Kategorie: Politik

Umschulung zum Erzieher für Männer

Hohlspiegel: Umschulung zum Erzieher – für Männer wohlgemerkt – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama.

Gut, ich habe mich auch darüber amüsiert. Aber ich habe keine Idee, wie man es besser hätte formulieren sollen. Daher bin ich auf Eure Vorschläge gespannt…

Wer ist eigentlich Sascha Lobo?

Internet: „Sie werden wieder überheblich“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt.

Über Ilse Aigner will ich an dieser Stelle nicht viele Worte verlieren. Im Gegensatz zu einer ihrer (grünen) Vorgängerinnen schützt sie mehr die Bauern als die Verbraucher.

Aber wer ist eigentlich dieser Sascha Lobo? Wieso lädt der SPIEGEL ausgerechnet ihn zu einem Streitgespräch mit Ilse Aigner ein?

Laut SPIEGEL ist er „prominent“ und „Deutschlands König bei Twitter“. Und weshalb ist er prominent? Doch wohl nur wegen seiner auffälligen Frisur. Denn seine Werbeagentur war offensichtlich nicht besonders erfolgreich.

Dieser Meister der Selbstvermarktung kann trotzdem nicht über seine Durchschnittlichkeit hinwegtäuschen. So spricht er in dem Interview von „zehn Jahren Internet“. Herr Lobo, wo waren Sie denn vor fünfzehn Jahren, als das Internet in Deutschland Fahrt aufnahm? Dass ausgerechnet Sie sich nun mit Frau Aigner streiten dürfen, liegt vermutlich nur am farblichen Kontrast.

Liebe SPIEGEL-Redakteure, wenn Ihr nächstes Mal jemanden sucht, der sich mit dem Internet auskennt, Euch aber meine Frisur zu gewöhnlich und die Zahl meiner Follower bei Twitter zu gering ist, dann nehmt doch bitte wenigstens jemanden wie z.B. Markus Beckedahl oder Julia Seeliger, die auch wirklich etwas zu sagen haben.

Aus aktuellem Anlaß: Homöopathie reloaded

Nachdem der SPIEGEL es in Heft 28/2010 auf der Titelseite plaziert hat, und sowohl Antje Schrupp als auch mein Parteifreund Till Westermayer etwas dazu gebloggt haben, muß ich das Thema doch nochmal aufgreifen – obwohl eigentlich dazu bereits alles irgendwo gesagt oder geschrieben wurde. Denn ich lese alle drei gerne, bin aber in diesem Fall etwas anderer Ansicht als Antje und Till.

Die Parallelen zu einer Diskussionen zwischen Gottesgläubigen und Atheisten sind frappierend. Ein Gott läßt sich ebensowenig beweisen wie die Homöopathie an sich. Aber niemand bestreitet, daß in beiden Fällen vor allem der Glaube eine heilsame Wirkung zeigen kann. Wenn Gebete oder Zuckerpillen nicht wirken, dann liegt es an der mangelnden Glaubensstärke. Religion hat jedoch im Gegensatz zur Homöopathie unerwünschte Nebenwirkungen.

Etwas, was aber nur dann Auswirkungen auf mich hat, wenn ich daran glaube, interessiert mich wenig. Dann könnte ich genauso z.B. an das Fliegende Spaghettimonster glauben, wenn mir danach wäre. Wenn Gott oder Globuli an sich eine nachweisbare Wirkung hätten: Wieso weist die dann niemand nach? Wenn aber nicht nachweisbar ist, daß genau jenes Auswirkungen auf mich hat, dann hat es keine Auswirkungen. Leider neigt der Mensch dazu, gerade Effekte, die er sich nicht erklären kann, mit „Gewalt“ in sein Weltbild einzuordnen. Somit wird dann eine Heilung schon mal auf ein Gebet oder ein paar Zuckerkügelchen zurückgeführt.

Und Antje, es ist die Kirche, nicht die Wissenschaft, die meint, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben (und einige Homöopathen offensichtlich auch). Die Wissenschaft lebt ganz im Gegenteil davon, die Welt und die eigenen Erklärungen immer wieder infragezustellen. Und sie hat, wie Du zu recht bemerkt hast, nicht viel mit dem zu tun, was in der Gesellschaft über sie verbreitet wird. Gerade Skeptizismus ist per definitionem kein abgeschlossenes Weltbild. Nur Gläubige leben in ständiger Angst, daß ihr Weltbild zusammenstürzen könnte. Deswegen versuchen sie es auch dann zusammenzuhalten, wenn es bessere Erklärungen geben sollte.

