1. Tolles Lied, könnte auch als James-Bond-Titelmelodie von Celine Dion gesungen werden – also ein klassischer ESC-Song.
  2. Schönes Kleid.
  3. Kein Herumhampeln, kein Möchtegernballett. Im Vergleich zu den anderen „Künstlern“ so gut wie keine Show. Daher Konzentration auf das Wesentliche: Die Musik.
  4. Eine (für meine Ohren) überraschend gute Stimme.
  5. Eine Ohrfeige und herbe Niederlage für Russen und andere Homophobe.
  6. Der Traum vieler Schwuler (aus denen das ESC-Publikum zum größten Teil besteht) wird wahr: Ein bekennender Schwuler gewinnt als Dragqueen im Klitzerkleid den ESC. Wer von Euch Schwulen nicht auch schon mal davon geträumt hat, der werfe das erste Wattebäuschchen…

Contra

  1. Der Bart sieht irgendwie bescheuert aus. Er erinnert mich immer an diesen hirnlosen Glööckler. Aber vielleicht war er ja (der Bart, nicht der Glööckler) der Schlüssel zum Erfolg?
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Konzeptlos? – Nein, danke!

Heute habe ich, der ich mit Cassetten und Schallplatten aufgewachsen bin, mal wieder irgendwo gelesen, dass CDs als Tonträger eine veraltete Technik seien. Das mag stimmen, aber dennoch werde ich auch in Zukunft welche kaufen. Um sie zu hören, oder um die Musik auf mein Smartphone oder einen USB-Stick zu spielen, damit ich sie mitnehmen und unterwegs hören kann.

Wieso ich Songs nicht gleich aus dem Internet herunterlade? Abgesehen davon, dass ich manche Aufnahmen gar nicht im Internet finde: Weil mir da etwas fehlt. Und was mir fehlt, versuche ich im Folgenden zu verdeutlichen.

Es gab früher einmal etwas, das man als „Konzeptalbum“ bezeichnete. Wobei damit zwei leicht unterschiedliche Arten von Alben gemeint sein konnten. Das werde ich später an Beispielen erläutern. Um zu verstehen, was das Besondere an Konzeptalben war und ist, möchte ich etwas mehr als 100 Jahre in der populären Musik zurückspringen, nämlich in die Zeit der allerersten Musikaufnahmen.

Als Emil Berliner die Schelllackplatte erfand, die dann auf Grammophonen abgespielt wurde, war nicht nur die Tonqualität nach heutigen Maßstäben miserabel. Es passte auch nicht allzuviel auf eine Scheibe drauf, ca. vier Minuten Musik oder Sprache.

Als dann nach dem Zweiten Weltkrieg Vinylplatten auf den Markt kamen, setzten sich nach einiger Zeit vor allem zwei Formate durch: Die sogenannte Single, die jeweils ein Lied auf der Vorder- und Rückseite enthielt. Und die Langspielplatte (LP), die im Schnitt auf jeder Seite fünf bis acht Titel hatte. Laufzeit pro Seite ca. 15 Minuten; meine längste Schallplatte ist vermutlich die erste aus dem „blauen Doppelalbum“ der Beatles, die hat eine Gesamtlänge von ungefähr 50 Minuten.

Die Qualität war erheblich besser als bei den alten Schelllackplatten, und die LPs hatten auch eine wesentlich längere Laufzeit. Sie waren jedoch auch viel teuer, und daher noch in den 60er Jahren weniger etwas für junge Leute als vielmehr für betuchte Musikliebhaber. Wenn ich mich recht erinnere, kostete in den 70ern, als ich meine ersten Platten kaufte, eine Single normalerweise 6 DM, während man für eine LP 15, 18 oder gar 20 DM ausgeben musste. Doppel-LPs gab es kaum unter 20 DM.

Anfangs dürften LPs wegen der Länge sogar eher für Klassikaufnahmen bevorzugt worden sein, während sich auf Singles der Dreiminuten-Popsong durchsetzte. Der erste bedeutend längere Song der Popgeschichte war wahrscheinlich „Hey Jude“ von den Beatles, welcher auch auf der bereits erwähnten LP zu finden ist.

