Kategorie: Evolutionärer Humanismus

Zeitumstellung: Schafft die Sommerzeit ab!

Ab jetzt ist es abends dunkel, wenn man aus dem Büro kommt, Kinder können eine Stunde kürzer draußen spielen. Warum machen wir nicht Schluss mit diesem Irrsinn?

Quelle: Zeitumstellung: Schafft die Winterzeit ab! – SPIEGEL ONLINE

Ich habe gerade Lust, den Kommentar von Christian Stöcker zu zerfleischen, der ungeachtet der Tatsachen mittels Manipulationen der Uhrzeit die Welt verbessern möchte. Zumindest in Deutschland.

Ich denke bei Menschen, die nach Möglichkeit all ihre freie Zeit im Freien verbringen, als Erstes an jemand ganz anderen: an Kinder. Und denen wird heute mal wieder übel mitgespielt. Wie jedes Jahr um diese Zeit.

Ja, die Zeitumstellung ist einfach überflüssig. Als ich ein Kind war, gab es die bei uns noch nicht. Da wurden die Tage im Winter einfach kürzer. Und da uns niemand im Frühjahr eine Stunde Zeit genommen hatte, beklagten wir uns auch nicht im Herbst darüber, wenn sie uns endlich zurückgegeben wurde.

Heute, am Sonntag nach der Zeitumstellung, wird es in Hamburg um 18:48 Uhr Nacht. Ja: Nacht. Obwohl im Fernsehen noch das sogenannte Vorabendprogramm läuft.

So geht es mir jedes Jahr im Frühling, wenn die Uhr vorgestellt wird: Dann ist es morgens, wenn ich das Haus verlasse, um zur Arbeit zu fahren, noch Nacht. Obwohl ich arbeiten muss.

Spätestens dann werden die meisten Eltern jüngerer Kinder ihren Nachwuchs zusammentrommeln und nach drinnen verfrachten. Die Kinder dürfen dann zwar eine Stunde länger aufbleiben als am Vortag. Aber das gelingt nicht allen – dafür sind sie einfach zu müde. Dafür sind sie am nächsten Morgen garantiert eine Stunde zu früh wach. All das führt ein paar Tage lang zu Schlafmangel und schlechter Laune auf allen Seiten. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.

Das mit den „jüngeren Kindern“ geht irgendwann vorbei, glauben Sie mir. Aber die Umschaltung auf Sommerzeit führt bei mir selbst ein paar Wochen lang zu Schlafmangel und schlechter Laune. Auch ich weiß, wovon ich rede.

Die Umstellung von Sommer- auf Winter- oder genauer: auf Normalzeit ist jedes Jahr wieder eine Quälerei.

Nein, die Umstellung von der Normalzeit auf Sommerzeit ist jedes Jahr wieder eine Quälerei. Nun im Herbst kommt mein eigener Rhythmus endlich wieder ins Gleichgewicht.

Allerdings wollen, und das hat mich dann doch erstaunt, von weit über 82.000 Menschen, die dieses Frühjahr an einer SPIEGEL-ONLINE-Abstimmung zum Thema teilgenommen haben, fast 55 Prozent die Sommerzeit abschaffen und nur 31,6 Prozent die Winterzeit. Das kann ich nicht nachvollziehen. Morgens dunkel ist mir egal. Abends dunkel finde ich deprimierend und kinderfeindlich.

Ich habe früher gedacht: Morgens hell ist mir egal. Da schlafe ich sowieso noch. Aber seit ich regelmäßig morgens früh zur Arbeit muss, ist es mir keineswegs egal. Gerade der Lichtmangel am Morgen führt zu Depressionen. Und ich weiß auch in diesem Fall, wovon ich rede. Denn ich habe zwar keine Kinder, jedoch Depressionen.

Lieber abends ein bisschen länger hell, lieber nicht Ende Oktober jedes Jahr von einem Tag auf den anderen immer bei Dunkelheit aus dem Büro kommen, monatelang, lieber abends noch mal draußen sitzen, wenn das Wetter es zulässt.

Lieber nicht Ende März jedes Jahr von einem Tag auf den anderen immer bei Dunkelheit ins Büro müssen…

Wäre es nicht schön, wenn es in Europa stattdessen den ewigen Sommer gäbe?