Man kann zwar nicht die Nichtexistenz eines Gottes beweisen, jedoch ist es inzwischen zweifelsfrei nachgewiesen, daß die Wirkung der Homöopathie nicht über die eines Placebos hinausgeht. Was ja auch nicht verwunderlich ist, wenn man weiß, daß Placebos meistens auch Zuckerkügelchen sind, während jene homöopathischen in hoher Potenzierung nachweislich kein einiziges Molekül des „Wirkstoffs“ enthalten.

Ich bin daher dafür, daß auch meine Krankenkasse, welche diese Fakten gegenüber den Patienten natürlich verschweigt, für homöopathische Behandlung keinen Cent mehr ausgibt. Das eingesparte Geld sollte stattdessen dafür verwendet werden, daß sich Ärzte mehr Zeit für ihre Patienten nehmen können. Laut SPIEGEL werden Beratungen bei Homöopathen besser honoriert als gewöhnliche ärztliche Beratungen. Kein Wunder, daß immer mehr Ärzte eine homöopathische Zusatzausbildung machen – auch wenn sie selbst nicht an den Unsinn glauben, den Samuel Hahnemann verzapft hat.

Nein, Homöopathie sollte ebensowenig wie Religion verboten werden. Wer sich die heutige Welt gerne mit einer zweitausendjährigen Ideologie oder den medizinischen Ideen des 19. Jh. (als noch nicht einmal Viren und Bakterien als Krankheitserreger bekannt waren!) erklären möchte, der soll das tun. Nur bitte erstens nicht auf Kosten der Allgemeinheit. Und laßt zweitens bloß die Kinder in Ruhe! Von mir aus gebt ihnen Zuckerkügelchen oder pustet, wenn sie sich wehtun. Aber tischt ihnen keine esoterischen Erklärungsversuche auf, sondern erklärt ihnen, wenn sie ein wenig älter sind, den Placeboeffekt.

Noch eine letzte Parallele: An der Spitze der Homöopathie thront der männliche „Papst“ Hahnemann, während die Gläubigen – wie z.B. auch in der röm.-kath. Kirche – überwiegend weiblichen Geschlechts sind. Kann es sein, daß die Homöopathie sich nur unmerklich von einer Religion unterscheidet?


Nachruf auf die Piratenpartei

In weiser Voraussicht haben sich die Piraten auf ihrem Bundesparteitag in Bingen gar nicht mehr um Inhalte oder gar um ein Programm bemüht, welches über die üblichen Kernthemen „Computer“, „Internet“, „Copyright“, „Datenschutz“ und „Bürgerrechte“ hinausgehen würde. Es lohnt nicht mehr, sich damit noch zu befassen, und dadurch den Zerfall sogar noch zu beschleunigen.

So scheinen unter „Frauenfrage“ die Nerds in der Partei wohl vor allem das Problem zu verstehen, eine Frau abzubekommen. Das augenfällige Mißverhältnis in der Partei hingegen, wie auch die Geschlechterbenachteiligung außerhalb, also in unserer Gesellschaft, werden einfach hinweggewischt: Bei den Piraten gäbe es keine Männer oder Frauen – sondern ausschließlich Piraten.

Das hat zwar – für die Piraten – den Vorteil, daß sie die Probleme nicht mehr sehen, und sich damit nicht mehr befassen müssen. Doch gelöst wird dadurch gar nichts. Aber auch das schien bei den Piraten niemanden zu interessieren. Das sind halt Probleme der Anderen, die sich jene selbst machen. Zumindest sind die Piraten so ehrlich, darauf hinzuweisen, daß sie von Themen außerhalb ihrer Kernkompetenzen auch gar keine Ahnung haben. Aber unter Politik verstehe ich nicht, sich nur um die Probleme der eigenen Parteimitglieder zu kümmern.

Es ist auch keine Politik, einfach zu behaupten, wenn alle so denken würden wie wir – und nicht zwischen Mann und Frau, zwischen arm und reich, oder zwischen Taliban und katholischen Priestern differenzieren würden – hätten wir auch keine Probleme. Politik zeichnet sich eben auch gerade dadurch aus, wie man mit Andersartigen und Andersdenkenden umgeht.