An den Beatles kann man auch den Wandel in den 60ern beobachten: Während die ersten LPs der Beatles nichts weiter waren als eine Sammlung und beinahe willkürliche Zusammenstellung ihrer Hitsingles, begann mit „Rubber Soul“ und „Revolver“ ein langsamer Wandel, der dann bei „Sgt. Pepper“ deutlich wurde: Auf einmal wurden die Songs auf LPs in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet, in der sie gehört werden sollten! Es steckte also ein Konzept dahinter, welche Titel in welcher Reihenfolge auf eine LP kamen.

Dies war die erste Art von Konzeptalbum. Viele solcher Alben sollten folgen, auch wenn manche Musiker weiterhin nur Sammlungen ihrer Hits auf LP herausgaben. Aber es kam dann noch eine zweite Art von Konzeptalbum, bei dem die Titel sogar unter einem gemeinsamen Motto standen oder eine mehr oder weniger zusammenhängende Geschichte erzählten.

Es gäbe sehr viele Konzeptalben zu erwähnen, ich werde mich auf ein paar herausragende Beispiele beschränken. Klassiker sind von „The Who“ zuerst die Rockoper „Tommy“, die auf LP natürlich ein Konzeptalbum darstellt. Ebenso wie die Musik zum späteren Film „Quadrophenia“.

Die frühen Genesis (noch mit Peter Gabriel) haben quasi nur Konzeptalben herausgebracht. Auf dem Gipfel ihres Ruhms und vor der Trennung von Gabriel gab es das spektakuläre „The Lamb Lies Down On Broadway“, eine Art musikalischer Psychothriller über zwei LPs.

Außerdem möchte ich „Thick As A Brick“ von Jethro Tull nicht unerwähnt lassen: Die LP ist so aufgemacht, als würde eine reale Geschichte erzählt werden. Zeitungsausschnitte auf dem Cover scheinen das zu belegen.

Pink Floyd haben auch einige klassiche Konzeptalben herausgebracht. So z.B. „Wish You Were Here“, welches dem früheren Pink-Floyd-Mitglied Sid Barrett gewidmet war. Und natürlich „The Wall“, dessen Geschichte durch Film und Liveaufführungen bekannt geworden ist. „Dark Side Of The Moon“ darf man natürlich auch nicht im Shufflemodus anhören…

Später gab es dann noch Musiker wie Mike Oldfield oder „The Alan Parsons Project“, die die Tradition der Konzeptalben aufrechterhielten. Da ich niemals alle werde aufzählen können, dürfen gerne noch in Kommentaren Beispiele für Konzeptalben hinzugefügt werden. 🙂

Im weiteren Sinne könnte man auch noch Liveaufnahmen wie z.B. das großartige „Live At The Fillmore East“ der „Allman Brothers Band“ oder „Live At Leeds“ von „The Who“ als Konzeptalben ansehen: Denn natürlich möchte man die Stücke auf dem Tonträger so angeordnet haben, wie sie im Konzert erklangen. Das Konzept des Konzerts sollte 1:1 auf dem Tonträger wiedergegeben werden.

Die meisten erwähnten Beispiele bestehen zwar nach wie vor aus einzelnen Songs. Diese gehen jedoch auf den Alben oftmals ineinander über, und sollten auf jeden Fall in einer bestimmten, von den Künstlern beabsichtigten Reihenfolge angehört werden. Und nun kommt das digitale Internet…

Abgesehen davon, dass es Unsinn ist, einzelne Songs aus Konzeptalben herunterzuladen, fehlt mir noch etwas anderes dabei. Konzeptalben waren eine Art Gesamtkunstwerk. Die Cover wurden aufwendig gestaltet, oft gab es „Beilagen“ wie Fotos oder Plakate. Davon ist schon einiges durch die CD verlorengegangen. Diese ist zwar von der Qualität und von der Spieldauer her der LP überlegen. Aber „Booklets“ können nunmal keine Plattencover (mit Reißverschluss bei den Rolling Stones oder mit Drehscheibe bei Led Zeppelin) ersetzen. Zum Glück gibt es inzwischen zahlreiche „Luxuseditionen“, die sich nicht an das Standardformat einer CD-Hülle halten.

Ja, selbstverständlich kann man das meiste davon auch digitalisieren (den funktionierenden Reißverschluss wohl kaum), und über Internet versenden. Warum aber reicht es vielen Menschen nicht, sich eine (digitale) Kopie von Leonardos Mona Lisa anzusehen? Warum wollen sie unbedingt in den Pariser Louvre, um das Original zu betrachten?