Das ist der grundsätzliche Fehler im Gedankengang der Sommerzeitbefürworter: Die Jahreszeiten richten sich eben nicht danach, wie wir die Uhr einstellen. Das Problem kommt vielmehr daher, dass wir uns – seit Einführung des elektrischen Lichts – nicht mehr nach den Jahreszeiten richten (wollen).

Es wurden (außerhalb der Landwirtschaft) feste, sich täglich wiederholende Arbeitszeiten eingeführt, unabhängig vom Tageslicht. Natürlich ist es toll, dass wir nun dank des elektrischen Lichts zu jeder Tageszeit arbeiten können, z.B. beim Notdienst im Krankenhaus. Problematisch ist nur, dass wir das grundsätzlich tun, nicht nur in dringenden Notfällen.

Und weil wir im Winter die paar Stunden, die es am Tag noch hell ist, nun vollständig mit Arbeit verbringen, bleibt in dieser Jahreszeit natürlich kein Tageslicht mehr für unsere Freizeit übrig. Der sommerliche Zustand, dass wir immer noch einige Stunden Licht haben, die wir in unserer Freizeit nutzen können, lässt sich nicht durch eine Zeitumstellung ganzjährlich herstellen.

Findet Euch also damit ab, dass die Erdachse geneigt ist, und wir dadurch in unseren Breitengraden unterschiedliche Tageslängen haben. Oder zieht an den Äquator.

Alternativ könntet Ihr Euch aber auch dafür einsetzen, im Sommer, wenn die Sonne nach Normalzeit bereits zwischen vier und fünf Uhr aufgeht, früher zu arbeiten. Um dann abends noch mehr Tageslicht in Eurer Freizeit zu haben. Das wäre eine individuelle Lösung, die nicht wie eine Zeitumstellung Auswirkungen auf alle Menschen hätte.

Damit müssten auch die Kirchen leben können

Karfreitag, Ostermontag, Himmelfahrt, Pfingstmontag, Fronleichnam, erster und zweiter Weihnachtstag – das sind die sieben staatlichen Feiertage bei uns in Hessen, die religiös begründet sind. (Die anderen sind Neujahr, Tag der Arbeit und Tag der deutschen Einheit.) Was spräche im Sinne der Trennung von Staat und Kirche dagegen, diese Tage wie schon zuvor den Buß- und Bettag zu einfachen religiösen Feiertagen zu „degradieren“, an denen prinzipiell gearbeitet werden muss?

Damit nun niemand benachteiligt wird, bekommen alle stattdessen sieben Tage „Sonderurlaub“. Diesen dürfen sie z.B. an ihren religiösen Feiertagen nehmen, um wie bisher den Gottesdienst besuchen zu können. Somit könnten sich Christen auch nicht mehr darüber beschweren, dass Ungläubige solche Feiertage gerne mitnehmen, anstatt arbeiten zu gehen: Wir gehen einfach arbeiten, und nehmen stattdessen an einem anderen Tag unseren Sonderurlaub. (Hat sich eigentlich schon mal jemand darüber beschwert, dass Arbeitslose den Tag der Arbeit „mitnehmen“ würden?)

Es könnten auch einige dieser staatlichen Feiertage durch andere, nicht religiös begründete ersetzt werden. Es bietet sich z.B. der Europatag am 5. Mai an. Allerdings ginge das auf Kosten der Gläubigen, da diese dann einen Tag weniger Sonderurlaub hätten, und „normalen“ Urlaub an ihrem religiösen Feiertag nehmen müssten.

Früher in der Schule (in Niedersachsen) durften die katholischen Schüler an katholischen Feiertagen wie z.B. Fronleichnam einfach freinehmen. Umgekehrt gab es leider für uns evangelische Schüler keine evangelischen Feiertage, die nicht auch katholische waren. (Der Reformationstag war damals kein Feiertag.) Andererseits sollten die Kirchen trotz „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ besser die Finger von unmündigen Menschen lassen. Natürlich wollen die Kirchen die Menschen so früh wie möglich in ihrem Sinne beinflussen. Kann ich gut verstehen, halte ich aber für unzulässig.