Der Ausflug in die Welt der „großen“ Parteien mußte also scheitern. Wir wissen nun, daß es bis zu zwei Prozent Nerds in Deutschland gibt. Daß Ihr jedoch weder die Frauen, noch die Arbeiter oder die Rentner mit Eurem „Nichtprogramm“ als Wähler würdet gewinnen können, war Euch doch eigentlich klar, oder?

Andererseits: Die Piraten haben ihr wichtigstes Ziel erreicht. Die „etablierten“ Parteien wurden auf die Wichtigkeit der Netzpolitik hingewiesen, und dadurch hat sich die Piratenpartei selbst überflüssig gemacht. Dafür bin ich ihnen auch persönlich dankbar. Waren wir doch früher bei den GRÜNEN nur wenige, die den Anderen diese Themen näherbringen wollten. Im Programm haben wir sie schon lange drin. Nur wurden sie von den meisten GRÜNEN als „Nebensache“ erachtet, die nur wenige Leute interessiert.

Aber neben den aktuellen Datenskandalen waren es vor allem die Piraten, deren Wahlerfolge meine Parteifreunde aufschreckte. Stammte doch ein Teil der bis zu zwei Prozent Piratenwähler aus unserer Stammwählerschaft. Spätestens seit der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, bei der uns ein einziger zusätzlicher Parlamentssitz für eine rot-grüne Regierungsmehrheit gereicht hätte, bedauern viele, daß die Themen der Piraten von den GRÜNEN bislang nicht ernster genommen wurden.

Alle Piraten, die sich nicht nur als Protestbewegung verstehen, sondern wirkliche Politik machen und in Parlamenten etwas bewegen möchten, fordere ich auf, die GRÜNEN hinsichtlich der Netzpolitik zu unterstützen. Unsere Ziele sind weitgehend dieselben. Nur Euer alternativer Weg dorthin stellt sich gerade als Sackgasse heraus. Keine Angst, Ihr müßt Euch nicht mit Frauen-, Wirtschafts-, Renten- oder Verteidigungspolitik beschäftigen. Dafür haben wir – im Gegensatz zu den Piraten – Experten in der Partei. Und sogar bereits ein komplettes und meiner Ansicht nach zukunftsträchtiges Parteiprogramm. Aber ein paar Experten für Netzpolitik könnten wir schon noch gebrauchen, um dieses Programm auch umzusetzen.

Scientology sollte als Kirche anerkannt werden

Eine der wenigen Aussagen von Scientologen, mit der ich übereinstimme, ist: „Scientology ist eine Kirche wie alle anderen auch.“ Ich kann, auch wenn katholische Bischöfe jetzt panisch aufschreien werden, keinen wesentlichen Unterschied erkennen, der es rechtfertigen würde, Scientology in Deutschland den offiziellen Status einer Kirche zu verweigern.

Aber freut Euch nicht zu früh über meine Zustimmung. Denn gleichzeitig bin ich entschieden dafür, allen Kirchen sämtliche Sonderrechte zu entziehen. Dazu gehören in Deutschland unter anderem der Einzug der Kirchensteuer (und damit die Bezahlung von Kirchenbediensteten) durch den Staat, das Recht auf Religionsunterricht an staatlichen Schulen, das Recht zur Diskriminierung von Arbeitnehmern aufgrund ihrer (fehlenden) Religionszugehörigkeit, und aus aktuellem Anlaß auch das Recht zu bestimmen, wie wir unsere Feiertage verbringen.

A propos Feiertage: Morgen ist ja nun mal wieder Karfreitag, der Tag, an dem wir alle (egal ob Christen, Moslems, Scientologen oder Atheisten) traurig darüber sein sollen, daß vor ca. zweitausend Jahren ein Wanderprediger aus Nazareth von den Römern ans Kreuz genagelt wurde. Meine Mutter stand mir viel näher als jener Jesus. Doch käme ich nie auf den Gedanken, anderen Menschen, die meine Mutter nicht einmal kannten, an ihrem Todestag das Feiern verbieten zu wollen.

Und hört mir bitte auf mit diesen „religiösen Gefühlen“, die immer nur dann hervorgekramt werden, wenn sie angeblich verletzt werden. Dieser Ausdruck ist doch nur eine Ausrede, die herhalten muß, wenn Kritik an dem geäußert wird, an das man fest glaubt. Liebe Katholiken, regt Euch doch bitte über die kirchlichen Kinderschänder ebenso sehr auf wie über das aktuelle Titelbild der Titanic. Aber merkwürdigerweise scheinen Priester, die sich an Kindern vergehen, keine „religiösen Gefühle“ zu verletzen.