Weil digitalisierte Kunst bzw. Musik niemals die gleichen Sinneserfahrungen bieten wird wie die Originale. Das wäre der Unterschied zwischen einer Kopie und einer perfekten Kopie. Wer jemals eines der erwähnten Konzeptalben in seinen Händen hielt und aufklappte, wird verstehen, was ich meine…

Popmusik wird immer trauriger?

Popmusik wird immer trauriger: Wissenschaftliche Studie der FU Berlin – SPIEGEL ONLINE.
Wenn die Popmusik seit den 80ern immer „trauriger“ geworden ist, dann liegt das meiner Ansicht nach auch an der Globalisierung in der Musik.

Lange Zeit herrschte bei uns neben dem deutschen Schlager (und einigen wenigen „Liedermachern“) die anglo-amerikanische Rock- und Popmusik. Welche Musik in anderen Ländern auf unserem Planeten gehört wird, interessierte nur eine verschwindende Minderheit. Sicherlich gab es Moden wie den brasilianischen Bossanova, den argentinischen Tango, oder gar indische Ragas. Aber Ravi Shankar wirkte in Monterey Ende der 60er doch noch sehr exotisch. Vermutlich sorgte der überdurchschnittliche Drogenkonsum auf dem Festival für die Erträglichkeit und Akzeptanz derartiger Musik.

Doch in den 80ern sollte sich alles ändern. Der Meilenstein – da sind sich die meisten einig – war das Album „Graceland“ von Paul Simon. Auf diesem musizierte er mit Musikern wie „Ladysmith Black Mambazo“ aus Südafrika, und ließ sich auch von deren Musik inspirieren. Und auf einmal fingen sie alle an: Kate Bush sang mit dem Trio Bulgarka, Neneh Cherry rockte mit Youssou N’Dour, und vor allem Peter Gabriel versuchte ganz viele Musiker aus fernen Ländern zu entdecken, und gründete zu diesem Zweck sogar ein eigenes Label namens „Realworld„.

Und spätestens heute, in Zeiten des Internets, ist es völlig normal, über Ländergrenzen und Kontinente hinweg gemeinsam zu musizieren. Daher stecken in der heutigen europäischen Popmusik Einflüsse aus Südafrika, dem Senegal, aus Indien und Pakistan, aus Japan, und speziell in Deutschland auch aus der Türkei und arabischen Ländern.

Nun sind Dur und moll aber europäische Erfindungen. Das „Wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach besteht zu gleichen Teilen aus Dur- und moll-Stücken, da es quasi zu Demonstrationszwecken komponiert wurde. Andere Völker haben völlig andere tonale Systeme. Und sie haben auch ein anderes Verständnis der Tonarten. Man höre nur einmal russische oder Klezmermusik: Die klingt in unseren mitteleuropäischen Ohren meistens traurig, weil sie unserem moll entspricht. Dabei werden diese Lieder auch auf fröhlichen Festen gespielt!

Die indischen Tonleitern mit ihren Vierteltönen oder auch die chinesischen lassen sich überhaupt nicht 1:1 in unsere musikalischen Systeme übertragen. Damit es sich aber international verkaufen lässt, wird die Tonalität dem Dur-moll-System angeglichen. So klingt es noch ein wenig exotisch, aber doch so harmonisch, dass sich europäische Ohren damit anfreunden können.

Wir haben heute in der Popmusik einfach mehr Auswahl, weil sich die musikalischen Grenzen geöffnet haben. Dur und moll werden nach wie vor im Musikunterricht gelehrt, doch wird uns immer deutlicher, dass weder die „westliche“ Klassik, noch die „westliche“ Popmusik das Mass der musikalischen Dinge ist. Überall auf dem Planeten wurde und wird hervorragende und interessante Musik gemacht. Wir müssen nur versuchen, uns ein wenig von unseren Hörgewohnheiten zu lösen, um eine neue Vielfalt entdecken und genießen zu können!

Die schönste Melodie der Welt

Ok, das ist natürlich Geschmackssache, und selbst mein Geschmack ändert sich immer wieder. Doch zur Zeit ist die Titelmusik aus Das wandelnde Schloss, geschrieben von Joe Hisaishi, mein persönlicher Ohrwurm, in den ich mich verliebt habe. Eine traumhafte Melodie über einem schwingenden Walzer, die zum Mitsummen animiert, und sich dabei tief ins Gedächtnis eingräbt.

