Die Ursula

Wer surft so spät des Nachts durchs Web?
Das ist doch Gondlir, der alte Depp.
Zensursula, was hältst Du mir da vors Gesicht?
Siehst Gondlir, Du das Stoppschild nicht!

Dem Gondlir grauset’s, er hält’s kaum aus.
Er hält in den Händen die blinkende Maus,
Erreicht die Website mit Mühe und Not,
An seinem Modem die Leitung war tot.

(Danke für die Vorlage, Johann Wolfgang!)

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Dalai Lama: Mehr Frauen in die Chefetagen

Mehrheitlich folgen ihm Frauen, und er weiß genau, was diese hören möchten, wenn sie viel Geld ausgeben, um in seiner Nähe zu sein: Dalai Lama: Mehr Frauen in die Chefetagen – Management – FOCUS Online. Ich würde ihm allerdings erst dann glauben, wenn der nächste Dalai Lama weiblich sein sollte.

Interessant an dem Artikel finde ich, daß darin zuerst vom „geistigen Oberhaupt der Tibeter“ die Rede ist. Und zwei Sätze später ist er zum „geistlichen Oberhaupt“ geworden. Was denn nun?

Wie schön, daß wenigstens im aktuellen Stern mal ein paar kritische Bemerkungen zum autokratischen Gottkönig zu lesen sind. Wer gerne noch mehr über ihn erfahren möchte, dem empfehle ich die Webseite bzw. das Buch von Colin Goldner.

Und ich widme mich jetzt wieder meinem neuen Berufsziel: Geistiges Oberhaupt der Atheisten zu werden… 😉

„Deutschland-Plan“: Steinmeier verspricht vier Millionen neue Jobs

„Deutschland-Plan“: Steinmeier verspricht vier Millionen neue Jobs – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik.

Offensichtlich strebt Frank-Walter Steinmeier eine Koalition mit den Grünen an. Er weist in dieselbe Richtung, sein „Deutschland-Plan“ leuchtet deutlich in grün. Dieser Plan hat allerdings das Ziel unangemessen hoch gesetzt. Und das alles nur, weil Wahlkampf ist, und der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten nicht einfach sagen kann: „Liebe Grüne, das ist ein tolles Programm, was ihr da habt. Laßt uns dafür kämpfen, daß wir nach der Wahl gemeinsam daran arbeiten können.“

Manchmal gibt es Wunder in der Politik, wie der Beinahesieg von Gerhard Schröder bei der letzten Bundestagswahl. Aber Wunder sollte man besser nicht einplanen. Und ohne ein Wunder wird die SPD derzeit nicht aus ihrem Tief herauskommen. Aber vielleicht erleben wir in der Zukunft den fälligen Wandel. Ich wünsche es der Partei, bin aber Realist genug, daran nicht vor der Bundestagswahl zu glauben.

Grüne Piraten

Die Piratenpartei kommt mir wie ein netzpolitischer Flügel der Grünen vor, der sich abgespalten hat. Vertreten sie doch dieselbe Politik hinsichtlich des Internets.

Daß sie radikaler und frischer wirken als die Grünen, liegt vor allem daran, daß sich Letztere nicht ausschließlich mit Netzpolitik beschäftigen (können). In der Piratenpartei vermisse ich dagegen zum Beispiel Wirtschafts- oder Umweltpolitiker.

Die Piraten werden sicherlich noch eine Weile Zulauf bekommen. Im Interesse einer effektiven Politik wäre es aber sicherlich sinnvoller, die Kräfte zu bündeln. Zumal eine Partei, die vermutlich die Fünfprozenthürde nicht überspringen wird, auch schlecht mit den Grünen koalieren kann, geschweige denn Oppositionspolitik machen kann.

Dagegen könnten die Grünen eine Verstärkung des netzpolitischen Flügels gebrauchen.  Darüber hinaus könnten Fachleute auch insgesamt die Kompetenz hinsichtlich der neuen Medien innerhalb der Partei erhöhen. Nicht nur statistisch betrachtet, sondern auch dadurch, daß sie so manchem Politiker beim Sprung über die digitale Kluft helfen.