Der Versuch, Jesus und seine Lehren zu stoppen, ist den Römern leider mißlungen, da irgendwelche Spinner einfach behaupteten, jener sei wieder lebendig geworden. Und noch mehr Spinner glauben auch noch zweitausend Jahre später daran! Wir gedenken jedoch am 20. Juli des Attentats auf Hitler, auch wenn Herr von Stauffenberg leider ebenso erfolglos blieb wie Pontius Pilatus.

Laßt uns also am Karfreitag der mißglückten Kreuzigung gedenken, vielleicht für ein Viertelstündchen am Vormittag. Und den Rest des Tages feiern wir, daß sich die verqueren Moralvorstellungen der katholischen Kirche zwar verbreitet, jedoch nie richtig durchgesetzt haben. Und daß sich deswegen trotz Herren wie Ratzinger oder Mixa z.B. Ricky Martin oder James Randi zu ihren angeblich so perversen sexuellen Neigungen bekennen dürfen.

Vielleicht treffen wir uns ja irgendwo im Internet bei einer virtuellen Feier? 😉

Wie man die steigenden Gesundheitskosten senken könnte

Ich habe ein ganz einfache Idee, die aber gegen die Pharmalobby nicht durchzusetzen sein wird. Insbesondere nicht gegen die alternative Pharmalobby, die ihr Geld unter anderem mit homöopathischen Produkten und Bach-Blütenessenzen verdient.

Wenn Sie ein Elektrogerät kaufen, und es funktioniert nicht wie vorgesehen, oder wenn Sie Lebensmittel erworben haben, die bereits vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum Schimmel angesetzt haben, dann können Sie das Produkt umtauschen, also gegen ein anderes ersetzen lassen, oder Sie bekommen Ihr Geld zurück. Warum gibt es das nicht auch bei Medikamenten und Therapien?

Das System sollte ungefähr folgendermaßen umgestellt werden: Der Arzt verschreibt dem Patienten wie gewohnt Medikamente, die dieser dann bei einer Apotheke abholt. Nur sollte der Patient vorerst die vollen Kosten selbst tragen (Erklärung folgt weiter unten). Dann nimmt er die Medikamente nach Vorschrift ein, und läßt sich nach einiger Zeit von seinem Arzt bescheinigen, ob eine Wirkung eingetreten ist oder nicht.

Sollte keine Wirkung eingetreten sein, bekommt der Patient gegen Vorlage der Bescheinigung und der restlichen Medikamente sein Geld von der Apotheke zurück. Bei erfolgreicher Einnahme dagegen legt der Patient die Bescheinigung seiner Krankenkasse vor, die ihm daraufhin den vollen Betrag erstattet, den er ausgelegt hatte.

Dieses würde verhindern, daß Geld für wirkungslose Medikamente zum Fenster rausgeschmissen wird. Die von der Pharmaindustrie nahezu willkürlich festgelegten Preise für die Medikamente würden je nach Wirksamkeit fallen oder steigen, wenn die Apotheken wirkungslose Medikamente nicht mehr verkaufen könnten.

Warum aber sollte der Patient seine Medikamente zuerst einmal selbst bezahlen? Wäre es nicht einfacher, wenn er das Medikament vorerst kostenlos bekäme, und die Apotheke das Geld nur im Erfolgsfall von der Krankenkasse bekäme? Es wäre einfacher, aber nicht so wirkungsvoll…

Altbekannt ist die Konsumenteneinstellung „was umsonst ist, kann nichts taugen“. Neuer sind Forschungsergebnisse, die eine Placebowirkung von Medikamenten in Abhängigkeit vom Preis feststellten. Es ist tatsächlich so, daß Medikamente umso besser wirken, je mehr der Patient dafür bezahlen muß. Um diesen durchaus positiven Effekt nicht zu verhindern, sollte der Kaufpreis vorerst vom Patienten ausgelegt werden.

Es bleibt vor allem das Problem der Bescheinigungen. Die Ärzte beurteilen auch jetzt schon die Wirksamkeit von Medikamenten. Nur läuft es bislang so, daß der Arzt einfach ein weiteres Medikament verschreibt, wenn das zuerst verschriebene nicht die erhoffte Wirkung zeigte. Und das Geld fürs jenes unwirksame Medikament ist für die Krankenkassen verloren.