Genauso unzulässig wie (religiös begründete) Vorschriften für Anders- oder Ungläubige. Stellen Sie sich mal vor, ein Gesangverein würde allen Leuten im Ort (auch den Nichtmitgliedern) vorschreiben wollen, dass Mittwochabends niemand Musik hören darf – weil der Gesangsverein zu dieser Zeit in Ruhe üben möchte. Klar, für einen Verein selbst – auch für die Kirche – muss es Regeln geben. Aber diese dürfen sich nicht auf Nichtmitglieder erstrecken! (Außerdem gelten natürlich die staatlichen Gesetze zur Ruhestörung und Lärmbelästigung.) Und wie laut würden wohl die Christen schreien, wenn sie ihre Sonderrechte teilen müssten, und ihnen an islamischen Feiertagen bestimmte Vorschriften gemacht würden?

In manchen Gegenden gibt es sogar die Tradition des Ratschens. Kurz erklärt: Während allgemeines Tanzverbot herrscht, ziehen Christen umher und machen Lärm, welcher die Gläubigen aufruft und die Ungläubigen nervt. Hat schon mal jemand versucht, die wegen Lärmbelästigung anzuzeigen?

Was die Ladenöffnungszeiten betrifft, so sollten ebenfalls keine Vorschriften gemacht werden. In Gegenden mit überwiegend religiöser Bevölkerung, in denen dann viele an religiösen Feiertagen freinehmen, müssten sich Einzelhändler natürlich Gedanken darüber machen, ob sie ihren Laden für den Rest der Bevölkerung unbedingt öffnen müssen. In anderen Gegenden müssen sie sich Gedanken darüber machen, ob sie den Laden an einem solchen Tag unbedingt schließen wollen. Das sollten wir der „unternehmerischen Freiheit“ überlassen.

Und das allgemeine Tanzverbot an religiösen Feiertagen sollte natürlich ersatzlos gestrichen werden: Keine Sonderrechte mehr für bestimmte Religionsgemeinschaften!

Fünf Fragen (ohne Stöckchen)

Blogstöckchen: Fünf Fragen.

Antje Schrupp möchte gerne, dass auch ich ihre fünf Fragen beantworte. Bitte sehr…

1. Stell dir vor, du kommst von einem fremden Planeten auf die Erde und müsstest dir eine Religion aussuchen – welche wäre das (außer deiner eigenen, das gilt nicht)?

Mir graut vor dem Gedanken, mir eine Religion aussuchen zu müssen. Zumal ich gar keine eigene habe, die nicht gelten würde. Aber ich habe mir schon oft überlegt, was wohl Außerirdische über uns denken könnten. So kann ich mir auch vorstellen, wie ich reagieren würde, wenn ich – als „Zugereister“ – zum ersten Mal mit Religion in Berührung käme. Ich wäre irritiert und skeptisch. Und würde zuallererst fragen, wieso ich auf meinem Planeten noch nie etwas von all den großartigen Göttern mitbekommen habe, die die Erde bevölkern. Haben die etwa auch meinen Heimatplaneten heimlich erschaffen, ohne dessen Bewohner darüber in Kenntnis zu setzen?

Und ich bin mir sicher, ich würde schnell wieder zurückfliegen, wenn mir die religiösen Menschen zu sehr auf die Nerven gingen, z.B. indem sie mir einreden wollen, ich müsse eine Religion wählen, denn (wie bisher) ohne Gott – das ginge ja nun gar nicht…

2. Dein Lieblingsbuch aus der Bibel?

Ich mag eine Stelle ganz besonders, bei der ich jedes Mal lachen muss. Ich muss aber erstmal raussuchen, wo die genau war. Es ging um den Bau und die Ausstattung des Zeltes für die Bundeslade (und die Kleidung für die Priester, und die Opfergaben, und… und… und…). Zuerst schreibt Jahwe dem Volk Israel und den Priestern haargenau vor, wie das alles herzustellen und zu errichten sei. Über viele Seiten. Und dann folgt über ebenso viele Seiten die Ausführung, dass es auch bis ins letzte Detail genauso wie vorgeschrieben ausgeführt wurde.

Das Ganze steht direkt nach der Übergabe der Zehn Gebote an Moses, irgendwo in dessen 2. Buch…

3. Gebrauchst du im Gespräch mit nicht-gläubigen Menschen das Wort “Gott” und wenn ja, wie sind die Reaktionen?

Ich halte mich eher zurück, mit Gläubigen darüber zu sprechen. Denn mit denen kann man nicht so gute Witze darüber reißen, weil die das ernstnehmen und sogar als „heilig“ erklärt haben. Daher grenzt es schon an Blasphemie, wenn ich als Ungläubiger zu Gläubigen über Gott spreche. Das Problem habe ich zum Glück bei nicht-gläubigen Menschen nicht.