Entdeckt habe ich diese Musik im Film, als dieser in einer ganzen Reihe über Hayao Miyazaki auf (meinem Lieblingssender) arte lief. Inzwischen besitze ich natürlich auch die DVD zu diesem fantastischen Film. Normalerweise fällt gute Filmmusik nicht weiter auf, sondern untermalt die Bilder dezent. Aber wenn der hübsche Zauberer Hauro die junge Sophie anhebt, und mit ihr über die Dächer eines Fachwerkstädtchens schwebt, dann ist das zu der Filmmusik wie ein wunderbarer Tanz.

Vor einiger Zeit habe ich die Melodie zufällig beim Klassikradio gehört. Jedoch der Grund, weshalb ich mich veranlasst sehe, einen neuen Blogeintrag zu schreiben, ist ein anderer. Während ich gerade ein wenig HaxBall spiele, lausche ich nebenbei meinem Radio bei last.fm. Und plötzlich erkenne ich die besagte Melodie wieder, erstaune jedoch, als ich während des Spielens auf meinen Zweitmonitor schiele, um die Musiker zu identifizieren.

Es handelte sich nämlich um alte musikalische Bekannte aus Finnland, die ich niemals mit einem japanischen Zeichentrickfilm in Verbindung gebracht hätte: Sväng. Allerdings heißt der Titel bei denen Liikkuva linna, welches wohl der finnische Name des Films ist. Da schießt mir durch den Kopf, dass ich ja zwei CDs von dem Mundharmonikaquartett habe, und diese Musik darauf sein könnte. Und richtig: Am Ende der zweiten CD Jarruta entdecke ich Liikkuva linna.

So besitze ich also eines meiner Lieblingslieder, interpretiert von einer meiner Lieblingsgruppen, ohne dass ich das vor einer Stunde geahnt habe. Das dürfte daran gelegen haben, dass ich den Film – und damit die Filmmusik – erst später kennenlernte, nachdem ich die CDs bereits besaß. Und offensichtlich gefielen mir auch die anderen Stücke von Sväng so gut, dass mir Liikkuva linna nicht weiter auffiel.

Nun werde ich mir die Version von Sväng noch ein paarmal anhören, bevor ich ins Bett gehen und davon träumen werde…

Ich bin ein Fragmentarier

„Dieser Mann wird nichts zustande bringen, weil er zuerst an das Ende der Arbeiten denkt, bevor er sie überhaupt begonnen hat.“

Das könnte auch über mich gesagt worden sein. Jedoch sagte dieses Papst Leo X. über Leonardo da Vinci.

Im Vergleich zu Leonardo bin ich nur leider kein Genie. Nur vermutlich ebenso sorgfältig, pedantisch und perfektionistisch. Und so vielseitig interessiert:

Auch von Leonardo selbst wissen wir, dass er in seiner Vielseitigkeit manchmal ein Problem sah. „Ganz wie ein Königreich in sein Verderben läuft, wenn es sich teilt“, schrieb er, „so verwirrt und schwächt sich der Geist, der sich mit zu vielen Themen beschäftigt.“ Doch solche gelegentlichen Bedenken stellte er mit gutem Grund wieder zurück. „Durch verworrene und unbestimmte Dinge“, hatte er erkannt, „wird nämlich der Geist zu neuen Erfindungen wach.“ Angesichts von Leonardos umfassenden Interessen und Forschungen hat Karl Jaspers ihn in positivem Sinn einen „Fragmentarier“ genannt.

Leonardo da Vinci, der immer mehr vom Künstler zum Wissenschaftler wurde, hatte verstanden, dass Versuch und Irrtum den Weg markieren, der das Ziel ist.

Ich bezweifele allerdings, daß es ihm gefallen würde, daß sich die Menschen nach seinem Tode vor allem an die Mona Lisa erinnnern, jedoch kaum an seine Leistung als Wissenschaftler.

Sonderlinge wie ihn muß ich aber einfach mögen. Zumal mir dieser Italiener auch noch etwas wesensverwandt zu sein schien. Leonardo da Vinci steht für mich in einer Reihe mit exzentrischen Persönlichkeiten wie Oscar Wilde und Alan Turing.