Eine Beurteilung durch einen qualifizierten Mediziner halte ich jedoch für notwendig, da ansonsten Krankenkassen z.B. überteuerte homöopathische Kügelchen aus Zucker und Wasser bezahlen müßten, nur weil der Patient sich inzwischen besser fühlt. Das ist gut für den Patienten, doch kann er in den seltensten Fällen selbst beurteilen, ob diese Besserung aufgrund der Einnahme bestimmter Medikamente eintrat, oder aus anderen Gründen.

Dem gesundeten Patienten kann es aber egal sein, ob ihm sein Arzt bescheinigt, daß das Medikament keine Wirkung hatte. Denn mit der Geld-zurück-Garantie bekäme er sein Geld so oder so wieder – entweder von der Apotheke oder von seiner Krankenkasse.

Liberale in der Krise: FDP rasselt in Umfragetief – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

Liberale in der Krise: FDP rasselt in Umfragetief – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik.

Der Liberalen-Chef hatte zuletzt erklärt, die Mehrheit der Bürger stehe in der Diskussion hinter ihm. Man solle „die Meinung mancher Kommentatoren nicht verwechseln mit der Meinung unseres Volkes.“ Die meisten Menschen fänden es unerträglich, wenn jemand, der arbeitet, oft weniger hat, als wenn er nicht arbeiten würde.

Er schnallt es einfach nicht.

Die meisten Menschen mögen das zwar unerträglich finden, jedoch die wenigsten von ihnen wollen deswegen die Hartz-IV-Sätze weiter senken, sondern stattdessen lieber Mindestlöhne einführen.

Die meisten Menschen finden es auch unerträglich, wenn jemand, der harte körperliche Arbeit verrichtet, oft weniger hat, als z.B. ein Politiker oder ein Banker bekommt.

Und die meisten Menschen finden es vor allem unerträglich, wenn ein Politiker – mit einem unangemessen hohen Wahlergebnis im Rücken – erst ihre Erwartungen maßlos enttäuscht, und dann auch noch den Mund besonders vollnimmt.

Wen wundern da noch die aktuell schlechten Umfrageergebnisse für die „Mövenpick-Partei“?

Warum in die Ferne schweifen, ist der Talib doch so nah

Anti-Terror-Kampf in Afghanistan: Westerwelle kündigt Aussteigerprogramm für Taliban an – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik.

Es ist ein neuer Weg, den Guido Westerwelle und seine Kollegen planen: Wenige Tage vor der Afghanistan-Konferenz in London hat der deutsche Außenminister ein Aussteigerprogramm für Taliban-Kämpfer angekündigt. Viele Personen hätten sich nicht aus fanatischer Überzeugung den Extremisten angeschlossen, sondern aus wirtschaftlicher Not, sagte Westerwelle der „Bild am Sonntag“. Diesen Menschen und ihren Familien wolle die Regierung eine wirtschaftliche und soziale Perspektive bieten und dafür auch zusätzliches Geld in die Hand nehmen. „Darum wird es in London auch einen völlig neuen Ansatz zur Wiedereingliederung von Aufständischen in die Gesellschaft geben“, sagte der FDP-Chef.

Meine Erwiderung darauf an Guido Westerwelle (und auch an Ursula von der Leyen und Roland Koch):

Wie wäre es denn mit einem Aussteigerprogramm für Arbeitslose in Deutschland? Viele Personen haben sich nicht aus fanatischer Überzeugung den Hartz-IV-Empfängern angeschlossen, sondern aus wirtschaftlicher Not. Diesen Menschen und ihren Familien sollte die Regierung eine wirtschaftliche und soziale Perspektive bieten und dafür auch zusätzliches Geld in die Hand nehmen. Das wäre ein völlig neuer Ansatz zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in die Gesellschaft.

Ich habe nichts persönlich gegen die Taliban, auch wenn ich nicht behaupten kann, Freunde unter ihnen zu haben. Und vielleicht ist die Idee auch gar nicht schlecht. Doch haben Sie, Herr Westerwelle, sich nur einmal Gedanken darüber gemacht, was wohl ein Langzeitarbeitsloser denkt, der von der Arbeitsagentur schon lange keine Vermittlungsvorschläge mehr erhält und von Hartz IV leben muß, wenn er liest, daß in Afghanistan islamistischen Kalaschnikowträgern ein „Aussteigerprogramm“ mit (deutschen) Steuergeldern finanziert werden soll?