Statt uns immer mehr Leute abwerben zu lassen, sollten wir selbst als „Grüne Piraten“ aktiv werden, und dabei speziell auch bei den Anhängern der Piratenpartei dafür werben, ihre Politik bei den Grünen zu machen.

Ich möchte mehr Piraten als Güldners bei den Grünen haben!

Ergänzung zwei Tage später:
Was sogar auf europäischer Ebene klappt, sollte doch wohl auch in Deutschland möglich sein – Die Piraten ziehen mit den Grünen an einem Strang!

Perfektionismus

Seid froh, wenn Ihr keine Perfektionisten seid! Dann kommt Ihr nicht auf die Idee, bei eigentlich längst fertigen Artikeln hier noch einen Link einzufügen, und dort noch einen Rechtschreibfehler zu beseitigen. Das ist fast wie beim Programmieren: Nachdem ich den Code eingetippt habe, und das Programm prinzipiell läuft, füge ich noch dieses oder jenes Feature hinzu. Und bei der Gelegenheit entdecke ich auch noch ein paar Fehler. Diese Nachbearbeitung dauert dann mindestens nochmal so lang wie das Schreiben der ursprünglichen Version.

Dabei bin ich längst nicht mehr so perfektionistisch wie früher. Ich lasse durchaus mal fünfe gerade sein. Nur bei Texten wie diesem, die für die Ewigkeit bzw. fürs Internet gedacht sind, versuche ich schon, mir Mühe zu geben. Damit bloß nicht der Eindruck entsteht, ich wäre vielleicht ein wenig schlampig.

Wahrscheinlich werde ich morgen daran weiterarbeiten, weil mir nachher im Bett noch etwas Passendes dazu einfallen wird. Und beim Hinzufügen werde ich dann erschrecken, wieviele Fehler sich noch im Text versteckten. Habe ich das wirklich so ins Netz gestellt? Nun gut, ich verzeihe mir das, doch korrigieren muß ich es schon noch.

Gäbe es einen Schalter an meinem Gehirn, mit dem ich den Perfektionismus ein für allemal ausschalten könnte – würde ich diesen betätigen? Ich glaube nicht, denn dazu gefallen mir die Vorteile wiederum viel zu gut. Ich denke, ich kann ganz gut damit leben, solange ich weder mich selbst noch Andere damit unter Druck setze.

Und wenn’s zu schlimm wird, schaue ich mir mal wieder die Schlußszene von Manche mögen’s heiß auf DVD an, vielleicht sogar im englischen Original. Der letzte Satz von Osgood Fielding III bringt mich dann wieder auf den Boden zurück…

Jerry: Oh, you don’t understand, Osgood! Ehhhh… I’m a man.
Osgood: Well, nobody’s perfect.

Optimum

Gestern schrieb ich über einen Artikel aus der Aprilausgabe von Gehirn & Geist. Darin war zu lesen, daß die ideale Tätigkeit jene ist, die einen auf Dauer weder über- noch unterfordert, weil sie den eigenen Fähigkeiten optimal entspricht. Das halte ich allerdings schon seit vielen Jahren für ein universelles Prinzip. Schon früh habe ich es zum Beipiel in der Musik entdeckt.

Was macht einen Hit oder Ohrwurm aus? So, wie der passende Job von demjenigen abhängt, der ihn macht, so hängt auch der Hit insbesondere vom musikalischen Erfahrungshorizont des Hörers ab. Denn der ideale Hit ist die perfekte Mischung aus Vertrautem und Neuem.