4. Gibt es derzeit eine Renaissance der Religion oder nicht?

Ja, nur nicht überall. Zum Glück nicht.

5. Was bedeutet für dich Frommsein?

Gar nichts. Ich erlebe nur andere Menschen, die sich als fromm bezeichnen, und die daher meiner Meinung nach an sich selbst (und nicht an Andere) strengere Maßstäbe anlegen müssten, die sich aber in ihrem Verhalten überhaupt nicht von Anderen unterscheiden.

Nun reicht es aber, Oliver Thiel!

Kennt Ihr Oliver Thiel? Vermutlich ebenso gut wie ich: Ich kenne ihn nicht persönlich, weiß nicht einmal, ob es ihn wirklich gibt. Aber ich bekomme häufige und unregelmäßige Mails in seinem Namen zugeschickt. Meist möchte er mich überreden, Goldmitglied bei StayFriends zu werden. Aber gestern hat er es in meinen Augen zu weit getrieben. Er schrieb Folgendes:

Herzlichen Glückwunsch zum Namenstag, Ingo

Hallo Ingo!

Sie haben heute Namenstag und wir dürfen Ihnen sehr herzlich dazu
gratulieren. Erfahren Sie mehr über die Bedeutung Ihres Namens.

Mehr über meinen Namen erfahren
http://go.stayfriends.de/3Xk0giV3xMQYIkyX/saintsday_own

Viele Grüße
Oliver Thiel
StayFriends Mitgliederbetreuung

Offensichtlich weiß Oliver Thiel nicht, dass ich schon so alt bin, dass ich mehr als eine Gelegenheit hatte, die Herkunft meines Vornamens zu erleuchten. Und das ist in meinem Fall nicht sehr schwierig: „Yngvi (auch Ingwë bzw. Ingwio) ist der Name der wichtigsten Gottheit des Germanenstammes der Ingaevonen.“ Ingo ist einfach die deutsche Form dieses Namens. Und es ist das Original, und nicht die Kurzform z.B. von Ingbert, wie an manchen Stellen zu lesen ist. Im Gegenteil: Alle anderen Namen, die mit Ing- beginnen (so auch weibliche Formen wie Ingeborg oder Ingrid) sind von Yngvi/Ingwio/Ingo abgeleitet worden.

Der erwähnte Namenstag bezieht sich aber auf den Heiligen Ingbert, der im 6./7. Jh. als Einsiedler im heutigen Saarland einsiedelte. Weshalb dort sogar ein Ort nach ihm benannt wurde. Es gibt also keinen Heiligen Ingo. Das wäre auch äußerst seltsam, wenn die katholische Kirche einen nordischen StammesGOTT heiligspräche…

Andererseits ist es auch seltsam, dass Oliver Thiel (vermutlich selbst katholisch) einfach so davon ausgeht, dass auch ich zu seiner Glaubensgemeinschaft gehören und damit Namenstage feiern würde. Als ehemals getaufter Protestant habe ich zwar in meiner Kindheit immer bedauert, dass ich niemals Namenstag feiern kann. Aber als heutiger Atheist habe ich nicht nur die Trauer darüber, sondern sämtlichen religiösen Ballast überwunden.

Und daher, lieber Oliver Thiel, möchte ich Sie bitten, sich nicht weiter auf diese katholische Weise bei mir einzuschleimen. Sonst könnte ich auf die Idee kommen, mal wieder darüber nachzudenken, was – außer Ihren Mails – mir eigentlich die (normale) Mitgliedschaft bei StayFriends bringt. Und schlimmstenfalls trete ich dann endlich mal dort aus.

Was dem einen sein Negerkuss, ist der anderen ihr Zigeunerschnitzel

Fühlen Sie sich manchmal auch furchtbar durch den Gebrauch einzelner Worte beleidigt oder provoziert? Versuchen auch Sie, Namen, die Sie seit Ihrer Kindheit kennen, durch politisch korrekte wie „Schokokuss“ oder „Paprikaschnitzel“ zu ersetzen? Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie ihnen aus Gewohnheit und Versehen dennoch einmal herausrutschen? Und vor allem: Üben Sie sich auch immer wieder darin, auch Ihren Mitmenschen den politisch korrekten Gebrauch von Sprache beizubringen? Na, dann verstehen Sie sicherlich mein Problem als Atheist.