Fehlt nur noch, daß die Agentur für Arbeit Arbeitslose zu den Taliban vermittelt – denn dort wird ihnen ja demnächst eine „wirtschaftliche und soziale Perspektive“ geboten werden, wenn sie an dem Aussteigerprogramm teilnehmen werden.

Die entscheidende Frage ist doch: Wieso glauben Sie eigentlich, daß Sie am Hindukusch für Taliban schaffen können, was Ihnen nicht einmal in Hessen für Arbeitslose gelingt?

Hilferuf aus dem Maschinenraum

Wikipedia-Debatte: Hilferuf aus dem Maschinenraum – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Netzwelt.

Mit dem Problem, daß es an Menschen mangelt, die bereit sind, die Drecksarbeit zu machen, steht die Wikipedia nicht allein da. Das ist ein grundsätzliches Problem unserer Gesellschaft: Es gibt genug zu tun, aber niemand will dafür bezahlen.

Nicht nur bei der Wikipedia, auch im Bildungsbereich, an Schulen und Universitäten, im sozialen Bereich, z.B. in Kindergärten, Krankenhäusern oder Altenheimen – überall gibt es viel zu tun. Doch die Jobs gehören, sofern sie überhaupt vorhanden sind, zu denen, die am allerschlechtesten bezahlt werden. Stattdessen werden Milliarden zur Rettung von Banken, zum Erhalt der Automobilindustrie, und zur Subventionierung von Bergbau und Landwirtschaft ausgegeben.

Vielleicht entsteht das Problem der Wikipedia aber einfach nur auch aus der Freiwilligkeit heraus. Solange man nicht dafür bezahlt wird, macht man doch nur Dinge, die man a) gut beherrscht, und b) auch gerne macht. Und da ist es ganz natürlich, wenn Randthemen nicht dieselbe Aufmerksamkeit zukommt wie dem Mainstream der Popkultur.

Die Lösung könnte dieselbe wie bei der Müllabfuhr sein: Stellt ein paar Leute ein, und bezahlt sie anständig. Qualität ist nicht ohne entsprechende Investitionen zu haben. Aber das predige ich den Managern in der Softwareindustrie auch schon seit längerem. Doch die legen mehr Wert darauf, daß die Software pünktlich fertig ist. Der Zustand derselben ist ihnen dabei nicht so wichtig wie die Befriedigung des Kunden. (Daß sich Kunden hinterher über fehlerhafte Software ärgern, ist zweitrangig, wenn man den Kunden nur erstmal an sich gebunden hat…)

Ok, ich weiß natürlich, daß sich die Wikipedia so etwas nicht leisten kann. Aber umgekehrt kann eben auch nicht von Menschen, die ihre Freizeit opfern, erwartet werden, daß sie etwas anderes machen, als ihnen Spaß macht. Steuern ließe sich das nur mit Geld. Und da es an diesem mangelt, müssen wir uns damit abfinden, daß die Wikipedia überwiegend ein Werk von „Liebhabern“ und Enthusiasten ist, die sich nicht um jede Kleinigkeit kümmern können und wollen.

Die Wikipedia mag als Nachschlagewerk im wissenschaftlichen Sinne ungeeignet sein. Doch möchte ich keinesfalls auf sie verzichten. Denn in einer Hinsicht ist sie unschlagbar: Sie ist eine – von Menschen gepflegte – Linksammlung, die kaum Wünsche offenläßt. Zu beinahe jedem Thema findet sich dort ein Verweis auf Webseiten innerhalb oder außerhalb der Wikipedia, oder gar zu Fachliteratur!

Daher entspricht die Wikipedia meinem eigenen Motto: Man muß nicht alles im Kopf haben, aber es ist von Vorteil, wenn man weiß, wo man es schnell finden kann. Und dabei hilft mir heutzutage die Wikipedia. Ich mag gar nicht an meine Jugend vor dreißig Jahren zurückdenken. Wie oft blieben Fragen damals trotz Meyers Taschenlexikon in vierundzwanzig Bänden unbeantwortet?

Wem die Qualität der Wikipedia nicht ausreicht, der möge doch bitte durch seine großzügigen Spenden dafür sorgen, daß sich bezahlte Angestellte um die Pflege der Wikipedia kümmern.