Luftgitarren-WM in Finnland

Luftgitarren-WM in Finnland: 60 Sekunden Macho – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Reise.

Am Rande unserer EU existiert ein putziges Land, daß vor allem für Sauna, eine merkwürdige Sprache und überlange Winterdepressionen bekannt ist. Als wäre das nicht schon skurril genug, möchte ich den oben verlinkten Artikel als Anlaß nehmen, auf weitere interessante Merkwürdigkeiten am Polarkreis hinzuweisen. Diese sind vermutlich damals der britischen Komikertruppe Monty Python entgangen, als sie ein Lied über Finnland schrieben, welches das Land als Ausgeburt von Normalität und Langeweile beschrieb.

  • Von der Handyweitwurfweltmeisterschaft in Savonlinna dürften die Briten damals allerdings noch nicht gewußt haben. Auch wenn der Artikel in der Wikipedia suggeriert, der Handyweitwurf wäre in Deutschland erfunden worden, so entgeht dem aufmerksamen Leser nicht, daß bereits ein Jahr zuvor im Nokia-Land zum ersten Mal die Weltmeisterschaft stattfand.
  • Daß die Saunaweltmeisterschaften ebenfalls in Finnland stattfinden, verwundert erst einmal nicht, gehört doch die Sauna zur finnischen Kultur wie das Auto zur deutschen. Doch daß überhaupt jemand auf die Idee kommt, solange wie möglich bei über 100°C zu verweilen, ist vermutlich ebenfalls der finnischen Mentalität geschuldet.
  • Kurioser ist dagegen die Weltmeisterschaft, die in Sonkajärvi stattfindet: Dabei geht es darum, daß Mann seine Frau über eine Strecke von ca. 250m durch einen Hindernisparcours trägt. Wer absetzen muß, bekommt Punktabzug…
  • Humppa ist ziemlich genau das, wonach es klingt: Stimmungsmusik. Allerdings wurde diese inzwischen etwas „modernisiert„.
  • Musikalisch ernstzunehmen ist dagegen der finnische Tango. Der Witz dabei ist nur, daß man diese heißblütige Musik normalerweise nur mit Argentinien verbindet, aber nicht mit einem der nördlichsten und dunkelsten Länder der Welt.
  • Überhaupt: Finnische Musik ist ein Thema für sich, scheint sich dieses Volk doch irgendwie nicht richtig ernstzunehmen. So erinnert man sich an Lordi, die recht überraschend einen bekannten, europäischen Musikwettbewerb gewannen. Aber wer kennt schon „Naurava kulkuri“ von Vesku Loiri? Ok, das deutsche Original sang Fred Bertelmann. Aber die finnische Version sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.
  • Ähnliches bieten die relativ bekannten „Leningrad Cowboys„, womit ich bei Aki Kaurismäki angelangt bin. Man schaue sich nur mal seine Filme wie „Leningrad Cowboys Go America“ oder „Der Mann ohne Vergangenheit“ an (die auch durch außergewöhnliche Musik glänzen). Je mehr man über die Finnen erfährt, desto mehr wundert man sich.
  • Nicht zu vergessen der finnische Computerexperte, der sich statt einer Fingerprothese einen USB-Stick implantieren ließ.

Fazit: Wenn man schon am Rand der Welt liegt, und international eher nichts zu sagen hat, dann macht man wenigstens mit skurrilen Weltmeisterschaften und witziger Musik auf sich aufmerksam. Finnland hat bestimmt noch mehr zu bieten, aber ist das auch interessanter? 😉

Optimum

Gestern schrieb ich über einen Artikel aus der Aprilausgabe von Gehirn & Geist. Darin war zu lesen, daß die ideale Tätigkeit jene ist, die einen auf Dauer weder über- noch unterfordert, weil sie den eigenen Fähigkeiten optimal entspricht. Das halte ich allerdings schon seit vielen Jahren für ein universelles Prinzip. Schon früh habe ich es zum Beipiel in der Musik entdeckt.

Was macht einen Hit oder Ohrwurm aus? So, wie der passende Job von demjenigen abhängt, der ihn macht, so hängt auch der Hit insbesondere vom musikalischen Erfahrungshorizont des Hörers ab. Denn der ideale Hit ist die perfekte Mischung aus Vertrautem und Neuem.