Neues ist – auch in der Musik – einerseits reizvoll. Aber wenn man zuviel davon auf einmal zu hören bekommt (man erinnere sich z.B. an die Zwölftonmusik), dann wirkt die Musik befremdend und anstrengend. Vertrautes hat demgegenüber den Vorteil, daß man sogleich mitsummen kann. Jedoch führt ausschließlich Vertrautes bei vielen Menschen auch zur Langeweile. Von Vorteil ist das nur dort, wo die Musik keine Aufmerksamkeit erregen und nicht ablenken, aber auf die Stimmung wirken soll. Das klassische Beispiel hierfür ist die sogenannte Fahrstuhlmusik, früher auch als Muzak bekannt.

Coverversionen, also Neuinterpretationen bekannter Stücke, sind daher potentielle Hits. Oftmals einfallslos gemacht, bieten sie dennoch eine gute Mischung aus Vertrautheit und neuen Reizen. Gute Coverversionen, die selten sind, können sogar die Popularität der Originale erreichen oder übertreffen. Schlimmstenfalls kennt kaum noch jemand das Original.

Einfallslos fand ich z.B. die bekannte Coverversion von Tom’s Diner, im Original von Suzanne Vega. Ich weiß nicht einmal mehr, wer die bescheuerte Idee hatte, einfach das an sich reizvolle A-Capella-Stück zu nehmen, und unter Suzanne Vegas Stimme einen zwar rhythmischen, aber meiner Ansicht nach überflüssigen Beat zu legen.

Einfallslos sind auch viele Übersetzungen ins Deutsche, wenn sich nämlich deutsche bzw. deutschsprachige Schlagerstars internationale Hits vornehmen. Vermutlich ist vielen nicht einmal mehr bekannt, daß Karel Gott auch mal einen Hit der Rolling Stones auf deutsch sang (Paint it black). Doch die meisten kennen noch Rudi Carrells amüsanten Hit Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?. Aber wer weiß noch, daß das Original City of New Orleans hieß, von Steve Goodman geschrieben und aufgenommen wurde, jedoch erst durch Arlo Guthries Coverversion richtig bekannt wurde?

Manche Coverversionen sind auch einfach witzig, ohne sich über das Original lustig zu machen. So zum Beispiel dann, wenn Señor Coconut alten Songs von Kraftwerk das Elektronische nimmt, und sie stattdessen mit karibischen Rhythmen unterlegt.

Handwerklich (oder besser mundwerklich?) gut gemacht sind auch manche A-Capella-Versionen. Bewundernswert klingt Frank Zappas Musik aus den Kehlen der hannoverschen Band MayBeBop. Und Six Pack aus Bayreuth (nicht zu verwechseln mit der Coverband Sixpäck aus Wattenscheid) betten ihre hervorragenden Interpretationen von Edith Piaf bis Prince auch noch in eine unterhaltsame Bühnenshow ein. Nicht zu vergessen das völlig neue Hörerlebnis bei Bachinterpretationen der Swingle Singers.

All diese Musik ist reizvoll, weil die Musik als solche bekannt und vertraut ist – im Prinzip kann jeder sofort mitsingen oder zumindest -summen. Aber gleichzeitig ist man gespannt auf Abweichungen oder Variationen des Originals. Wer Stücke immer nur originalgetreu kopiert, wird auf Dauer keinen Erfolg haben, weil sich die Leute dann doch lieber gleich das Original antun.

Vermutlich finden U2 es sogar wichtig, daß man sie auch nach zwanzig Jahren an ihrer Musik sofort erkennt. Aber ungleich größeren Erfolg hatten z.B. die Beatles, die sich nach ihrer anfänglichen Beatphase ständig wandelten, und sich damit sozusagen immer wieder neu interpretierten. Zum Glück trennten sie sich, bevor sie wie später Genesis oder Pink Floyd in eine Art musikalische Zeitschleife gerieten.

Wie produziert man denn nun einen Hit? Indem man etwas Vertrautes neu verpackt. Das erfordert Kreativität und Geschick. Und man kann es nicht einfach nach demselben Schema ständig wiederholen, da dieses nach einiger Zeit ja vertraut sein wird. Schon die alten Römer meinten variatio delectat, und dachten dabei wahrscheinlich noch nicht an Italo-Pop.