Aus der Schweiz kommt nicht nur Käse

Das Verbot des Minarettbaus in der Schweiz ist nicht wirklich eine Einschränkung der Religionsausübung. Genauso wenig wie das Verbot von Kruzifixen in Klassenzimmern durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Aber es ist ungerecht, solche Vorschriften, die den Glauben dahin zurückdrängen, wo er hingehört – nämlich ins Private -, nur einzelnen Religionen angedeihen zu lassen. Wie kann man Minarette verbieten, ohne gleichzeitig auch Kirchtürme zu verbieten? Zumindest in Deutschland gilt, daß niemand aufgrund seiner Religionszugehörigkeit bevorzugt oder benachteiligt werden darf.

Aber die Angst vor dem islamistischen Terrorismus scheint vielen Leuten den Kopf zu vernebeln. Wieso wehren sie sich nicht auch gegen eine Institution, die nicht nur vor vielen Jahrhunderten Menschen mit Gewalt zum Glauben zwang, sondern auch noch im letzten Jahrhundert Hitlers Truppen den Segen gab, nach dem Krieg Kinder in Heimen mißhandeln ließ, und auch heute noch immer wieder wegen Kindesmißbrauch durch ihre „Würdenträger“ in die Schlagzeilen gerät? (Von den vielen kleinen Skandalen und Hetze gegen Andersdenkende mal ganz zu schweigen.) Die Antwort ist einfach: Weil diese Institution, welche als Römisch-Katholische Kirche bezeichnet wird, bei uns immer noch zuviel Macht hat.

Das Problem ist: Die Kirche hat viele Traditionen und Rituale an sich gerissen, von denen nun niemand mehr lassen mag. Nichts gegen Traditionen und Rituale, doch sollte man immer bereit sein, diese von Zeit zu Zeit auch zu hinterfragen. Das Argument „das habe ich schon als Kind gemacht, genauso wie meine Eltern und meine Großeltern“ hat zwar etwas heimelig Nostalgisches, verschleiert jedoch die Gefahren. Denn nicht alles, was unsere Großeltern gemacht haben, war gut. Und nicht alles, was wir als Kinder gemacht haben, ist auch noch für uns als Erwachsene sinnvoll.

Diese konservative Weltanschauung nach dem Motto „das haben wir schon immer so gemacht“ trägt dazu bei, daß sich uralte, ja teilweise mittelalterliche Denkweisen verfestigen, und Innovation und Kreativität die Tür verschlossen bleibt.

Liebe Schweizer, ich weiß, daß Ihr nicht in die EU kommen wollt. Aber die Zeiten haben sich geändert. Und wenn Ihr weiterhin Euren Sonderweg beschreiten wollt, dann wird es eines Tages zu spät sein. Denn dann wird man sich nicht nur bei der Türkei, sondern auch bei der Schweiz fragen müssen, ob dieses Land überhaupt schon in die EU paßt, die nicht nur für Demokratie, sondern auch für Menschenrechte stehen will.

Ergänzung nach einer Woche:

Ich kritisiere übrigens nicht die Entscheidung der Schweizer. Das steht mir nicht zu. Ich kritisiere, daß überhaupt über eine solche Frage abgestimmt wird. Die Frage selbst nämlich verstößt gegen die Gleichbehandlung aller Religionen. Und sie würde auch mich in ein Dilemma führen, ähnlich jenem, welches man bei der Frage „Schlagen Sie eigentlich immer noch ihre Frau?“ empfindet.

Meine Positon ist eindeutig: Ich möchte den Einfluß der Religionen in der Öffentlichkeit zurückdrängen. Das Ziel wäre also ein laizistischer Staat. Aber ich wüßte dennoch nicht, wie ich als Schweizer abgestimmt hätte. Denn ich bin nicht gegen Minarette an sich, würde aber schon gerne der Ausbreitung des Islam etwas entgegensetzen. Nur widerstrebt es mir, die Religionen unterschiedlich zu behandeln.

Ich glaube, es gäbe für mich nur einen Ausweg aus diesem Dilemma: Ich würde gegen Minarette stimmen, und gleichzeitig vor einem schweizer Gericht klagen, daß die Wahl mit einer anderen, menschenrechtlich unbedenklichen Fragestellung wiederholt wird, weil die Religionen gleichbehandelt werden müssen. Und ich hoffe, daß ein paar Schweizer auch auf diese Idee kommen werden. Denn sonst gilt weiterhin der letzte Absatz vor dieser Ergänzung…