Neues ist – auch in der Musik – einerseits reizvoll. Aber wenn man zuviel davon auf einmal zu hören bekommt (man erinnere sich z.B. an die Zwölftonmusik), dann wirkt die Musik befremdend und anstrengend. Vertrautes hat demgegenüber den Vorteil, daß man sogleich mitsummen kann. Jedoch führt ausschließlich Vertrautes bei vielen Menschen auch zur Langeweile. Von Vorteil ist das nur dort, wo die Musik keine Aufmerksamkeit erregen und nicht ablenken, aber auf die Stimmung wirken soll. Das klassische Beispiel hierfür ist die sogenannte Fahrstuhlmusik, früher auch als Muzak bekannt.

Coverversionen, also Neuinterpretationen bekannter Stücke, sind daher potentielle Hits. Oftmals einfallslos gemacht, bieten sie dennoch eine gute Mischung aus Vertrautheit und neuen Reizen. Gute Coverversionen, die selten sind, können sogar die Popularität der Originale erreichen oder übertreffen. Schlimmstenfalls kennt kaum noch jemand das Original.

Einfallslos fand ich z.B. die bekannte Coverversion von Tom’s Diner, im Original von Suzanne Vega. Ich weiß nicht einmal mehr, wer die bescheuerte Idee hatte, einfach das an sich reizvolle A-Capella-Stück zu nehmen, und unter Suzanne Vegas Stimme einen zwar rhythmischen, aber meiner Ansicht nach überflüssigen Beat zu legen.

Einfallslos sind auch viele Übersetzungen ins Deutsche, wenn sich nämlich deutsche bzw. deutschsprachige Schlagerstars internationale Hits vornehmen. Vermutlich ist vielen nicht einmal mehr bekannt, daß Karel Gott auch mal einen Hit der Rolling Stones auf deutsch sang (Paint it black). Doch die meisten kennen noch Rudi Carrells amüsanten Hit Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?. Aber wer weiß noch, daß das Original City of New Orleans hieß, von Steve Goodman geschrieben und aufgenommen wurde, jedoch erst durch Arlo Guthries Coverversion richtig bekannt wurde?

Manche Coverversionen sind auch einfach witzig, ohne sich über das Original lustig zu machen. So zum Beispiel dann, wenn Señor Coconut alten Songs von Kraftwerk das Elektronische nimmt, und sie stattdessen mit karibischen Rhythmen unterlegt.

Handwerklich (oder besser mundwerklich?) gut gemacht sind auch manche A-Capella-Versionen. Bewundernswert klingt Frank Zappas Musik aus den Kehlen der hannoverschen Band MayBeBop. Und Six Pack aus Bayreuth (nicht zu verwechseln mit der Coverband Sixpäck aus Wattenscheid) betten ihre hervorragenden Interpretationen von Edith Piaf bis Prince auch noch in eine unterhaltsame Bühnenshow ein. Nicht zu vergessen das völlig neue Hörerlebnis bei Bachinterpretationen der Swingle Singers.

All diese Musik ist reizvoll, weil die Musik als solche bekannt und vertraut ist – im Prinzip kann jeder sofort mitsingen oder zumindest -summen. Aber gleichzeitig ist man gespannt auf Abweichungen oder Variationen des Originals. Wer Stücke immer nur originalgetreu kopiert, wird auf Dauer keinen Erfolg haben, weil sich die Leute dann doch lieber gleich das Original antun.

Vermutlich finden U2 es sogar wichtig, daß man sie auch nach zwanzig Jahren an ihrer Musik sofort erkennt. Aber ungleich größeren Erfolg hatten z.B. die Beatles, die sich nach ihrer anfänglichen Beatphase ständig wandelten, und sich damit sozusagen immer wieder neu interpretierten. Zum Glück trennten sie sich, bevor sie wie später Genesis oder Pink Floyd in eine Art musikalische Zeitschleife gerieten.

Wie produziert man denn nun einen Hit? Indem man etwas Vertrautes neu verpackt. Das erfordert Kreativität und Geschick. Und man kann es nicht einfach nach demselben Schema ständig wiederholen, da dieses nach einiger Zeit ja vertraut sein wird. Schon die alten Römer meinten variatio delectat, und dachten dabei wahrscheinlich noch nicht an Italo-Pop.