Gegen die Beleidigung „Ungläubiger“ konnte ich mich erfolgreich zur Wehr setzen, indem ich das Wort selbst benutze, wie es uns die Schwulen vorgemacht haben. Heute kann ich stolz und aufrechten Hauptes sagen, dass ich ungläubig bin, weil diese Bezeichnung für mich positiv besetzt ist. Statt mich als Atheist vorzustellen, sage ich nun einfach, ich bin ungläubig, wenn mich jemand nach meinem Glauben fragt. So wie ich auch Nichtraucher bin, wenn mir jemand Tabakwaren anbietet.

Aber ein Problem bleibt für mich und alle anderen Ungläubigen: Genauso, wie Wörter wie „Neger“ oder „Zigeuner“ heute nicht mehr angebracht sind, ist auch „Gott“ ein Relikt aus alten Zeiten, und beleidigt jeden aufgeklärten Menschen. Dennoch wird es nach wie vor gedankenlos in Wörtern wie z.B. „Götterspeise“ verwendet, obwohl es dafür bereits in meiner Kindheit den Namen „Wackelpudding“ gibt. Außerdem gibt es natürlich zahlreiche Bücher, die dringend an unsere aufgeklärte und politisch korrekte Zeit angepasst werden müssen. Wenn der „Negerkönig“ selbst bei Pippi Langstrumpf ersetzt wird, dann ist es sicherlich angebracht, „Gott“ aus weitaus wichtigeren Werken zu tilgen. Die Möglichkeit, Werke, in denen noch gedankenlos „Gott“ benutzt wird, als „jugendgefährdend“ einzustufen, halte ich wie im Fall von Pippi Langstrumpf für unwahrscheinlich.

Atheisten neigen im Gegensatz zu manchen religiösen Menschen nicht dazu, wegen Beleidigungen durch Worte oder Karikaturen, Anzeige zu erstatten, Bücher zu verbrennen oder gar Menschen umzubringen. Dies lässt ihre Gefühle im Vergleich unbedeutend erscheinen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass es die Vernunft vieler Menschen beleidigt, wenn z.B. ausschließlich heterosexuelle Beziehungen als „gottgewollt“ bezeichnet werden.

Um es sich außer mit den Afroamerikanern, Sinti und Roma nicht auch noch mit den Atheisten zu verderben, schlage ich vor, das Wort „Gott“ grundsätzlich nicht mehr zu gebrauchen. Statt „Götterspeise“ gibt es nur noch „Wackelpudding“. Und „Gott“ selbst ließe sich z.B. angemessen durch „imaginäres Wesen“ ersetzen. Nun gut, die Überarbeitung der Bibel wird etwas mehr Aufwand erfordern. Doch dieser Aufwand wird am Ende auch dadurch belohnt werden, dass der Märchencharakter des Werkes deutlicher hervortreten wird.

Und die Moral von der Geschichte? Egal wie Du es sagst: Es gibt immer mindestens einen Idioten, der sich durch Deine Wortwahl beleidigt fühlt, notfalls stellvertretend für Andere.

Was ich während des Schreibens gehört habe:

Nichts ist unmöglich!

Ich habe diese fantastischen Vier mit dem Programm vor vielen Jahren in Braunschweig live erlebt, und halte es immer noch für eine Sternstunde des deutschen Kabaretts, welches es meines Wissens nie ins Fernsehen geschaft hat, weil die Texte weder jugendfrei noch politisch korrekt sind.

Feiertage für alle

Nachdem ich gelesen habe, dass Muslime demnächst das Recht bekommen, an muslimischen Feiertagen freizunehmen – also Urlaub zu bekommen -, kam ich auf die Idee, dass man das generell so machen sollte. Auch die Christen sollten an ihren Feiertagen dieses Recht bekommen.

Allerdings sollten gleichzeitig alle christlichen Feiertage in Deutschland, an denen niemand zur Arbeit muss, durch nichtreligiöse Feiertage ersetzt werden. Also z.B. Christi Himmelfahrt durch einen Evolutionstag – an einem anderen, noch festzulegenden Datum. Da würden uns bestimmt genug einfallen.