Underachiever | Hochbegabung

Gefunden in Brainlogs:

„Underachiever haben enorme psychische Auffälligkeiten, sie haben negative Einstellungen von sich selbst und zeigen Verhaltensauffälligkeiten von ängstlich bis aggressiv. Sie stellen sich selbst in Frage, haben eine niedrige Selbstwirksamkeitserwartung und befinden sich in sozialer Randständigkeit. Auch arbeiten sie ineffizient, denn selbst wenn sie lernen, kommt nicht viel dabei heraus.“

So würde ich mich auch beschreiben. Andererseits findet man zumindest in meinem Fall auch auffällige mathematisch-logische Fähigkeiten, Sorgfalt und Gründlichkeit bis zum Perfektionismus, das Talent, schwierige Zusammenhänge geduldig und anschaulich zu erklären, eine gewisse Musikalität auch ohne entsprechende Erziehung oder Ausbildung.

Auch bin ich Kopfmensch, und kein Handwerker. Eine Leistung, die ich mit meinem Gehirn vollbringe, befriedigt mich viel mehr als das, was ich mit meinen Händen schaffen könnte. Deshalb programmiere ich auch lieber im Kopf, als daß ich Programmcode eintippe. Letzteres langweilt mich schnell.

Als wandelndes Lexikon sehe ich mich selbst nicht, auch wenn ich vieles weiß. Besonders ist vermutlich eher meine Fähigkeit, auch schnell Informationen zu finden, die ich eben nicht im Kopf habe – welche mir z.B. bei Rätseln im Internet eben jenen Ruf des wandelnden Lexikons einbrachte.

Ich lese viel und gerne, habe bereits mit vier Jahren damit begonnen. Aufgrund dieser Tatsache habe ich vermutlich auch einen größeren Wortschatz, und kann mich sprachlich überwiegend korrekt ausdrücken. Wenn ich nur wenige Fremdwörter verwende, liegt das nicht an fehlendem Verständnis, sondern weil ich der Meinung bin, daß man soweit wie möglich allgemeinverständlich und damit deutsch sprechen und schreiben sollte.

Ich habe ein sehr gutes Zahlengedächtnis, jedoch nur, wenn ich die Zahlen regelmäßig wiederhole. Daher ist es z.B. kein Problem für mich, die ersten zwanzig Nachkommastellen von Pi aufzusagen. Ich hatte mal fünfzig Stellen gelernt, aber da einem niemand so lange zuhört, habe ich nur die ersten zwanzig behalten.

Namen kann ich mir nur merken, wenn ich mit den Personen häufig zu tun habe. Aber auch dann kann es passieren, daß ich erst einen Augenblick lang überkagen muß. Nur Gesichter vergesse ich nie, erkenne ich auch noch nach vielen Jahren wieder. So z.B. eine Frau, mit der ich mehr als zehn Jahre zuvor in derselben Tanzschule war. Oder weniger bekannte Filmschauspieler in irgendwelchen Nebenrollen.

Heute las ich einen Artikel im Aprilheft von Gehirn & Geist (ich hinke mit meinen Zeitschriften derzeit ein paar Monate hinterher) über Arbeitszufriedenheit, ein interessantes Thema für mich. Im Untertitel hieß es vielversprechend:

„Wer in seinem Job unglücklich ist, vertut sein halbes Leben. Die Kunst besteht darin, eine Tätigkeit zu finden, die den eigenen Fähigkeiten optimal entspricht.“

Das wußte ich allerdings beides schon, ja, ich hätte wohl den ganzen Artikel selbst schreiben können. Nur bin ich nach dem Lesen leider kein bißchen besser in der Kunst, eine Tätigkeit zu finden, die den eigenen Fähigkeiten (s.o.) optimal entspricht. Kann es sein, daß Underachiever damit besondere Schwierigkeiten haben? Oder ist es einfach so, daß es keinen solchen Job gibt?