Das Resultat wäre, dass es genauso viele Feiertage wie vorher gäbe, an denen alle frei haben. Religiöse Menschen dürfen jedoch an ihren Feiertagen Urlaub nehmen, der ihnen nicht verwehrt werden darf.

Auf Anhieb fallen mir ein paar Vorteile ein: Da nicht mehr alle gleichzeitig zu Ostern/Weihnachten freihaben werden, gäbe es weniger Staus durch Reiseverkehr. Vielleicht entspannt sich sogar die Lage in den Geschäften, die zu diesen Zeiten große Werbe- und Verkaufsoffensiven starten.

Und nicht zuletzt muss ich mir nie wieder anhören, dass ich es angeblich den Christen (und nicht dem Staat) zu verdanken hätte, wenn ich zu Ostern/Weihnachten nicht arbeiten bräuchte. Ich weiß nur, dass es Christen zu verdanken ist, wenn Andersgläubige, Geschiedene oder Homosexuelle nicht in kirchlichen Einrichtungen arbeiten dürfen…

Der Rabbi lässt tanzen

Das Juden- und das Christentum sind beide monotheistische und abrahamitische Religionen, und angeblich wird in beiden sogar derselbe Gott Jahwe angebetet, dessen Namen die Juden allerdings nie aussprechen – aus Angst ihn zu missbrauchen, was ihnen ja verboten wurde. Die Christen benutzen ihn auch nur selten (oft in der falschen Weise als „Jehova“), da sie das Alte Testament quasi von den Juden übernommen haben, in dem der Gottesname nur als „adonai“ gelesen wurde. Was dann in der deutschen Übersetzung durch Martin Luther wiederum zu einer Inflation des „HErrn“ führte.

Doch die Unterschiede zwischen diesen beiden Religionen zeigen sich außer in dem Kernpunkt, dass der Wanderprediger Jesus von Nazareth von den einen als Messias, von den anderen jedoch nur als ein weiterer Prophet angesehen wird, vor allem im Umgang mit den Ge- und Verboten, die den Juden und Christen auferlegt wurden – bzw. die sie sich selbst auferlegt haben.

Aktueller Anlass für diesen Artikel ist für mich das Tanzverbot an hohen christlichen Feiertagen. Davon steht natürlich noch nichts in der Bibel drin. Es ist aber natürlich durchaus nachvollziehbar, wenn Christen an dem Tag, an dem angeblich ihr Heiland starb, trauern anstatt zu tanzen. Weniger nachvollziehbar ist dagegen, dass sozusagen ein Trauergebot gilt bzw. ein Tanzverbot. Muss gläubigen und damit trauernden Christen wirklich an Karfreitag das Tanzen verboten werden? Nun gut, aber überhaupt nicht mehr für mich nachvollziehbar ist es für mich, wenn die christlichen Kirchen dieses Verbot erstens durch den Staat regeln lassen. Und es zweitens auch für Anders- und Ungläubige gelten soll.

Die (gläubigen!) Juden in Israel gehen mit den religiösen Verboten ganz anders um. Mal abgesehen davon, dass sie sich auch als äußerst kreativ erweisen, wenn es darum geht, Schlupflöcher zu finden, gelten diese Gesetze natürlich nur für Juden. Es würde einem Juden nicht im Traume einfallen, einem Christen oder Muslim z.B. zu verbieten, ein Zicklein in der Milch der Mutter (des Zickleins) zu kochen. Im Gegenteil: Viele Palästinenser leben in Israel ganz gut davon, dass sie am Sabbat die Arbeiten erledigen, die Juden nicht machen dürfen – z.B. einen Fahrstuhl bedienen.

Während die Juden sich selbst für das auserwählte Volk halten, und andere nur ungern mit „ins Boot nehmen“ möchten, ist das Tanzverbot der Christen beinahe schon eine Art Zwangschristianisierung, auf jeden Fall aber wieder einmal offensive Missionsarbeit. Wer (in Hessen) etwas dagegen unternehmen möchte, der kann sich den zum Zeitpunkt dieses Artikels genau 5.555 Leuten anschließen, die per Petition eine Aufhebung dieses Tanzverbots erreichen möchten.